Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1876)
- Date
- 1876-09-05
- Page
- Seite 581 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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581 gelungen sei, der Gemeinde die ihm heiligen Institutionen zu zu erhalten. Würzburg, 25. August. (Privatmitth.) Den Lesern wird der Name des Dr. Rittler, kathol. Geistlichen und Redacteurs des ultramontanen „Fränkischen Bolksblattes", vielleicht erinnerlich sein. Er war es, der hierzulande die giftigsten Schmähungen und Hetzereien gegen die Juden richtete, so daß er selbst vor das Strafgericht gezogen und zu mehrwöchentlichem Gesängniß verurtheilt wurde. Derselbe ist nun mit seiner eigenen Partei zerfallen und donnert gegen die bayerischen Bischöfe und Klerikalen, die er sämmtlich als vom Staats katholicismus angesteckt bezeichnet. Er schreibt dann: „Ich werde fortan meine Kampfesweise ändern. Ich bin es nachgerade satt, fortwährend die Kastanien aus dem Feuer zu holen und mir die Finger zu verbrennen. Ich werde mit dem Staatsanwalte meinen Frieden schließen und nicht mehr blos an die Sache, sondern auch an mich denken, und das um so mehr, als dies außer mir Niemand thut." Die „B. Z." fügt hinzu: „Herr Dr. Rittler will, wenn die Leser des „Fränk. Bolksbl." mit dessen neuer Haltung nicht zufrieden sind, lieber von der Redaction zurücktreten. In einigen Wochen verläßt bekanntlich die vielgeliebte Freundin des Herrn Dr. Rittler, Fräulein Adele Spitzeder, das Gesängniß; sie will dann ihre Memoiren herausgeben. Ist Herr Dr. Rittler wirklich feiner gewinnlosen agitatorischen Thätigkeit satt, so wird ihm Fräulein Adele in Anbetracht früher geleisteter Dienste gewiß Gelegenheit geben, sein Talent nicht länger „pro mliilo“ zu vergeuden, sondern vielleicht als Redacteur ihrer Memoiren es „fructificirlich" an zulegen." — Mögen Dr. Rittler und Consorten sich endlich überzeugen, daß Schmähungen und Berketzerungen zuletzt doch nur auf die Urheber zuruckfallen, und selbst Gift und Galle die Welt nicht aus ihrem Gange bringen! Oesterreich - Ungarn. Triest, 2l. August. Vorgestern Abends um halb 9 Uhr brachte ein Separatzug die Leiche des Barons Morpurgo nach Venedig. Ein italienischer Separatdampfer überführte dieselbe nach Malamocco, wo sie der Lloyddampfer „Delfino" übernahm. Der Leichnam, welcher auf , dem paffend bekränzten Mitteldeck aufgebahrt war, traf heute um halb 10 Uhr Vormittags hier ein. Sämmtliche Schiffe im Hafen waren „halbtop" besiaggt. Um halb 11 Uhr wurde der Sarg auf den einfach bekränzten Leichenwagen übertragen. Das Bahrtuch hielten Podestä Angeli, die Lloyddirectoren Schröder. Radonetz, der Präsesstellvertreter der Triester Handelskammer, Herr Reinnelt, Vicepräsivent Goldschmidt, Ritter v. Scrinzi, Herr Tommasoni und Baron Sartorio. Dem Leichenwagen folgten vier Söhne, eine Tochter und eine Schwiegertochter des Verstorbenen, sowie sonstige Familienglieder, der Statthalter, der Herzog von Württemberg mit dem Generalstabe und dem Officierscorps der Garnison, der Marinecommandant Eberan, Contreadmiral Pöck, sowie sämmtliche Marineofficiere, Baron Schey, welcher aus Wien gekommen war, Lloydcapitäne, Mitglieder der Seebehörde und rer Postdirection, eine Deputation der Triester Börse und der Handelskammer, Sütbahnbeamte, Deputationen der verschiedensten Eorporationen unr öffentlichen Anstalten, Vertreter des Hanrelsstanres u. A. m. Die Straßen waren abgesperrt und der Tramwayverkehr eingestellt. An die Familie Morpurgo sind Beileidstelegramme aus res Kaisers Privatsecretariat und von sämmtlichen Ministern eingetroffen, speciell an den belgischen Consul Baron Joseph Morpurgo auch von rem belgischen König und der Königin. Linz a. d. Donau, 20. August. «Berichtigung.) Tie „Allgem. Zeitung des Judenthums" bringt in Nr. 33 eine Eorrespondenz aus Lin;'), in welcher mitgetheilt wird, daß unser neuer Rabbiner, Herr Nr. Kurrein, in einem Berichte über unsere Religionsschule sich über ras Wirken unseres früheren Rabbiners dahin ausgesprochen habe, daß unter demselben „der Religionsunterricht gänzlich vernachlässigt wurde". — Ich conftatire hiermit, daß Herr Nr. Kurrein in seinem Berichte weder des Namens noch der Thätigkeit unseres frühern Rabbiners mit einem Worte erwähnt har. Herr Nr. Kurrein hat eine andere als die bisher übliche und in fast allen Gemeinden angewandte Unterrichtsmethode eingeführt, indem er, im Gegensätze zu der bisherigen Gepflogenheit, die Wortübersetzung zu cultiviren, bei dem Unterrichte des Hebräischen nicht blos die Uebersetzung, sondern auch das sprachliche und grammatikalische Element besonders berücksichtigt, und ca einem großen Theile der Gemeindemitglieder diese Unterrichtsmethode als eine ungewöhnliche Neuerung erscheint, so fand es Herr Dr. Kurrein für gut, in einem in Form eines Berichtes über die Religionsschule gehaltenen öffentlichen Vorträge seinen Standpunkt in dieser Frage klar zu legen. Der Vortrag war kein polemischer, sondern ein wiffenschaftlicher, worin er das von ihm gewählte Lehrprincip dem bisher allgemein, und somit auch an der hiesigen Religionsschule üblichen vergleichend gegenüberstellte. Der Bericht war rein sachlich und objectiv gehalten, fern von Persönlichkeiten oder gar von persönlichen Angriffen gegen die Thätigkeit des Herrn Dr. Frank, der in unserer Gemeinde nach wie vor die wärmsten Sympathieen besitzt. Es ist selbstverständlich, daß die Repräsentanz einem Rabbiner nicht vorschreiben wird, nach welcher Methode er unterrichten soll. Wir stellen es Herrn 0r. Kurrein ebenso frei, nach t) Die Corresp. ist aus der Feder eines Mannes geflossen, der uns seit Jahren aus Lin; Mittbeilungen machte, die niemals einen Anstoß erregten. Diesmal mag er den Vortrag des Herrn l>r. Kurrein nicht richtig ausgcfaßt und aus die Person'übertragen haben, rvaS jener von der Methode ausgesagt. Der saetische Zustand, wie ihn der Corresp. schildert, wird von dem geehrten Äerichriger nicht berührt. Redaction.