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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-09-26 · Heft 39 (26.9.1876) · p. Seite 630

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 39 (26.9.1876)
Date
1876-09-26
Page
Seite 630 (sequence 8)
Language
German
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630 Ackerbaucolonien handeln könne. Der Beweis für die Lügenhaftigkeit der ganzen Nachricht liegt schon in der Angabe des Gesellschaftscapitals von acht Millionen Pfund (beinahe 54 Millionen Thaler)'.!! Wir hatten nicht vor, uns mit dieser albernen Geschichte weiter zu beschäftigen, deren sich unter anderen auch schon das Witzblatt „Berliner Wespen" bemächtigt hat. Doch erhielten wir von der russischen Grenze ein vom 11. Sept. datirtes Schreiben, in welchem wir ersucht werden, uns ausführlich über das gedachte Project zu äußern, weil es doch auch eine ernstere Seite habe. In der unwisienden Maffe der polnischrussischen Juden wird durch eine solche Nachricht leicht eine unruhige Bewegung der Gemüther hervorgebracht, denn da es nirgends um sie schlimmer stehen kann, als es hier um sie steht, und das Wort „Erez Jisroel" in ihrem Elende stets einen Zauberklang auf ihre lebhafte Einbildungskraft besitzt, so könnte eine derartige Vorstellung in trauriger Weise auf sie wirken. Andrerseits greifen die russischen Judenfreffer bereits nach diesem neuen Nahrungsstoff, behandeln ihn als vollkommen sicher und vorbereitet und benutzen ihn zu unserem Schaden. Das Schreiben erinnert sogar an den berüchtigten Sabbathai Zwi. — Was sollen wir aber darüber sagen? Es gehört die gröbste Unkenntniß der Verhältniffe, sowohl der politischen überhaupt als der jüdischen insbesondere, sowie eine kindliche Naivität dazu, einen solchen Plan nur einen Augenblick ernst zu nehmen. Mitten in den Wirren der orientalischen Frage, in den blutigen Kämpfen, die vorauSzusehen sind, und welche leicht Syrien, also auch Palästina, zum Schauplatz haben können, an einen jüdischen Staat zu denken, bezeichnele den Urheber als reif für die Irrenanstalt. Ebenso wahnwitzig wäre der Gedanke, die Mittel zu einem solchen Unternehmen herbeischaffen zu können. Die Juden, trotz einer kleinen Anzahl Millionäre, besitzen sie nicht und würden noch weniger sie dazu hergeben. Und endlich am thörichsten wäre die Meinung, daß die durch die ganze Welt zerstreuten Juden das genügende Menschenmaterial zu einem solchen Unternehmen darbieten würden. Höchstens fände sich da eine Masse ärmster und unwissendster Bettler aus Rußland und dem Orient ein, die zu ihrem Unterhalte unermeßliche Summen verzehren müßten und mit Lenen eine staatliche und gesellschaftliche Organisation unmöglich wäre. Die jüdische Orthodoxie hat sich solchen Plänen niemals zugeneigt, da sie die Rückkehr nach Palästina allein von . der Ankunft des Messias erwartet. Die aufgeklärten Juden erkennen ihre Bestimmung nur darin, ihrer Religion anhänglich und psiichtgetreue Bürger des Staates zu sein, dem sie angehören. Es können also nur einige fanatische Schwärmer sein, welche solchem Wahnwitz nachhängen, und sie sind verantwortlich für das Uebel, das sie damit anstiften könnten, und wäre es nür, daß sie den Spöttern und Hassern einen willkommenen Stoff böten. Doch es ist nur Humbug, der in der Weise, wie er aufgetreten, von einem unserer Gegner erfunden ist. Königsberg i. Pr., 14. Sept. (Privatmittheil.) Eine bestimmte Wassermaffe, die sich ausdehnt, wird breiter, nicht tiefer. Man kann dies von der jüdischen Presse sagen, welche jetzt eine Menge von Schößlingen treibt, ohne dadurch an Kraft und Fülle des Geistes, an Tiefe und Werth der Erzeugnisse zu gewinnen. Allerdings gewinnt die jüdische Presse durch ihre Vervielfältigung in einer größeren Zahl von Blättern an Verbreitung. Sie dringt dadurch in gewissen Bezirken zu Lesern, denen sie gewissermaßen in die Hände gegeben wird, wahrend sie von fernher nicht zu ihnen dränge. Im Ganzen jedoch macht sich eine größere Mannigfaltigkeit des Inhalts nicht erkennbar; die meisten Blätter laufen auf dasselbe hinaus. Denn der sorgfältige Beobachter hat längst wahrgenommen, daß in den letzten Jahrzehnten zwar die Gewandheit der Feder unter den Juden sich mehr verbreitet hat, jedoch nicht die schöpferische Kraft, die Schärfe und der Schwung des Geistes und die Gründlichkeit des Wissens gewachsen sind. Darum bemächtigen sich auch auf dem Gebiete des Judenthums so Viele des Redactionsberufes, freilich oft ohne berufen und befähigt zu sein. Dann welken solche Blätter bald wieder ab, um neuen Treibern Platz zu machen. Wir haben diese Bemerkungen gemacht, ohne irgend auf bestimmte Erscheinungen anspielen zu wollen; auch nicht auf die, von welcher wir hier Notiz nehmen wollen. Es sind hier zwei Probenummern einer neuen hebräischen Wochenschrift ausgegeben worden, die unter dem Titel rnpr: („die Stimme"), unter der Redaction des Hrn. M. L. Rodkinssohn, nach dem Neujahrsfeste regelmäßig erscheinen soll. In ihrem Hauptthcile soll sie politischen Inhalts sein, und zwar ganz ohne Beziehung auf die Verhältniffe der Juden und jüdische Stoffe, von welchen letzteren nur ein kleiner Raum feuilletonarrig gefüllt werden soll. Bemerkenswerth ist, daß in diesen beiden ersten Nummern hauptsächlich und ausführlich der türkisch-serbische Krieg besprochen wird. Ist somit die Zeitschrift für die polnisch-russischen Juden bestimmt, so giebt es hinwiederum ein Zeugniß, wie hoch das Interesse an den Ereignissen auf der Balkanhalbinsel im russischen Volke gespannt ist. Wronke, 14. Sept. (Erwiderung.) Herr llr. Singer! Es ist mir nicht entgangen, daß der Corporationsvorstand zu Birnbaum diejenigen zu Lügnern gestempelt, die den Beweis der Wahrheit anzutreten beabsichtigten; doch scheute ich keineswegs, sondern hielt es vielmehr für geboten, den Beweis der Wahrheit in diesem Proceß zu erleichtern, da mein Gewährsmann Oe. Lesser, früher Rabbiner in Birnbaum, jetzt in Bielitz ist., Ur. Nager. (Hiermit erklären wir diese Angelegenheit für dieses Blatt als abgeschlossen. Redacrion. Oesterreich - Ungarn. Linz a. b. Donau, ll. Septbr. Unser Correspond ent, Herr W., sendet uns eine ausführliche Erwiderung auf die Entgegnung des Herrn l)r. Winternitz in Nr. 36. Wir können

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