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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-09-12 · Heft 37 (12.9.1876) · p. Seite 594

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 37 (12.9.1876)
Date
1876-09-12
Page
Seite 594 (sequence 4)
Language
German
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594 denkmLler nach dem Muster des berühmten Mausoleums, d. h. des Grabmals des Königs Mausolus zu Halicarnaß gebildet war, erkennt man selbst aus der oberflächlichen Beschreibung, die uns hinterlassen worden. Nur blieben alle Abbildungen von Menschen und Thieren hinweg, welche den reichsten Schmuck des griechischen Bauwerks ausmachten, und von denen noch viele Reste, z. B. die wieder zusammengesetzte Gestalt des Mausolus selbst, welche den Gipfel des Gebäudes krönte, stch jetzt im britischen Museum in London befinden. In jener Zeit duldete man bei den Juden die Abbildungen auch von Thieren nicht. Einen Ersatz suchte man in der Darstellung von Rüstungen, Kriegsmaschinen und Schiffen, an dem Monumente, von dem wir handeln. Der Gedanke war also vorzugsweise, die kriegerischen Thaten der gefallenen Helden zu verherrlichen, welche die Freiheit ihres Volkes und die Erhaltung ihrer Religion mit ihrem Blute erkauft hatten. Der König Mausolus war 352 gestorben. Seine Gemahlin Artemisia beschloß, ihm ein Grabmal zu erbauen, so prächtig wie es noch keinem Sterblichen errichtet wäre. Auch sie starb schon nach zwei Jahren, und so muß das Werk, welches von den Alten zu den sieben Wunderwerken der Welt gerechnet wurde, im Jahre 351 angefangen worden sein, also über zwei Jahrhunderte früher als das Makkabäische. Um das letztere zu verstehen, wird es nützlich sein, sich ein Bild von dem Monumente jenes karischen Königs vorher zu entwerfen. Auf einer Höhe, die vom Meere aus weit sichtbar war, erhob sich ein koloffales Rechteck des Unterbaues, mit senkrechten Wanden aufsteigend. Vom Unterbau schießen die schlanken jonischen Säulen empor, zwischen ihnen mächtige Frauengefialten in gefalteten Gewändern und Reiter in reicher persischer Tracht. Die Säulen, eine Halle tragend um ein viereckiges Bauwerk. Ueber den Säulen, auf dem Kranz des Gesimses, Löwen und Leoparden mit offenem Rachen und ausgereckter Zunge. Auf diesem Rechteck eine Pyramide mit Stufen aufsteigend. Auf der Pyramide eine Platte, und auf dieser der Streitwagen, von vier Roffen gezogen, in ihm der König, aufrecht, bewaffnet, hinter ihm die Siegesgöttin , die Zügel der Roffe haltend. Was lehren uns nun unsre beiden Berichte über das Mausoleum der Makkabäerhelden? Es sollte nicht für die Grabstätte eines, sondern sieben Todter errichtet werden; denn außer Vater und Mutter und den vier Brüdern, wollte der Erbauer Simon auch selbst darin bestattet werden. Auf bedeutender, vom Meere aus sichtbarer Höhe, wurde in einem Unterbau der Grabsaal für die sieben Sarkophage bereitet;^) auf diesem wurde ein viereckiger hoher Bau „aus 4) Einen solchen Unterbau müssen wir auch hier annehmen, weil im Stejte es heißt: xui wy.oöottr^t tn\ zov zug>oy tov TJutQog avrov xai xiöv ddtXfpwy xtX., und weil in der griechischen Architektur die schlanken jonischen Säulen nicht aus dem Boden unmittelbar aufsteigend gedacht wurden. Wir verweisen über diesen letzten Punkt auf Kinkel, Mosaik zur Kunstgeschichte S. 146. gehauenen Steinen von hinten und von vorne aufgeführt." Josephus nennt diesen „sehr groß und hoch" und aus weißem und polirtem Stein bestehend. Er wurde von einer Säulenhalle umgeben, und zwar jede Säule aus einem Steine (Monolithen). Auf diese Säulen wurden „Rüstungen zum ewigen Andenken" gestellt, und neben diesen lief ein Fries, auf welchem Schiffe in Relief „eingehauen" waren.Auf dem Bauwerk standen nun sieben Pyramiden, je zwei einander gegenüber, wahrscheinlich über jedem Sarkophage eine. Die Pyramiden waren von Abbildungen von Kriegsmaschinen gekrönt (B. 29). Mehr wissen wir von dem Bauwerke nicht, obschon dieses Wenige immerhin ein ziemlich deutliches Bild giebt. Ueber die Maße des Ganzen und des Einzelnen fehlen alle Nachrichten; voraussetzen kann man, daß die Pyramiden schlank, und schon deshalb nicht zu hoch waren, so wie, daß der Bau ein Rechteck bildete, worauf die 7 sich gegenüberstehenden Pyramiden schließen lassen. — Die Anwesenheit von Pyramiden kann nicht auffallen, denn im ganzen Oriente war die Pyramide als Grabmonument verbreitet, von Egypten bis Babylon, von den Pagoden Indiens bis zu den lydischen Königsgräbern, b) So sah Robinson im Wady Musa ein Grabmal, dessen Front oberhalb der Thure mit vier schlanken in denselben Felsen ausgehauenen Pyramiden geschmückt war.4 * * 7) Es befriedigt noch heute das Gefühl der Bewunderung, welches für die Makkabäerhelden empfunden wird, daß ihre Grabstätte mit einem so herrlichen Monumente geschmückt war. Es ist wahrscheinlich, daß es durch ein Erdbeben, wie es in jenen Gegenden schon so oft zerstörend gewüthet, zerstört worden, gleich seinem Borbilde in Halicarnaß. Denn noch jetzt erzählen die Einwohner, daß die Reste des großartigen Monuments im Schoße der Erde liegen. Vielleicht feiern auch sie einmal den Tag der Auferstehung aus dem sie deckenden Schutte. Doch vielleicht ein Jahrtausend lang erhielt der Bau das Gedächtniß der Helden auch in den vorüberfahrenden Schiffen wach, und diente zum Ausdruck der Verehrung, welche man dieser Heroensamilie schuldete. Bestand sie doch aus Kriegern, die nicht zu diesem blutigen Lebensberufe erzogen waren, nicht von Herrschsucht und Habgier beseelt, auf Eroberungen, auf Mord und Raub auszogen, sondern das Schwett ergriffen und ihr Panier erhoben für die heiligsten Güter des Menschen, für Religion und Freiheit, für die Rettung ihres Volkes aus der Gewalt grausamer Tyrannen, für die Erhaltung des väterlichen Glaubens, der Religion des einzigen Gottes. 5) Es ist dies aus den Worten zu schließen: xc», inoi'^atv int toig avlotg nuvonhag, xai 7taou zotig nuvonliaig nloia t7iiytylvf.ifj.tva. 6) Vgl. Kinkel. Mosaik zur Kunstgeschichte S. 119. 7) Palästina B. Ill, S. 62.

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