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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-10-03 · Heft 40 (3.10.1876) · p. Seite 641

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 40 (3.10.1876)
Date
1876-10-03
Page
Seite 641 (sequence 3)
Language
German
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641 geben, und zwar zwei vorher und eine nachher, nur daß spater bei dem Abendgottesdienste für den Sabbath noch eine, für den Wochentag noch zwei Benediclionen hinzugefügt wurden. Diese sollten auf die Tageszeiten Bezug nehmen. — Sehen wir uns zuerst die, die Kriath Schema am Morgen begleitenden Benediclionen an. Den Anfang macht (auch am Abend) die Response als Aufforderung zu den Benediclionen imn und “p-o, woran sich die aus Jesaias 45, 7 entnommene Benediction über die Schöpfung des Lichts und der Finsterniß wie des ganzen Weltalls schließt.'-) Jetzt beginnt der Lobpreis Gottes, der der Erde das Licht giebt und jeden Tag das Werk der Schöpfung erneuert, die Sonne und alle Leuchten des Himmels geschaffen hat. Mit Beziehung auf Jesaias 6, besonders V. 3, und Ezechiel l, besonders 3, 12, wird die Anbetung Gottes durch die Engel hervorgehoben,2 3) Gott in seiner unendlichen Wirksamkeit, in der Menschenwelt wie in seiner ganzen Schöpfung, gepriesen und die Benediction, „der die Leuchten bildet", geschloffen. 4) — Die zweite Benediction feiert die Liebe Gottes, wie ste sich besonders durch die Offenbarung der Lehre und des Gesetzes an Israel bethätigt hat und durch die Zurückführung Issels nach dem h. Lande „zum Frieden" belhäligen wird, da Gott Israel bestimmt hat, ihn als Einzigen anzubeten. Dies führt unmittelbar zum Schema. An dieses schließt sich nun ebenso unmittelbar das Bekenntniß der Wahrheit des Schema in der folgenden Benediction, der Wahrheit Gottes als einzigen Weltenschöpfers und als Erlösers Israels, so daß nach Erwähnung des Auszuges aus Egypten und der Vorgänge am rolhen Meere, und dem Hervcrheben des Gedankens, daß Gott die Hochmüthigen stürzt und die Niedrigen erhöht und allen Geknechteten und Leidenden Hülfe angedeihen läßt, die Benediction schließt „der Israel erlösete." — Am Sabbath finden nur in der ersten Benediction einige Modificationen statt, welche besonders den Sabbath verherrlichen, sowie in Form eines Midrasch das Leben auf Erden, das zukünftige Leben, die Zeit des Messias und die Auferstehung der Todten nebeneinander gestellt werden, offenbar ein späteres Einschiebsel, wie es mit diesem Inhalt nicht wieder vorkommt. — Bei dem Abendgottesdienste giebt die erste Benediction den Lobpreis Gottes, der „den Abend dämmern läßt", indem er in seiner Allweisheit die Tageszeiten geordnet und zwischen Tag und Nacht 2) Die Formel bei Zesaias stellt, wie schon Saadias, Bitringa u. A. bemerkten, einen Gegensatz zu dem persischen Dualismus (der Gott des Lichtes und der Gott der Finsterniß, des Guten und des Bösen) ans, indem sic Gott als den Lchöpfer des Lichrs und der Finsteruiß, deffen was uns gut und was uns übet erscheint, lehrt. Die Gcbctsormel hatte diesen Zweck nicht, begnügte sich durch Cibw Mw“ die Einheit auszudrückcn, in welche alle Gegensätze der Elemente aufgcheu, ließ das einer Erklärung bedürftige STim weg und setzte dafür sr-112-. 3) Man bemerke wohl, daß nicht von einer Dämonologie die Rede ist, sondern nur schriftgcmäß, besonders aus der Bision Ezechiels Engel erwähnt werden, reine, heilige Geister, und auch nur in ihrer Beziehung zu Gott, in deffen Anbetung und Dienst. 4) DaS Einschiebsel W-tN ist spätern Ursprungs. unterschieden hat. Ebenso analog mit den Morgen-Benedictionen bespricht die zweite die durch die Offenbarung an Israel bethätizte Liebe Gottes, sowie die nach dem Schema die Wahrheit deffelben und die bei dem Auszuge aus Egypten und am rochen Meere ausgeführte Befreiung und schließt gleichfalls „der Israel erlösete". An diesen älteren Grundstock wurde noch eme Benediction hinzugesügt, welche ein sehr inniges Nachtgebet enthält, in welchem eine friedliche Ruhe und ein Erwachen zum Leben und Schutz gegen alle Gefahren, die den Menschen betreffen, erfleht wird. ->) Dann wurde abermals eine längere Benediction hinzugefügt, die fast ganz aus Schriftversen besteht, welche die Weltregierung Gottes anssprechen. Diese letztere wird am Sabbath weggelaffen, sowie die Schlußworte der vorhergehenden durch andere ersetzt sind. — Wir finden also auch in diesen Benediclionen jene, von uns hervorgehobene Vereinigung des Begriffes Gottes als Weltschöpfers und Weltregierers mit der Vorstellung, wie Gott in der Geschichte, namentlich Israels waltet, und zwar als Offenbarer der Wahrheit und als Befreier von Knechtschaft und Gewaltchat. — Wir haben hiermit versucht, den Aufbau des gesammten Fundaments des jüdischen Gebetritus in der Einfachheit seines Planes und seiner Formen auszustellen und aus der Gebetmaffe heraus klar zu machen. Es besteht, wie gesagt, lediglich aus der sg. Schemona Esre, die aus resp. 18, 7 und 8 Benediclionen zusammengesetzt ist, und der Kriath Schema mit den sie begleitenden Benedictionen. Was in späteren Zeiten vorangesetzt und hinzugesügt worden, beschäftigt uns diesmal nicht. Wir wollen in einem Schlußartikel nur noch einige besondere, dazu gehörige Formen besprechen. (Schluß folgt.) Der Verfall des Islam. II. l>r. Dillmann spricht nun über die Ursachen des Emporkommens und des über 1000-jährigen Bestandes des Islam. Wir verstehen jetzt leicht, sagt er, „daß in diesem Islam, mit seinen paar einfachen Glaubenssätzen und seinen positiven Geboten, der durch das Judenthum befruchtete Geist des arabischen Wüstenvolks seinen klassischen Ausdruck gefunden hat. Wir sind auch unbefangen genug geworden, um Werth und Verdienst dieses aus der alten Wurzel der monotheistischen Religionen nachgetriebenen Glaubens nicht zu verkennen. Der Nachdruck, womit der Islam die allgemeinsten, aber zugleich allernothwendigsten Grundgedanken jeder wahren Religion laut in die Welt hinaus 5) Das in diesem kurzen Rachtgebet gebrauchte Wort kann nur in seiner allgemeinen Bedeutung als „Anklage, Berleumdung, Hinderung" verstanden werden. 40*

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