Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 39 (26.9.1876)
- Date
- 1876-09-26
- Page
- Seite 628 (sequence 6)
- Language
- German
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628 giskhan's und 1 V2 Jahrhunderte später wieder vor Timurlank's wilden Horden die blühenden Staaten und Städte des muhammedanischen Asiens mit allen ihren Schätzen und Brldungsmitteln in Trümmer und Schult. Aber selbst aus dieser furchtbarsten Verwüstung, die je über ihn gekommen, hat der Islam seine Auferstehung gefeiert: die mongolischen und tatarischen Sieger wurden leicht und schnell geistig Besiegte und stellten dem Propheten ihre rohe Naturkraft, ihren kriegerischen Eroberungsmuth und ein unerschöpfliches Menschenmaterial zu Diensten. Die Dölkerkonglomerate krystallisirten sich wieder unter geschickten, thatkräftigen Herrschern zu neuen Reichen. Als im fernen Indien der Timurice Babur seinen Kaiserstaat gründete und der Großmogul Akbar noch einmal in Glanz und Macht und in der Pflege der Künste und Wissenschaften mit den größten Regenten der Vorzeit wetteiferte, da waren die Heldenfürsten aus Osmans Geschlecht längst siegreich nach Westen in bisher noch verschont gebliebene altchriftliche Gebiete vorgedrungen, hatten das morsche byzantinische Reich zertrümmert und den ganzen Südosten Europas im Sturm genommen und geknechtet. Zu derselben Zeit, als in Europa das Mittelalter zu Grabe sank und ein neuer Geist die Kirche und Völker durchwehte, erklomm dieser Osmanenstaat den Gipfel seiner Macht, faßte noch einmal als neues Khalifat die Länder Afrika's und Vorderasiens zusammen und unterband den Verkehr des christlichen Abendlands mit zwei Welttheilen, stürmte noch einnial, wie einst, bis hart vor die Thore der germanischen Welt und wurde auf lange der grausigste aller Schrecken der Christen. Und nun nach 300—400 Jahren liegt der Riese da mit abgeriffenen oder abgefallenen Gliedern, abgelebt, macht- und thatenlos, ein Gespötte Europa's, längst nur noch durch die Uneinigkeit seiner Gegner und durch fremdes Geld ein kümmerliches Dasein fristend, unfähig den Unfrieden im eigenen Hause zu dämpfen, so krank, daß jeder Versuch der Heilung nur die Krise beschleunigt. Seine Bruderstaaten sind vom selben Schicksal erreicht. Die Vormauer, die er ihnen war, ward umgangen; vom Norden und Osten her drangen die christlichen Mächte gegen seine Gebiete vor. In Indien gehorchen schon über 40 Millionen Muslim dem christlichen Szepter. Die nennenswerthen Staaten des Islam, die noch bestehen, schiitische und sunnitische, suchen vergeblich in die neue Zeit und die neuen Verhältnisie, die sie nicht geschaffen, sich zu finden; es fehlt an der inneren geistigen Kraft zur Um- und Neubildung. Auf allen Seiten umlagert von der europäischen Cultur und gezwungen, sie in sich aufzunehmen , nehmen sie ein Gift auf, das ihr Inneres zerfrißt. Nur in den unzugänglichen Wüsten, Gebirgen und Binnenländern lebt er noch ein sicheres, aber rühm- und bildungsloses Dasein und gewinnt sogar noch Seelen." Diese zuletzt berührte Verbreitung des Islam, wie sie gegenwärtig noch ftattfinder, findet allerdings in sehr großem Maßslabe statt und bildet kein beiläufiges Moment in unserer Frage. In Indien, in China und in Jnnerafrika macht der Islam reißende Fortschritte, und wird durch den Fanatismus seiner Anhänger immer weiter ausgebreitet, während der Boden, den das Christenthum in jenen Ländern gewinnt, äußerst gering ist. (Fortsetzung folgt.) dit/öcc&tic&fcett. Deutschland. 1 Berlin, 12. Septbr. (Privatm., Ich habe mir nun einmal gestattet, in diesem Blatte von den eben erschienenen Memoiren Strousberg's Notiz zu nehmen, und so möchte ich auch einen Blick auf das Capitel werfen, das er dem Abz. 0r. Lasker gewidmet hat. Es ist ries wohl am Platze, nicht weil Lasker Jude ist. sondern weil er es war, der uns das Ausiritisgesetz bescheerte, und weil er bei den wahrscheinlich bald eintreleuden Veranlasiungen, bei welchen auch unsere Religionsgenosienschaft von der Gesetzgebung direct berührt sein wird, einen nicht geringen Einfluß üben wird. Man setzt voraus, daß Stroußberg auch in diesem Capitel nichts als seine eigene Rechtfertigung sucht, sich als schuldlosen Märtyrer darzustellen strebt. Es ist daher Humbug, jedoch wohl berechneter Humbug, daß er seinen ganzen Sturz der bekannten Rede Lasters, in welcher er auch „das System Strousberg" charakterisirte, zuschreibt und ihn dafür vor der Welt verantwortlich macht. Strousberg sieht nicht ein, daß er hierdurch selbst sein ganzes Bauwerk als ein Kartenhaus bezeichnet, welches der Windhauch einer parlamentarischen Rede umzuwehen vermochte. Dennoch - ist Strousberg schlau genug, um sich in den Mantel der Objectivität zu hüllen, damit hie Schläge, die er auf Lasker auszuführen vermeint, um fo gerechtfertigter erscheinen mögen. Die Art, wie er zum Beispiel die seltene Eigennutzlosigkeit Laskers erklärt und beurtheilt, zeigt jedoch hinlänglich, daß es ihm kaum gelinge, den Sturm seiner Leidenschaft zu bändigen. Dies verhindert jedoch nicht, daß er manches Zutresienre aussagt; denn ein scharfsichtiger Beobachter ist Str. jedenfalls. Heben wir folgende Stelle hervor. Er sagt von Laster: „Bei seiner Selbstschätzung ist die Ueberzeugung bei ihm natürlich, daß sein Einfluß nicht ein repräsentativer, sondern ein rein persönlicher sei, und daß man ihn nur darum consultire, weil man seinen Rath hochschätzl und voraussetzt, daß er Alles am besten verstehe. Sich so als den höchsten Rath, als par excellence für das Staatswohl verantwortlich haltend, ist Lasker von seiner Gewissenhaftigkeit getrieben, überall thätig zu sein, und glaubt sich berufen und verpflichtet, sich in Alles zu mischen und