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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-09-26 · Heft 39 (26.9.1876) · p. Seite 626

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 39 (26.9.1876)
Date
1876-09-26
Page
Seite 626 (sequence 4)
Language
German
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626 71 Vl f ll h <3 l I sollte nun die Türkei die notwendigen Reformen nicht her- ÄLr VrrsLU ves ZÄHM. I ^Ellen wollen oder kennen, so könnte selbst die Uneinigkeit Eu- Wir haben in Nr. 11 den geschichtlichen Verlauf in dem! ropa's auf die Länge die türkische Herrschaft nicht dulden, was Verhältniß des Orients und des Occidents zu einander, sowie übrigens mit der Versagung der türkischen Bevölkerung noch nicht die türkische Frage, welche seitdem einen so blutigen und verheeidentisch ist. Die Frage wird aber von Vielen verneint, indem renden Weg eingeschlagen, ausführlich besprochen. Immer mehr sie sich dabei auf das Argument stützen: der Islam selbst mache drangt sich aber eine viel höhere Frage in den Vordergrund: für jede Reform unfähig. Wir unsrerseits meinen, daß hierbei wird es dem türkischen Staate möglich sein, Reformen ein- und nicht genug zwischen dem Islam und der ihn in Europa verdurchzuführen, wie sie die Cultur unsrer Zeit gebieterisch fordert, I tretenden Nation der Türken unterschieden werde. Mag eine und ohne welche die Existenz des türkischen Reiches für Europa! Religion noch so bildsam sein, wenn ein Volk, das ihr angeunertraglich würde? Wie sehr an dieser Frage auch die jüd.l hört, verlebt und verkommen ist, so kann jene dessen Untergang Glaubensgenossenschaft interessirt ist, leuchtet ein. Äst es doch I nicht aufhallen, und es ist daraus auf die Beschaffenheit vernicht zu verkennen, daß die Herrschaft der Türken in einem selben nicht zu schließen. Auch christliche Völker erweisen dies. Theile Europa's bis jetzt nur durch die Eifersucht der Groß- Andererseits, ist eine Nation vom Entwickelungs- und Bildungsmachte, und daß gerade Rußland die türkische Erbschaft in Antriebe ergriffen und auf den Weg des Fortschritts gedrängt, so spruch nimmt, erhalten geblieben, da sie bei einem Ansturm der muß sich auch ihre Religion dies gefallen lassen und wird demvereinigten europäischen Mächte wie Glas zertrümmern würde, gemäß eine Umgestaltung erfahren. Die evangel. Reformation, - sowie der noch jetzt wogende Kampf gegen den UltramontaniSmus, und ftr. M. «t r a ck — beide haben die zwei Seiten lange Recension £Ct a{§ cttl „Culturkampf" bezeichnet wird, geben dafür Zeuaniß. unterichricben. Untzomcbr verwunderte cs uns, daß diese beiden Herren _ T 0 0 in eine Leidenschaft gcrathen, wcl-be in Wirksamkeit stehenden Schul- Findet doch dasselbe auch lM modernen Judenthum in dessen männern und pädagogischen Schriftstellern nicht sehr angemessen zu Verhältniß zum rabbinisch-talmudischen statt. Man müßte daher lern scheint. Es ist überhaupt ein höchst bedauerlicher Umstand, dast, ' _p 3 , , .... ' * ' wo irgend ein Conslict oder auch nur eine Streitfrage zwischen Christen zunächst fragen, ob das türkische Volk befähigt sei, sich der Re- und Juden vorkommt, stch sofort von beiden Seiten eine Leidenschafthiuzugeben und sie zu fester Gestaltung zu bringen. Allein lichkert kundthut, welche meist in keinem Verhaltnrß zur Bedeutung des! ' y 0 ' 0 ' « n ^3 9 Wir haben in Nr. 11 den geschichtlichen Verlauf in dem! ropa's auf die Länge die türkische Herrschaft nicht dulden, was Verhältniß des Orients und des Occidents zu einander, sowie übrigens mit der Verjagung der türkischen Bevölkerung noch nicht die türkische Frage, welche seitdem einen so blutigen und verheeidentisch ist. Die Frage wird aber von Vielen verneint, indem wird es dem türkischen Staate möglich sein, Reformen ein- und nicht genug zwischen dem Islam und der ihn in Europa verdurchzuführen, wie sie die Cultur unsrer Zeit gebieterisch fordert, I tretenden Nation der Türken unterschieden werde. Mag eine und ohne welche die Existenz des türkischen Reiches für Europa! Religion noch so bildsam sein, wenn ein Volk, das ihr ange- Glaubensgenossenschaft interessirt ist, leuchtet ein. Äst es doch I nicht aufhallen, und es ist daraus auf die Beschaffenheit derspruch nimmt, erhalten geblieben, da sie bei einem Ansturm der muß sich auch ihre Religion dies gefallen lassen und wird demlichkeit kundthut, welchmeist in keinem Bcrhältniß zur Bedeutung des «««»««• «uc.n