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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-09-19 · Heft 38 (19.9.1876) · p. Seite 616

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 38 (19.9.1876)
Date
1876-09-19
Page
Seite 616 (sequence 10)
Language
German
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616 so gut, wie vor Jekum purkan und jedem yixn tp stehen bleiben. Herr Kahn vertheibigt nun,' wenn wir es richtig herausheben : 1) daß jeoe Reform der Billigung der Gemeinte vorgelegt werde; 2) die vollständige Erhaltung des Hebräischen als Gebetsprache, und 3) die Unantastbarkeit ter sogenannten Pslichtgebete. Was den ersten Satz betrifft, so kann man ihn im Geiste des Judenlhums nur billigen; aber es bleibt doch fraglich, ob dessen Anwendung den von Herrn Kahn gewünschten Erfolg haben würde. Man muß da schließlich die Meinung der Majorität der in der Generalversammlung Anwesenden gelten lasten; damit ist dann die Minorität nicht zufrieden, und der Friede in der Gemeinde, den der Berf. mit Recht so hoch anschlägt, ist erst recht gefährdet, da sich die Gemüther hierbei erhitzen und Parteien sich bereits bilden und schließen. Auch der zweite und dritte Satz wären zu acceptiren, wenn man wußte, wie weit sie zu verstehen seien. Denn die unbedingte Alleinherrschaft der hebräischen Sprache in der Synagoge würde auch die Predigt, religiöse Gesänge, sowie das Gebet für König und Baterland in der Landessprache aus ihr verbannen, und welche die sogenannten Pflichtgebete sind, mögen die Gelehrten wisten, aber das allgemeine Publikum weiß es nicht. Wir meinen daher, der Herr Berfaster hätte wohl daran gelhan, nach Aufstellung jener Grundsätze die speciellen Reformen, die er nach jenen verworfen haben will, aufzusühren und dieselben in bestimmter Weise zu bekämpfen. Wenn er sich humoristisch darüber ausläßt, baß in den einzelnen Gemeinden der Culrus verschieden gestaltet wird, so daß man, wenn man auf Reisen gehr, einen Koster voll Gebetbücher mitnehmen müßte, so ist es doch so arg nicht. Im Grunde sehen sich auch die Gebetbücher der reformirten Synagogen durchaus ähnlich, und weichen nur in Nebensachen von einander ab. Ich habe auf meinen Reisen in Deutschland mit meinem gewöhnlichen Siddur mich überall zurechlgesunden, denn der Kundige weiß bald, wo man hält und kann im Nothfall für sich beten, was er nach seiner Gewohnheit will. Dennoch glaube ich, daß die Broschüre res Herrn Kahn Jedem, der sich für den Gottesdienst interessirt, sehr willkommen ist. Sie giebt ihm Beranlastung, diese für uns so wichtige Angelegenheit zu prüfen und sich ein eigenes Urtheil zu bilden. ') 1) Die oben besprochene Brochüre ,,La <|uestion d*-s rcfornu-s •Ums k* culU* [Hililic isr;i»;lite :i Hruxrllcs” tiegl uns bereits vor, und wir erkennen gern deren Wcrch an, wie er von unsrem Evrresp. dargestellt ist. Ausiallcnd war cs uns, daß der Bers. S. 24 einige Latze aus L. 2t)<> d. Bl. citirt, aber einige Worte cinschicbt, die unsren Gedanken nicht richtig wiedergegeden. Wir sprachen von der Neigung unsres Stammes zum Autorilätsgtauben und der Berf. fügt hinzu: „sobald er erkannte, daß sie von Gott ausgehe". Hierauf beschränkt sich aber der jüdische Autoritätsglaube nicht, sondern wandte sich auch den Entscheidungen und Aussprüchen unsrer Lehrer und Weisen zu, die nicht den Anspruch auf göttliche Lsienbarung erhoben. Dies erst zu erweisen, haben wir sicherlich nicht nöthig. Zudem wir diesem starken Autoritätsglauben den Geist der Unabhängigkeit und Selbstständigkeit, der die Juden beseelt, gegeniibcrstelltcu, wollten wir gerade den jüdischen Stamm charakterisircn, was aber durch die Einschaltung deS Berfasiers abgeschwächt wird. Redactiou. Türkei. Konstautinopel, 1. Sept. Bon hier wird der „K. Z." geschrieben: „Zu Gunsten der Juden soll künftighin die Bezeichnung „Muselmänner und Christen" in amtlichen Schriften durch „Muselmänner" und „Nichtmuselmänner" ersetzt werden." (So viel wir wissen, hat die türkische Regierung dies so seit langer Zeit schon gehalten, was wohl dem Corresp. per „K. Z." unbekannt war und ihm daher jetzt als eine Neuerung ausgefallen ist. Wir finden dies erklärlich, da die Noten und Memoranden der europäischen Mächte immer nur von Muselmännern und Christen sprechen, die Million Juden ignoriren, welche — gering angeschlagen — im türkischen Reiche ansässig ist. Redacrjon.) —. (Ein Rabbinatscandidat — türkischer Feldmarschall.) Auch die Wiege des bis vor Kurzem gegen Montenegro operireneen Muschirs Mahmud Hamdi Pascha ist gleich der seines Collegen Osman Pascha nicht im Lande ves Serails gestanden. Mahmud Hamdi Pascha ist zu Warschau um das Jahr 182«) geboren. Sein ursprünglicher Name war Freund. Er besuchte in seiner Jugend die Rabbinerschute seiner Vaterstadt, um sich für den Stand eines jüdischen Seelsorgers vorzubereiten. 1848 finden wir ihn in der polnisch-ungarischen Legion. Auch er emigrirle nach der Türkei, trat hier zum 3slam über und wurde Omer Paschas Adjutant. Im Krimkriege avancirte er zum Brigadezeneral und bald darauf zum Feldmarschall. Bei Gelegenheit einer Rundreise durch Europa besuchte er auch Rom und erhielt vom Papste einen hohen Orden. Palästina. Jerusalem, im August. Der Jewish Heralv theilt mit, daß die letzten vier oder fünf Jahre Zeugen einer Rückkehr der Juden nach Palästina aus allen Theilen der Welt, insbesondere aber aus Rußland, gewesen sind, die ganz beispiellos war. Die hebräische Bevölkerung von Jerusalem hat sich seit ungefähr zehn Jahren wahrscheinlich verdoppelt. Große Zuzüge kommen noch immer täglich an, und während die Juden früher auf ihr eigenes Viertel in Jerusalem, das ärmste und ärgste, beschränkt waren, bewohnen sie jetzt alle Theile der Stadt und sind stets bereit, jedes veruiiethbare Haus zu miethen. (Wir kennen den Jewish Herald und dessen Glaubwürdigkeit nicht. Sie das Wort „Rückkehr" anzudeuten scheint, ist es ein Missionsblatt. Der Zuzug einiger tausend Juden nach Jerusalem will doch keine „Rückkehr Jsrael's" nach dem h. Lande bedeuten. Denn vorausgesetzt, daß es wahr sei, die jüd. Bevölkerung habe sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt, so handelte es sich um 6—70oo Juden. Was will dies aber von den 4 Millionen Juden sagen, welche in Rußland, Galizien, Ungarn und den Donaulänvern wohnen, von welchen die ungeheure Mehrheit größter AnNUth anheimgesallen ist? Redactivn.)

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