Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1876)
- Date
- 1876-09-05
- Page
- Seite 582 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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582 seinen pädagogischen Principien vorzugehen, wie wir dies Herrn v>. Frank gegenüber gethan. Dem Angriffe Ihres Correspondenten auf den Berufseifer des Herrn Dr. Frank gegenüber, muß ich jedoch ausdrücklich erklären, daß Herr vr. Frank wahrend seiner dreijährigen Amtschäligkeit in Linz seine Pflichten als Religionslehrer nicht nur nicht vernachlässigt hat, sondern denselben stets mit Liebe und Ausdauer nachgekommen, und daß während dieser Zeit nie eine Klage über Vernachlässigung des Religionsunterrichtes vorgekommen ist. Auf seine direkte Veranlassung ist seiner Zeit sogar noch ein dritter Lehrer an der Religionsschule bestellt worden, damit den Anforderungen an dieselbe in möglichst vollkommener Weise entsprochen werden könne. Auch in jeder andern Beziehung hat Herr Dr. Frank sein Seelsorgeramt zur besten Zufriedenheit der Gemeinde verwaltet. Aus Anerkennung hierfür wurde er auch bei seinem Scheiden von der Gemeindeversammlung zum Ehrenmitgliede der hiesigen Cultusgemeinde ernannt, welche ihm stets ein warmes Andenken bewahren wird. Dr. Winternitz, Präses der Cultusgemeinde. Aus Oberungarn, im August. (Privatmilth.) Es liegen die Programme der Mittelschulen bedeutender Städte Oberungarns vor uns, und waren auch in diesem Jahre die Realschulen und Gymnasien in Kaschau, Eperies und S. a. Ujhely recht zahlreich von Israeliten besucht. Es ist erfreulich, wahrzunehmen, wie unparteiisch sowohl Regierung als Stadtcommune bei Besetzung von Lehrerstellen Vorgehen, und finden israelitische Lehrer nicht nur in sehr vielen Städten des Landes Verwendung, sondern auch bei den Schulcommissionen spielen die intelligenten Israeliten eine nicht unbedeutende Rolle. Und so ist es recht. Der specifisch-israelitische Lehrerstand hat in Ungarn im Ganzen und Großen keine Zukunft, so daß derselbe in den allgemeinen Lehrerstand aufgehen muß, israelitische Religionslehrer genügen in der Folge vollends, insbesondere bei uns, wo die Simultanschulen keinen christlichen Charakter haben. Wir begrüßen darum den allgemeinen Landeslehrerverein (Pensionsverein) des Staates auf das Wärmste: hebt er doch jeden confessionellen Unterschied auf und umfaßt sämmtliche Volks¬ und Bürgerschulen des Landes ohne Unterschied der Religion. Die Sommerferien, die der Cultusminister auf die heißen Sommermonate Juli und August verlegt, wurden auch in diesem Jahre den wenigsten israelitischen Schulen Oberungarns gewährt, nur die Kaschauer Schule macht eine Ausnahme. In der Thal gedeiht in Kaschau die israelitische Gemeindeschule vortrefflich und hat durch die dort eröffnete Simultanschule nichts eingebüßt. Das Rabbinat steht weiter verwaist und dürfte nicht sobald besetzt werden; es scheint als ob in Oberungarn Rabbinat und Schule sich nicht vertragen. Als Curiosum sei erwähnt, daß die dortige orthodoxe Gemeinde um Errichtung eines von der anderen jüdischen Gemeinde separirten Friedhofes eingeschritten ist. Auch die Todten sollen für die Folge nicht mehr friedlich nebeneinander ruhen und der unheilbare Riß der Trennung auch über das Grab verpflanzt werden. In S. a. Ujhely starb vor wenigen Tagen Herr M. T h omän im hohen Greisenalter. Derselbe gehörte eine Reihe von Jahren dem Vorstande in S. a. Ujhely an und war in den 50er Jahren Cultusvorsteher dieser Gemeinde. Höher noch schlagen wir das Wirken des Verblichenen als Jnspector der Käste nbaumschule in einer Gemeinde an, wo der Chassidismus in höchster Blüthe stand, der deutsch-ungarische Sprachunterricht in der Schule verpönt und das Schulwesen im Allgemeinen in Oberungarn verketzert war. Möge dem wackeren Kämpen für Fortschritt und Licht, der aber dabei die Wahrheiten der Religion hoch hielt, die Erde leicht sein! Oberlehrer I. Rosenmeyer. Frankreich. Pariö, 15. Aug. (Privatmilth.) Wenn schon der Kampf der Parteien auf dem religiösen Gebiete überhaupt unser'Interesse erwecken muß, so haben die Hetzereien der Ultramontanen gegen die Juden in allen Ländern, die ultramontanen Staatsschriften, wie die Encyklica, der Syllabus u. s. w., mit den Aussichten, welche sie bei ihrem etwaigen Siege für uns eröffnen und das ganze Gebahren der klerikalen Partei es uns zur Pflicht gemacht, den Stand der Dinge nach dieser Richtung hin stets im Auge zu behalten, und von Zeit zu Zeit über die Sachlage zu resumiren. Die allgemeinen Wahlen zur Deputirtenkammer waren bekanntlich für die Republikaner höchst günstig ausgefallen. Man sagte sich daher, daß die Zeit des klerikalen Uebergewichts auch in Frankreich vorüber sei, und die republikanische Partei brachte sofort eine Reihe von Anträgen ein, welche die von den Ultramontanen in der verflosienen Nationalversammlung erlangten Bortheile wieder rückgängig machen sollten. Unter diesen Anträgen befanden sich auch einige von der äußersten Linken, z. B. die Streichung aller Cultusetats. Da zeigte es sich denn, daß man doch allzu ^rüh das Triumphgeschrei erhoben habe. Nicht allein der Präsident rer Republik, sondern auch der Senat in seiner Mehrheit standen auf klerikaler Seite. Jener drohte mit einem reactionären Ministerium, dieser verwarf die Beschlüsse der Deputirtenkammer, z. B. die Verleihung der Grade nur durch die Universität. Die Mehrheit der Deputirtenkammer hielt es für angemessen, den drohenden Conflict noch hinauszuschieben. Man ersieht hieraus, daß die ultramontane Partei in Frankreich noch von großem Gewichte ist; sie ist nicht besiegt, liegt nicht am Boden, wie ihre Gegner schon vermeinten und ausposaunten. Zwar erwiesen die allgemeinen Wahlen, daß die Mehrheit des Volkes, wenigstens gegenwärtig, gegen sie gestimmt ist; aber ihren immer noch mächtigen Einfluß in den maßgebenden Kreisen haben die letzten Vorgänge hinlänglich erwiesen. Der eigentliche