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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-09-05 · Heft 36 (5.9.1876) · p. Seite 580

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 36 (5.9.1876)
Date
1876-09-05
Page
Seite 580 (sequence 6)
Language
German
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580 2&eituu^j 6 itocc ß U/C ß teil. Deutschland. Berlin, 23. August. «Privatmittheil.) Seit lange schon kann selbst dem völlig unparteiischen Beobachter die „Kreuzzeitung" nur als eine alte keifende Dame erscheinen, die hartnäckig immer dieselben Zank- und Schimpfworte wiederholt, der Fähigkeit aber verlustig ging, dem Ausdruck ihres Grimmes irgend eine neue Wendung zu geben. Vergebens bemüht sie sich jetzt, eine neue Partei unter dem Titel „deursch-conservative" in Scene zu setzen, während diese doch nur die altconservative mit dem Scheine der Reichsfreundlichkeit bedeutet. Dies erweist sich auch dadurch, daß es wiederum nur die alten Mittel sind, mit welchen man der sg. neuen Partei aushelsen will — nichts Anderes nämlich, als die abgestandene Phrase: der Liberalismus richtet Deutschland zu Grunde, und dieser Liberalismus ist nichts Anderes als „das moderne Jueenthum". Das hat die Kreuzzeitung seit einem viertel Jahrhundert wiederholt; dieses Manöver, das alte Vorurtheil gegen die Juden zu benutzen, um den Liberalismus bei dem Volke herabzusetzen, hat selbstverständlich alle Bedeutung und Wirkung längst verloren, und erweist nur die Altersschwäche, an welcher die Kreuzzeitung leidet und allmälig stirbt. Vermochten doch selbst die Ultramontanen, welche ihren Judenhaß mit ganz anderer Energie ausrüsteten, auch kein Glück damit zu machen. Wir nehmen daher hier davon nur Notiz, um das vergilbte Gesicht zu zeigen, mit welchem diese „deutsch - conservative Partei" ans Tageslicht tritt. Jedenfalls hat dieses „moderne Judenthum" das deutsche Reich noch nicht nach — Olmütz geführt! — Wie jedesmal, wenn dem englischen Toryisten Disraeli irgend eine Auszeichnung zukommt, z. B. als er vor zwei Jahren zum Premierminister erhoben wurde, entstand auch bei seiner jüngsten Erhebung zum Peer der Streit, ob er als Jude oder Christ geboren sei. Die „Kreuzzeitung", welche selbstverständlich viel aus den hochconservativen Engländer hält, verflieg sich sogar zu der Fabel, daß die Familie Disraeli bereits im fünfzehnten Jahrhundert zum Christenthum übergegangen sei. In England ist man längst über diese Frage nicht mehr zweifelhaft, nachdem actenmäßig erwiesen worden, daß Benjamin Disraeli am 2l.Dec. 1804 geboren, durch einen Verwandten seiner Mutter, David Abarbanel Lindo an ihm die Beschneidung vollzogen worden und dessen Vater bis zum Jahre 1817 (nicht 1813 wie die Schles. Zeitung meintj seine Beiträge zur jüdischen Gemeinde in London bezahlt hat, so daß Benjamin 13 Jahre alt war, als die Familie zum Christenthume übertrat. Man hätte dies schon aus Nr. 45 des Jahrgangs 1874 dieses Blattes nach den daselbst mitgetheilten Briefen des Vaters ersehen können, welcher Artikel es auch sehr deutlich macht, warum Benjamin Disraeli die ganze Frage nicht selbst offen beantwortet habe, und es erst darauf ankommen ließ, bis die Acten der jüdischen Gemeinde zu diesem Zwecke durchsucht worden. Aus einem Alter von 13 Jahren erinnert man sich doch sehr gut eines solchen Ereignisses. Der Mann hatte seine Gründe, welche in dem angeführten Artikel klar dargelegt sind. Die Kreuzzeitung muß diese ihr so bittere Pille verschlucken. — Hier ist in diesen Tagen ein Prospect zu einer Schrift: „Israels Glaube, Sittlichkeit, Humanität, Friedensliebe und Begabung" von Matthias Hamburger erschienen, welche eine Gegenschrift gegen die vielfachen, in den letzten Jahren erschienenen Brandschriften gegen die Juden sein soll. Wenn die Schrift selbst nur zum Theil erfüllte, was der Prospect verheißt, so wäre sie eine willkommene Gabe. Czarnikau, 25. August. (Berichtigung.) In Nr. 31 d. Ztg. ist zu lesen d. d. Wronke, im Juli. „Wenn wir das Gebahren, Hetzen, Denunciren der Orthodoxen unserer Zeit betrachten, so können wir nicht umhin, die Behauptung auszusprechen, daß bei ihnen die gesetzliche äußere Thal allein ohne Rücksicht auf die Lauterkeit der innern Gesinnung Werth hat u. s. f." Der Referent, von welchem dieser Artikel ausgeht, ist nicht recht unterrichtet. Der Herr Hohenstein ist auf Grund einer Denunciation zweier Personen, deren Kinder die von Hohenstein geleitete Schule besuchen, wegen Verübung von Unzucht an Kindern in Anklagezustand versetzt worden. Der Herr Hohenstein ist den orthodoxen Israeliten unserer Gemeinde nicht wegen seiner freisinnigen Ansichten ein Dorn im Auge; auch ist derselbe nicht durch die Orthodoxen auf die Anklagebank gekommen. Das in Ihrer Zeitung abgedruckte Referat ist .in seinem ganzen Umfang unrichtig und nichts weiter als ein Abklatsch eines Referats der Posner Zeitung. Letztere Zeitung hat demnächst auf Ansuchen des Unterzeichneten Vorstandes eine Berichtigung dieses Referats eintreten lasten. Der Gemeinde-Vorstand: I. Simonsohn, Kaufmann. Gerson, Rechtsanwalt. M. Caspari, Kaufmann. Hamburg, 24. August. (Privatmittheil.) Gestern feierte der Oberrabbiner A. Stern sein fünfundzwanzigjähriges Amtsjubiläum , und wurden ihm viele Zeichen der Theilnahme, viele werthvolle Geschenke, namentlich auch eine sehr namhafte Summe in Werthpapieren überreicht. Bei dem Festgottesdienste hielt er selbst eine Rede über 4 Mos. 8, 24—29. Der Redner verbreitete sich über die Pflichten und Aufgaben eines Seelenhirten und hob hervor, welche Kämpfe derselbe zu bestehen habe, wenn er sein Amt gewistenhaft führen wolle. Auch er selbst habe das in seiner langjährigen Thätigkeit erfahren; indeffen habe er die Genugthuung, daß es ihm trotz der Schwierigkeit der Zeitverhältnisse und der sich vordrängenden Neuerungssucht

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