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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-08-29 · Heft 35 (29.8.1876) · p. Seite 569

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 35 (29.8.1876)
Date
1876-08-29
Page
Seite 569 (sequence 11)
Language
German
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569 Beispiel gehabt. Das höchste, was bis jetzt erreicht worden, war einmal 4 und einmal 3 Preise von einem Schüler. Der ganze Saal brach bei dieser Berkünvigung in stürmischen Beifall aus. Es wird hinzugesügt, daß der Musiklehrer dieses Jünglings darauf dringt, ihn in der Harmonielehre zu unterrichten, weil er die größte Anlage zum Componisten habe, und nicht minder verheißt sein Zeichnenlehrer die größten Erfolge, wenn er sich der bildenden Kunst zuwenden wolle. Baron Reinach ist bekanntlich einer der größeren Finanziers von Paris und stammt aus Frankfurt am Main. Tunis. London, im August. Der englische Generalconsul Wood hat über den Handel von Tunis an das Parlament einen Bericht gesandt, welchem wir über die Juden in Tunis folgende Stellen entnehmen. Die Bazars von Tunis bleiben hinter denen von Cairo und Damaskus zurück; doch wird daselbst ein beträchtlicher Handel mit Landesproducten, Manufacturen von Manchester und französischen Seidenstoffen betrieben. Die Regentschaft Tunis zahlt unter ihren Bewohnern ungefähr 30,000 Israeliten, von denen eine Anzahl reiche oder bemittelte Kaufleute, andere Inhaber von Läden, Trödler u. s. w. sind. Ihre Angelegenheiten werden im Allgemeinen durch einen Karo verwaltet, welchen der Bay aus der Milte der achtbarsten Israeliten wählt. Der Oberrabbiner empfängt vom Bay die ausgedehntesten Vollmachten hinsichtlich der Ehen, der Scheidung, der Testamente und Erbschaften. Die Israeliten genießen dieselben Rechte wie die Mohammedaner, und außer rer Polizei enthält sich die Regierung jeder Einmischung in die örtlichen Angelegenheiten. Mehrere von ihnen bekleiden öffentliche Aemter und einige sind selbst in Vertrauensposten eingesetzt. Das neue Gefangniß kann sich mit den europäischen Anstalten dieser Art vollständig vergleichen; die Civil- und politischen Gefangenen, ebenso wie die Israeliten, die Mohammedaner und die Christen haben getrennte Localitäten. Die Israeliten theilen sich in tunesische und portugiesische Gemeinden. Dreizehn tunesische und vier portugiesische Rabbinen unterrichten in Schulen, genannt Talmud- Thora, in welchen sich im Ganzen $50 Schüler (700 tunesische und 150 portugiesische) befinden. Außerdem bestehen in der Regentschaft ungefähr 32 freie Schulen, die ebenfalls von Raöbinen geleitet werden, und 950 Schüler zählen. Der diesen Schülern gegebene Unterricht hat einen ausschließlich religiösen Charakter, mit der einzigen Ausnahme, daß man sie arabisch schreiben lehrt, jedoch mit hebräischen Lettern. Für junge Mädchen giebt es keine Schulen. Die Eltern, welche ihren Kindern eine höhere Erziehung zu geben wünschen, senden sie in Schulen im Auslande. — Hierbei zieht folgende Stelle im Berichte des Generalconsuls die besondere Aufmerksamkeit auf sich und ist vor Allem der Alliance israölite universelle zu empfehlen: Tie von der Bibelgesellschaft von London gegründeten protestantischen Schulen werden von 167 Zöglingen <75 Knaben und 92 Mädchen) besucht. Neun Lehrer unterrichten an diesen Schulen. Die Zöglinge lernen englisch, französisch, italienisch und arabisch schreiben und sprechen: Man unterrichtet sie in Grammatik, Arithmetik, Geschichte und Geographie. Die Zöglinge empfangen auch Religionsunterricht und können einem Cursus technischer Studien folgen. Die Mädchen erhalten denselben Unterricht, wenn auch mehr auf der Elementarstuse. Man unterrichtet sie außerdem in Nähen und Sticken. Es ist nolhwendig, hinzuzufügen, daß alle Zöglinge, mit Ausnahme von 5, den israelit. Gemeinden angehören." — Es werden also hier 162 jüdische Kinder in der protestantischen Religion unterrichtet! Denn dies ist doch unbestreitbar der Zweck, um deffenlwillen die Bibelgesellschaft diese Schulen mit so großem Kostenaufwande unterhält, da es in der Regentschaft nur wenige Protestanten giebt. Man sieht, daß der Bildungstrieb bei den dortigen Juden die religiöse Gewiffenhaftigkeit überwindet und der völlig zurückgebliebene Bildungsstand der eingeborenen Rabbiner dagegen nicht auskommt, ihre Indolenz vielleicht sich gar nicht dagegen bemüht. Welche Früchte müßte dieser Bildungstrieb zeitigen, wenn die jüdischen Schulen dem Culturbedürsniffe zu genügen im Stande wären. Die Alliance hätte hier ein fruchtbares Feld; denn man könnte doch nicht sagen, daß die dortige Orthodoxie das Aufblühen jüd. Schulen Hintertriebe, da sie es nicht einmal vermag, so viele jüdische Kinder vom Besuche der Proselytenschulen abzuhalten. euilleton. Zur Sittlichkeit -er Juden in Galizien. Israeliten Galiziens bestellt blüffend: ist. Die Zahlen sind wahrhaft ver- Wien, 12. Juli 1876. Israeliten uneheliche Kinder Ich habe jüngst in ein Wespennest gestochen. Die hier Im Bezirk Brody 21,19 pCt. 1 5,05 pCt. erscheinende „Statistische Monatschrift" veröffentlicht einen Artikel: - Drohobycz 16,40 - 16,74 - „Die unehelich Gebornen in Oesterreich 1531—1874," der in - ' Stanislau 16,24 - 11,15 - mannigfacher Beziehung Vieles zu denken giebt. Ich sah mich - Kolemea 14,82 - 12,24 - veranlaßt, über den bezeichneten Artikel Bemerkungen in der - Buczacz 14,64 - 12.36 - „Neuen freien Preffe" zu veröffentlichen. Unter Andrem hob ich - Brzezau 13,06 - 10.81 - hervor und citirte, wie es mit den unehelichen Geburten bei den - Zydaczow 12,26 - 1 3,65 35* k

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