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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-08-29 · Heft 35 (29.8.1876) · p. Seite 568

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 35 (29.8.1876)
Date
1876-08-29
Page
Seite 568 (sequence 10)
Language
German
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568 tigams eeet der Braut die Trauung vollziehe; nun es viele von der Behörde bestätigte Cultusgemeinden biner; wer ist nun in solchen rabbinerlosen Gemeinden zur Vollziehung von Trauungen gesetzlich berechtigt? Die Ministerialverordnung würde diese Frage nur dann lösen, wenn sie nicht allein bestimmen würde, daß jeder Israelit in Bezug auf Eheangelegenheiten der nächstgelegenen Cultusgemeinde einzuverleiben sei, sondern auch, daß jede Cultusgemeinde, so sie von den Behörden als solche anerkannt sein will, einen behördlich bestätigten Rabbiner haben muß, oder aber, daß nicht bloß außerhalb des Verbandes einer Cultusgemeinde lebende Israeliten, sondern auch rabbinerlose Cultusgemeinden Gemeinden mit Rabbinern zugetheilt werden sollen. Wir zweifeln nicht, daß die jüdische Landesrepräsentanz in ihrem Gutachten auf diesen Punkt Hinweisen wird. Gleichzeitig hat die Statthalterei der Repräsentanz bekannt gegeben, daß die schon seit Jahren auf der Tagesordnung stehende Kreisrabbinerfrage endlich gelöst werden soll, und zu diesem Zwecke letztere aufgefordert, ihr einen Ausweis über die im ganzen Lande existirenrcn Kreis- und Localrabbiner, deren Wohnorte, fixe Bezüge u. s. w. anzufertigen und zu übergeben, Nichts kann der böhmischen Judenschafr willkommener sein, als die endliche Regelung dieser Angelegenheit. Im Principe wurde das Institut der Kreisrabbinale zwar schon vor mehreren Jahren aufgehoben, d. h. man setzte die Kreisrabbiner auf den Aussterbeetat; allein die confessionellen Gesetze haben auch den lebenden die gesetzliche Grundlage entzogen, und die Gemeinden, die für die Erhaltung ihrer Institutionen und der von ihnen selbst gewählten Functionäre schwere Opfer bringen müsien, haben keine Lust und sind auch nicht in der Lage, Zahlungen an Leute zu leisten, von denen sie nichts haben, und die ihnen zur Zeit des Absolutismus oft wider ihren Willen als Kreisrabbiner aufoclroyirt worden sind. Und in der That ist nicht einzusehen, warum Gemeinden, die behördlich bestätigte Rabbiner haben und die Dienste des Kreisrabbiners nach keiner Richtung hin in Anspruch nehmen, diesen bezahlen sollen! Würden indeß die Herren Kreisrabbiner — es dürfte deren derzeit nur noch 5 oder 0 in ganz Böhmen geben ihren Standpunkt kennen und der Sachlage angemesien schön zu Hause bleiben, bis man ihnen die paar Gulden mit der Post zuschickt, so würde am Ende auch jetzt noch jede Gemeinde sich herbeilasien, den auf sie kommenden Theil zu zahlen; allein jene Herren scheinen der Meinung zu sein, daß wir noch immer in der Zeit der Judenpatente und der obrigkeitlichen Bevormundung leben, suchen auch jetzt noch die Gemeinden, wenn dieselben den Besuch sich nicht ausdrücklich verbeten, heim, mitunter auch solche, in denen ein Rabbiner ist, und versuchen diesem gegenüber, gleichsam den Bischof zu spielen. Natürlich läßt sich kein Rabbiner eine solche Arroganz und einen solchen ungesetzlichen Eingriff in seine Rechte gefallen, wodurch wiederum Reibungen und Zänkereien entstehen. Die sogenannten Localrabbiner wissen oft bei ihrer Anstellung gar nicht, daß in rem Kreise, in welchem der aber giebtlOrt ihrer Gemeinde liegt, noch ein Kreisrabbiner existirt; sie ohne Rab-> erhalten die Bestätigung von der Behörde, ohne von dieser auf das noch bestehende Kreisrabbinat aufmerksam gemacht zu werben — warum sollten sie dann Jemanden freiwillig als Vorgesetzten anerkennen, den sie nicht selten an Wissen und Charakter weit überragen! Die Lösung der Kreisrabbinerfrage wird also jedenfalls viel zur Ordnung der zerfahrenen jüdischen Verhältnisse und zur Hebung des Ansehens des Rabbinerstandes hierzulande beilragen und wir sehen deshalb derselben mit froher Hoffnung entgegen. Preßburg, l 3. August. (Privatmitth.) Bei der jüngsten Ernennung der k. Schulinspectoren wurde vom k. Unterrichtsministerium Herr Joseph Roth zum Schulinspector des Preßburger Schuldistricts ernannt. Herr Roth ist der erste und bis jetzt einzige Jude, dem diese einflußreiche Stellung übertragen wurde. Triest, 18. August. Die hiesige Stadt und die jüdische Gemeinde haben einen sehr empfindlichen Verlust erlitten. Wie man nämlich telegraphirt, ist heute um 4 Uhr Früh der Präsident des Oesterreichischen Lloyd, Baron Clio Morpurgo, im französischen Bade Divonne gestorben. Er war seit Langem fußleidend und eine kürzlich vorgenommene Operation hatte leider nicht den gewünschten Erfolg. Morpurgo, einer Triester Familie entstammend, hat sich viele Verdienste um die Hebung der Handelsschifffahrt erworben. Er wurde 1867 in den Freiherrnstand erhoben und hat früher auch auf journalistischem Gebiete, speciell im Fache der Nationalökonomie, eine lebhafte Thätigkeit entfaltet. Er gehörte zu den reichsten und gentilsten Kaufherren von Triest. Sein Haus bildete den Sammelpunkt der Elite Triests, und auch der damals noch in Miramar residirende Erzherzog Max zählte häufig zu seinen Gästen. Frankreich. Pariö, l 5. Aug. (Nach den Arch. isr.) In diesen Tagen fand die Preisvertheilung an den verschiedenen höheren Lehranstalten statt. Es wurde vom Journal officiell hervorgehoben, daß unter den Personen zur Rechten des Unterrichtsministers sich der Großrabbiner Isidor, Mitglied des Oberraths für den öffentlichen Unterricht, befand. Es waren nämlich bei dem gegen den Minister Waddington seitens des katholischen Klerus erhobenen Kampfe alle katholischen Würdenträger der Kirche weggeblieben, merkwürdiger Weise aber auch die protestantischen. Im Gegensatz fand sich bei der Preisvertheilung zu Sens der dortige Erzbischof ein, während den Vorsitz der Präfect des Dep. de l"2)onne, Herr HendlL, ein Israelit, führte. Unter den preisgekrönten jungen Leuten waren auch diesmal viele Israeliten, besonders aber zog einer derselben, der jüngere Sohn des Baron Reinach (Theodor) vom Lyceum Tontanes die allgemeinste Bewunderung aus sich. Er erhielt nämlich von den 9 Facultäten 5 erste Preise, 3 zweite und ein Accessit. Hiervon hat man noch kein

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