Gegenstandes steht, und am wenigsten zu einer Berständigung führt, man geht hierüber hinweg, und stellt die Frage mit Vorliebe so: localen und momentanen Vorgang, der für Herrn Rudolph ganz ohne! _ Folgen blieb, vom Judenthum sprechen, das „sich fühlt: cs weiß, wie ungemessen sein Einfluß ist, wie es unsere Literatur, unsere Presse, Juden . . . Ehe solche Anschauungen auf beiden Seiten nicht ver unser Capital, unsere politischen Parteien beherrscht." Das ist doch schwunden oder wenigstens gemildert sind, kann an eine besonnene eine lächerliche Behauptung, die, oft genug widerlegt, im Munde ernster Beurthcilung und au ein friedliches Bcrbalten nicht gedacht werden- Männer, wenn sie sich nicht als Wortführer gewisser extremer Parteien Die Gcspenftcrschcrci wird nach wie vor umgehen und ihre Opfer hinstellcn, eine bedauerliche Verirrung des klaren UrthcilS und des ge-! fordern. sunden Menschenverstandes bezeugt! Oder wenn sie dem Witzwort I Doch kommen wir zur Sache. Es heißt in der Recension: Rceines Inden vom Verlegen des Sonntags auf den Sabbath, eine Be-I scrcnt bemerkt, ,,daß er bei manchen seiner jüdischen Schüler ganz deutung beilegen, daß sic pathetisch ausrnfeu: „Gott hüte uns vor! dieselbe bodenlose Unwissenheit betreffs ihrer nationalen Geschichte einem so schmählichen Berrath an unscrm Glauben und an unserer I wahrgcnommcn hat, und zwar meist bei solchen, die jüdischen Religions- Nationalität!" Wollten die Herren am Sabbath einmal durch die! unterricht genossen hatten oder noch genossen." Referent spricht gewiß Straßen Berlins gehen, so würde sich ihre Furcht legen, und sic gedie Wahrheit, nur müssen cs Schüler gewesen sein, die eben am Rcliwahrten, daß das Verlegen des Ruhetags auf einer anderen Seite sich I gionsuntcrrichte vorübcrgcstrcist. Gegen dieses Nebel kämpfen wir ja findet. Oder können fic cs verantworten, wenn sie behaupten, daß ein eben mit aller straft an. Doch eines müssen wir den Herren Berliner Theil der Juden „das Wort Revanche für die Verfolgungen des Mit- Rccenscnten zur Erwägung geben. Der christliche Religionsunterricht telaltcrs auf seine Fahne geschrieben habe". Wir. die wir bereits seit I ist seit undenklicher Zeit für die gesammtc Jugend der christlichen Bccincm halben Jahrhundert die Juden nach allen ihren Beziehungen völkcrung obligatorisch; kein Kind durfte demselben entzogen werden; beobachten, und niemals die Fehler und Jrrthümer derselben ver-! er wurde vom Staate oder von der Commune bezahlt. Zeugnisse leugnen, wissen von solchen Juden nichts. Das Mittelalter liegt bc-! darüber. z. B. über Confirmation, waren auch im Laufe des Lebens reits sehr weit hinter ihnen, und die Gegenwart gicbt viel zu viel zu unentbehrlich — bei den Juden beruht er völlig auf Freiwilligkeit und schaffen und zu arbeiten, um sich mit jenem zu beschäftigen und Motive auf Herstellung aus eigenen Mitteln. Da können denn die Resultate, aus ihm zu schöpfen. Die Juden haben mit vieler Mühe die Gleichwie sic jetzt vorticgen, in unserer Zeit noch lange nicht überraschen, stcllung erlangt, scheu diese noch jetzt jeden Tag bcdrobt und in Frage Glauben die Herren Rccenscnten, daß sich unter gleicher völliger Freigestellt. sehen sich Stunde für Stunde angegriffen, geschmäht, auf's ver- Willigkeit und Selbstzahlung bei der christlichen Bevölkerung andere ächtlichste behandelt. Was Wunder, daß sie empfindlich, mißtrauisch I Erfolge zeigen würden? Dafür spricht nicht, daß unter den jüngst cr- und auffahrend geworden? Bon christlicher Seite kann man sich noch lasscnen Gesetzen in Berlin im Jahre 1875 von den neugeborenen immer nicht an den Gedanken gewöhnen, in den Juden gleichberechtigte evangelischen Kindern 25 Procent ungctauft blieben, und bei 25 Procent Bürger zu sehen. Worein Jude steht und arbeitet, sollte ein Anderer der Eheschließungen evangelischer Christen die kirchliche Trauung unterstehen und arbeiten. Sieht man einige Juden in der Literatur, in der I blieb. So besagen die ofsicicllen Tabellen. — Diejenigen Juden aber, Presse, in den politischen Parteien, in der Industrie, in diesem und «denen ihre Religion am Herzen liegt, müssen die Erfahrungen von jenem Berufszweige thätig sein oder gar sich auszeichncu — sofort Schulmännern wohl beachten und ihre Anstrengung auf Besserung der spricht man von der Herrschaft, von dem dominirendcn Einfluß der! vorhandenen Ucbclstände richten!

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