Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1876)
- Date
- 1876-09-12
- Page
- Seite 597 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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597 Nachahmungen im Französischen. Alterthümer. Wissenschaften. Künste. Industrie. Handel. Die Manuskripte müssen an das Generalsecretariat rue ilu Vertbois 8. bis zum 31. Dec. 1577 spätestens eingesandt werden. — Der Brigavegeneral S6e (Israelit) ist zum Commandeur der Ehrenlegion befördert worden. Zu Präsidenten der Generalräthe sind gewählt worden: in der Gironde Alexandre Leon (mit 24 Stimmen gegen 16, die der Minister des Auswärtigen, Herzog Decazes, erhalten hatte), im Horault Lisbonne, Deputirter, in Bouches-du-Rhüne Bedarrides. Pariö, 6. Septbr. (Privatmitth. > Gestatten Sie mir, da so oft von Deutschland aus über französische Zustände Uriheile abgegeben werden, auch einmal von hier aus über deutsche Erlebnisse einige Bemerkungen zu machen. Es hat mich gefreut, in Nr. 36 Ihre Aeußerungen über das Werk Richard Wagner's, das jetzt in Bayreuth aufgeführt wird, zu lesen. Ich halte es gerade für die Sache des Iudenthums, nicht über den dichterischen und musikalischen Werth dieses sonderbaren Kunstwerks zu urtheilen, wohl aber gegen die darin übertünchte, jedoch leicht erkennbare Unsittlichkeit zu protestiren. Dieses, von Richard Wagner so schwer verlästerte Judenthum mag dem Streite» ob hier eine echte oder eine Mißgeburt des Genius vorliegt, ruhig zusehen. Nicht aber darf es seinerseits stillschweigen, wenn in dem, mit allem möglichen Glanze ausgestatteten Bühnenwerke eine Verherrlichung von Lastern und Verbrechen, welche, wenn sie wirklich geschehen, vom Staatsanwalt verfolgt und vom Straftichter mit den schwersten Strafen belegt werden, vorgenommen wird. Mark ist hier aufmerksamer auf diese eigenthümliche Schöpfung des deutschen Geistes, als man es wohl bei Ihnen vermeint, und es liegen uns recht detaillirte Berichte vor. Was ist das Motiv, das in den sämmtlichen vier Stücken die Triebfeder aller auftretenden Persönlichkeiten bildet? Die Begierde nach dem Besitze des Rheingoldes, mit welchem die Herrschaft der Welt verbunden sei. Also vom Golde hängt die Herrschaft der Welt ab, und nach diesem Gold gieren Götter, Riesen und Menschen! Das ist doch eine sehr deutliche Moral. Welch' ein Glück, daß dies nicht ein Jude erfunden! Was hätte man besonders in Deutschland darüber gesagt! Neben diesem Hauptmotiv ist als Einschlag in das Gewebe die gröbste sinnliche Liebe verwendet, welche Blutschande und Ehebruch als etwas Selbstverständliches ansieht und verübt. Während nun jene Hab- und Herrschgier gewaltsamen Raub und Mord vor den Zuschauern vollführt, Einer dem Anderen das Rheingvlv mit List und Gewalt abnimmt, wird jene Sinnlichkeit mit der schamlosesten Lüsternheit geschildert, tugendsam ausgemalt und bis auf das Unglaubliche scenisch vorgeführt. Wenn dies zur deutschen Keuschheit und Zucht gehört, so bekommen wir einen geringen Begriff von derselben.' Bisher ereiferte man sich in Deutschland oft über die Frivolität der französischen Literatur und zog daraus den Schluß auf den sittlichen Charakter der französischen Nation. Vergleicht man aber bas Product Wagner's und fügt eine Menge angesehener literarischer Erzeugnisie Deutschlands, z. B. von Paul Heyse, hinzu, so wäre man wahrlich zu denselben Schlüffen hinsichtlich des deutschen Volkes berechtigt. Aber nationale Eifersucht ist hier nicht am Platze, sondern daß man das Schlechte und Unsittliche angrerfe und verfolge, wo man es finde. Man begegnet wohl dem Einwande, daß es der Kunst freistehen müsse, ihren Gegenstand zu wählen, wobei es auf ras Künstlerische, nicht auf das Ethische ankomme, und daß, da jene Laster vorhanden sind, sie auch geschildert werden müffen, wenn sie nur hinterdrein verdammt werden. Beides aber ist nur so lange richtig, als das rechte Maß eingehalten wird, darüber hinaus ist es nichts als Mißbrauch, als Entheiligung und Schändung der Kunst. Es ist gerade so, wie wenn man die Freiheit so weit ausdehnen wollte, um auf öffentlichem Markte die gröbsten Schamlosigkeiten zu vollführen. Ter Staat hat wohl daran gelhan, die Hazardspiele und Bauernfängerei zu verbieten, und wenn dieselben damit auch nicht ausgerottet sind, so ist es doch ein großer Unterschied, ob sie öffentlich gestattet oder nur im Verborgenen als strafbare Vergehen möglich sind. Wenn vier Abende hindurch alle Mittel aller Künste verwendet werden, um die niedrigsten Begierden und Leidenschaften darzustellen und zu glorificiren, so ist es ein geringfügiger und wirkungsloser Ersatz, wenn in der Schlußscene alle Personen getödtet werden oder sich in die Flammen stürzen. Die Stimmen, ob das Experiment Wagner's gelungen sei oder Fiasco gemacht, mögen jetzt und noch lange getheilt sein: die Stimme der Sittlichkeit, welche das Geistesproduct des Herrn Wagner verurtheilk, ist entschieden, und wir Franzosen würden Deutschland nicht darum beneiden, wenn das Werk dieses Mannes als ein nationales anerkannt würde. —. Wie wir mitgetheilr, hatte die Alliance eine Glückwunschadreffe an den Präsidenten der Bereinigten Staaten zur hundertjährigen Feier der Uuabhängigkeitserklärung gerichtet. Der nordamerikanische Gesandte hat nun folgende Antwort an den Vorsitzenden der Alliance gerichtet: Paris, 2. August 1876. Mein Herr! Der Präsident der Vereinigten Staaten hat das Glückwunschschreiben empfangen, welches das Centralcomitö der Alliance i8raclite bei Gelegenheit der hundertjährigen Feier unsrer Unabhängigkeit gerichtet hat. Ich bin beauftragt, Ihnen dafür zu danken. Der Präsident ist von den Gefühlen gerührt worden, welche dieses Schreiben ausdrückt; es war ihm ganz besonders angenehm zu sehen, daß die durch die Israeliten in den Vereinigten Staaten vollbrachten Fortschritte und das Glück, deffen sie daselbst genießen, als ein Beweis der politischen Freiheit, der religiösen Toleranz und jener wahren Gleichheit angesehen werden, welche bei uns das Recht eines Jeden ist^ Der Präsident hegt die Hoffnung, daß während des zweiten Jahrhunderts unserer Geschichte dieselbe Freiheit, dieselbe Toleranz und dieselbe Gleichheit