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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-09-12 · Heft 37 (12.9.1876) · p. Seite 592

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 37 (12.9.1876)
Date
1876-09-12
Page
Seite 592 (sequence 2)
Language
German
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592 Das Grabmonument -er Makkabäer. Wer in früheren Zeiten aus dem Hafen von Joppe auslief und nach Süden steuerte, etwa die philistäische Küste entlang nach irgend einem zugänglichen Orte an dieser, oder nach Alexandrien, gewahrte auf einem Berge das Städtchen Mod in, und auf einer ansehnlichen Hohe darüber die weißen Mauern, Säulen und Pyramiden eines großartigen und prächtigen Mausoleums. Es war dies das Grabmal der Makkabäer. Fernher wurde es gesehen, und bewundert. Jahrhunderte hindurch mußte es dem vorüberfahrenden Juden, nachdem Jerusalem gefallen, zunächst den Zorn des Rachegefühls, später die Empfindung des Schmerzes über die verlorene Freiheit und den untergegangenen Glanz des Volkes erwecken. Lag doch in dieser Scene ein Symbol des Schicksals, das Israel getroffen hatte. Es war eben nur noch ein leuchtendes Grabmonument, diese glänzende Makkabäerzeit, dieser gewaltige Kampf und Sieg der wenigen Helden gegen die ungeheure syrische Macht, diese nochmals eroberte Freiheit und Selbstständigkeit der kleinen Nation inmitten der Weltmächte, die dennoch nach kurzer Dauer wieder verloren werden sollte. Jetzt war fie begraben, obschou ihr Gedächtniß durch die dunkelsten Zeiten weithin leuchtet. Wie Modin und die aufragende Grabstätte dicht am Meere lagen, so hatte der Triumph der Makkabäer nicht weit von der großen Wasserwüste gestanden, auf welche der Stamm, für den sie gestritten, so bald nach allen Richtungen der Winde zerstreut werden sollte. Deshalb, bei dem großen Interesse, welches Alles erweckt was mit Matthatias dem Hasmonäer und dessen fünf Söhnen in Beziehung steht, werden es unsre Leser nicht unangemessen finden, wenn wir an dieser Stelle einmal einen archäologischen Gegenstand behandeln, nämlich das gerühmte Grabmonument der Makkabäer. Außer der Architectur des Tempels, einiger Paläste und Lusthäuser, sowie von Fortificationen pflegten die Israeliten in früherer und späterer Zeit wohl auch die der Grabmonumente. Wir sehen hier von den Gräbern überhaupt ab, welche theils in natürlichen oder künstlich eingehauenen, oft geräumigen und in mehrere Grabkammern abgetheilten Felsenhöhlen, theils in Garten, an den Häusern, theils auf allgemeinen Begräbnißblätzen sich befanden. Auch die Grabsteine ‘) sollen unsere Aufmerksamkeit 1) 1 Mos. 35, 20. Nach dem Worte der Schrift war es eben eine Grabsäule, die das Grab Rahels bezeichnete. Jetzt zeigt man als Grabmal der Rahel ein viereckiges Häuschen mit einer hübschen Kuppel, in dessen Milte das Grab mit weißem Gyps bedeckt, auf dem mehrere Tausend hebräische Namen geschrieben sind. Es liegt eine halbe Meile von Bethlehem. Das Ganze ist völlig in der Art der unzähligen Moslemischen Grabkuppeln gebaut, wie eine solche auch auf dem Berge Hör das Grab Arons (4 Mos. 20, 28) bezeichnet. Nach 1 Sam. 10, 2 ist es fraglich, ob das fetzige Grabmal Rahels auf der richtigen Stelle steht. — Wenn ynac Ezech. 39, 15 als Grabstein erklärt wird (auch von Fürst s. v.), so ist dies nicht ganz richtig, denn hier nicht auf sich ziehen. Wohl aber größere Grabmonumente, logenannte Mausoleen, also architectonisch bedeutende Bauwerke, in deren Schoße sich die Gräber ausgezeichneter Personen befanden und die zu deren Verherrlichung errichtet wurden. Allerdings können wir hier eine große Lese nicht erwarten; denn so tief im alten Israel die Pietät gegen seine Tobten wurzelte, so streng die Trauer um dieselben gehalten wurde, -) so war man doch weit davon entfernt, Gepränge mit ihnen zu treiben und glänzende Monumente ihnen zu errichten. Wo hatte Israel großartigere Denkmäler vor Augen gehabt, als in Egypten — und doch wurde weder Aron (4 Mos. 20, 29) noch Moses selbst (5 Mos. 34, 6) nach Joseph und Josua (Jos. 24, 30. 32.» ein Grabmonument errichtet. — Bon David und Salomon heißt es nur, daß fie begraben wurde» in der Stadt David's (1 Kön. 2, 10. 11, 43), wie auch von späteren Königen. Wenn man einem solchen, noch jetzt bestehenden Bauwerk im Kibronthale irgend welchen Glauben schenken dürfte, so würde das am frühesten erwähnte Beispiel eines Mausoleums aus altisraelitischer Zeit das „Grabmal des Absalom" sein. Allein die Stelle der Schrift, die darüber spricht, lehrt uns, daß wir an ein Bauwerk gar nicht zu denken haben. Nachdem Absalom getodtet, und sein Leichnam in eine große Grube geworfen und „ein sehr großer Steinhaufen darüber aufgerichtet worden" — was bei Personen, die man als besondere Verbrecher verabscheute, Sitte war (Jos. 7, 25. 8, 29) — heißt es 2. Sam. 18, 18: „Absalom aber hatte erwählt und sich errichtet bei seinem Leben die Standsäule (rasa), die im Königsthale. denn er sprach:. Ich habe keinen Sohn, um das Gedächtniß meines Namens zu erhalten. Und er nannte die Standsäule nach seinem Namen, und sie ward genannt Denkmal Absaloms (mVosst t) bis auf diesen Tag." Die Bezeichnung rasca und *r lassen uns aber durchaus kein umfängliches Gebäude, sondern nur eine Art Denksäule voraussetzen, wie 1 Mos. 28, 18 und 1 Sam. 15, 12 erweist. Nicht minder werden wir hiervon überzeugt durch die Ausdrücke, welche Josephus (Xnti'i. Jud. 7, 10, 3) über den Vorgang gebraucht. „Absalom stellte in dem Königsthale eine Säule von Mrrmorstein zwei Stadien von Jerusalem auf, die er seine Hand nannte, sagend. Laß, wenn auch seine Kinder umkämen, sein Name doch in dieser Säule verbleibe". Die Worte otijXjj und yjlQ, ganz dem Schrifttexte analog, können nur eine Säule bedeuten. Wenn daher ungefähr an derselben Stelle noch jetzt ein größeres Baues bedeutet daselbst ein Zeichen, wo ein noch unbegrabener Leichnam liege, der hierauf und zwar an einer ganz anderen Stelle begraben werden sollte. Selbst 2 Kön. 23, 17 ist es noch von allgemeiner Bedeutung. 2) Als ein Beweis hierfür gelte die Legende (Sabb. 105, 2>, daß der Berg Gaasch, an dessen nördlicher Seite Josua begraben wurde, vor der Bestattung geschwankt hätte, weil die Israeliten Josua nicht gehörig betrauert hätten. Letzteres vermeinte man, weil Jos. 24, 30 nichts von der Trauer erwähnt ist, und leitete es von rem Namen des Berges (wrn erschüttern) her.

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