Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1876)
- Date
- 1876-09-12
- Page
- Seite 596 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3227069-3227107--34749-3304653- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
596 zöge nebst Schulhaus zu denken, und durch die Opferwilligkeit der Mitglieder unserer kleinen Gemeinde, durch den Zuschuß von 1500 M. seitens der Stadt und Lurch die Spenden edler Glaubensgenoffen wurde eine Summe von 12,000 Mark zu diesem Zwecke zusammengebracht. Am 22. d. fand die feierliche Grundsteinlegung statt, welcher auch die Behörden und die evangelische Geistlichkeit beiwohnte. Rabbiner 0r. Rahmer aus Magdeburg hielt eine gediegene Ansprache. Zum nächsten April denkt man bereits das Gotteshaus seinem h. Zwecke übergeben zu können. Oesteneich - Ungarn. Teplitz, 15. August. (Privatmuth.) Am 5. d. wurde hier das 40jährige Amtsjubiläum des Leitmeritzer Kreises und Teplitzer Localrabbiners, Herrn David Pick, feierlichst begangen. Sr. Majestät der Kaiser hat dem Jubilar in Anbetracht seiner treuen Pslichtersüllung auf Antrag der Landesbehörde das goldene Berdienstkreuz verliehen, und wurde ihm dies im Amtszimmer des k. k. Bezirkshauptmanns durch den Regierungsralh, Herrn Merbeller, feierlichst überreicht. 1505 zu Tschkin in Böhmen geboren, studirte Pick in Prag und wurde 1537 nach einem Jahre Provisorium definitiv in die Aemter eingeführt, die er nunmehr 40 Jahre bekleidete. Er war es, der, der Erste in ganz Oesterreich, selbstverständlich in Uebereinstimmung mit seiner Gemeinde, die Orgel in die Synagoge einführte. Lemberg, 26. August. Die Wahlen zum Landtage werden in sechs Wochen vor sich gehen. Bis jetzt gewahrt man nicht viel mehr als eine allgemeine Gleichgültigkeit. Die Polen beginnen allerdings die Geister ein wenig zu bearbeiten. Es wiederholt sich hierbei das schon so oft versuchte Manöver, über welches es in einer Correspondenz der N. fr. Pr. heißt: „Es wurde auch die polnische Presse commandirl, all caplandam henevolenliam der israelitischen Mitbrüder einige artige Artikel vom Stapel zu lasten, die regelmäßig mit dem liebevollen Refrain schließen: „Und geht ihr nicht willig mit uns, so gebrauchen wir Gewalt." Alle möglichen Argumente werden da in's Feld geführt, um die bisher „irregeführten" Israeliten von einer Allianz mit der rulhenischen Partei abzuschrecken, woraus man dann gewöhnlich nach Aufzählung einiger falschen Prämisten zu einer Conclusion gelangt, die nur in der Verherrlichung polnischer Freundschaft und Gunst gipfelt. Früher muthete man noch den galizischen Juden zu, ihre Selbstständigkeit und die Beschützung der verfassungsmäßigen Institutionen gegen ein Linsengericht von Concessionen auszugeben; jetzt werden sie aber schon gar „im Namen der Gleichberechtigung" aufgefordert, auf die Berücksichtigung ihrer gegründeten und äußerst maßvollen Wünsche unbedingt zu verzichten und sich den großmüthigen polnischen Gönnern auf Gnade und Ungnade auszuliefern. Selbstverständlich wird sich diesmal die verfassungstreue Partei einer derartigen polnischen Argumentation ebensowenig zugänglich erweisen, als sie sich bisher durch die Drohungen und Mahnungen der nationalen Hetzer einchüchtern ließ." Frankreich. Paris, 31. August. Der Generalrath des Departements der Seine-et-Oise hat den Posten von 5000 Frcs. für den Bischof von Versailles aus seinem Budget gestrichen, wie auch die 500 Francs für die Geistlichen der anderen Bekenntniste. Diese Notiz ist immerhin beachtenswerth, da sie die Tendenz der Körperschaften, in welchen das radikal-liberale Element vorherrscht, bezeichnet. Der Unwille, welchen die herrschsüchtigen Bestrebungen des katholischen Klerus hervorruft, zeitigt Früchte, von welchen dann auch die anderen Religionsgenostenschasten kosten muffen. Paris, 1. September. (Nach den Arch. isr.) Wir haben früher über die Verlegenheiten berichtet, in welche die Anhänger des portugiesischen Ritus Hierselbst gerathen sind, da sie mit dem Ausgleichsversuch in dem neuen Tempel in der rue de la Vicioire zwischen den beiden Riten nicht einverstanden waren und ihr bisheriger Tempel in der rue de Lamartine nur gemiethet und wegen Bausälligkeit unbrauchbar geworden war. Vergebens machten sie mehrere Versuche, durch Sammlungen von Beiträgen den Bau eines neuen Tempels zu ermöglichen. Jetzt ist ihnen durch die außergewöhnliche Freigebigkeit des Herrn Osiris Jffla geholfen worden, welcher die Baukosten bis zur Höhe von 200,000 Fres. übernommen hat. Der Bau wird im April des nächsten Jahres vollendet sein. — Wir sprachen bereits von dem Preise von 1000 Frcs., welchen die Schulcommission für die Abfassung des besten Lesebuchs zum Gebrauch der israelitischen Jugend ausgesetzt hat. Der Plan zu diesem Werke ist jetzt veröffentlicht. Der Titel soll sein: „Ausgewählte Stücke aus der jüdischen Literatur. Es können auch Stücke von nichtjüdischen Autoren, die sich mit dem Jndenlhume beschäftigt haben, gewählt werden. Vorzuziehen sind die Werke französischer Schriftsteller oder schon veröffentlichte französische Uebersetzungen. Doch wird es auch nothwendig sein, erstmalige Uebersetzungen hebräischer, deutscher, englischer, spanischer, italienischer :c. Texte zu geben. Jedem Stück wird die genaue Angabe seines Ursprungs zugefügt, und wird es nützlich sein eine kurze biographische und bibliographische Notiz hinzuzufügen. Das allgemeine Programm ist: 1) „Religion, Philosophie, Moral. Auszüge aus der Bibel, den Apokryphen, dem Talmud, den Midraschim, den Moralisten (Homilien, Predigten), den Theologen. 2) Geschichte. Biblische, nachbiblische, allgemeine Geschichte, Verfolgungen, Emancipation (Kammerverhandlungen) Biographien, Anekvoten. 3) Geographie. Geographie Palästinas. Reisen in allen Gegenden der Erde. Monumente. Institutionen. Ethnographie. Sitten, Statistik. Hauptsächliche Industrien u. s. w. 4) Verschiedenes. Literatur: Auszüge aus Poeten und guten Schriftstellern. Uebersetzungen oder poetische