Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1876)
- Date
- 1876-08-29
- Page
- Seite 565 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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565 Zum Schluffe verliest der Redner einen Brief des l)r. Ivel aus Krotoschin an eie Versammlung, in welchem ein im Wesentlichen dem Plan des Bortragenden entsprechender Lehrgang enipfohlen wird. Nach einer kurzen Debatte über diesen Plan schlägt l>r. Cohn sKattowitz) vor, die Versammlung möge sich damit einverstanden erklären, daß darauf hingearbeitet werde, daß an allen Anstalten dem jüdischen Religionsunterricht dieselbe Stundenzahl eingeräumt werde, wdlche für den christlichen festgesetzt sei. Der Vorschlag wird angenommen. Darauf wird Schluß der Debatte beantragt und angenommen, und damit die heutige Tagesordnung erledigt. — Es wird darauf über eine künftige Zusammenkunft berathen und in eine ständige Commission zum Zwecke der Betreibung der gemeinsamen Angelegenheiten folgende Herren gewählt: Gymnasiallehrer Iw. Bact «Breslau); Rabb. lw. Cohn «Kattowitz); Rabb. l>r. Cohn (Oelö,; Rabb. 10. Horwitz «Gnesen); Rabb. Iw. Rosenthal «Beuchen«. — Darauf wird auf den Antrag des lw. Batt beschlossen, für die Verbreitung und die Anerkennung der heutigen Beschlüsse durch Wort und Schrift;u wirken und in Betreff der Gleichstellung des jüd. Religionsunterrichts mit dem der anderen Confessionen den Instanzenweg bei den betreffenden Behörden zu betreten. In letzterm Punkte hält die Versammlung es für das «Zweckmäßigste, daß die Gemeinden die Betreibung der Angele- : genheit selbstständig in die Hand nehmen.! Der Vorsitzende schließt hierauf die Versammlung mit einigen , Worten des Dankes für die rege Betheiligung und mit dem Wunsche und der Hoffnung, daß der guten Sache der Erfolg nicht fehlen möge.-Schluß der Sitzung 7 Uhr. Äitöocßiur&teii. Deutschland. Aus Elsaß-Lothringen, im Aug. «Privatmitth.» Wenn die Jahre vorübergehen, so beruhigt das Leben alle Leidenschaften, und insonders eine Erregung des Volkes kann dem Bedürfniß und dem stillen Gang des Lebens nicht lange widerstehen. Das bezeugen auch die statistischen Notizen, die aus dem Neichslande bekannt werden. Das deutsche Schulwesen erblüht immer mehr und wird schon die nächstfolgende Generation in deutschem Sinn und Geist erziehen. In Straßburg z. V. wurde im letzten Sommersemester das kaiserliche Lyceum von 418 Proleslanlen, 16t) Katholiken und 37 Israeliten, das protestantische Gymnasium von 516 Protestanten, 71 Katholiken und 44 Israeliten besucht. Während rie jüdrsche Bevölkerung im Reichslande 3 auf 100 ausmacht, geben diese Ziffern für den Besuch dieser beiden Lehranstalten durch die jüdische Jugend 7 aus 100. Nichts wenn der Vorstand selbst um eine Gabe ersucht. Es hat sich dies an hiesigem Orte durchaus bewährt, und der Hausbettel ist fast ganz verschwunden. So besteht dieser Verein bereits im achten Jahre und hat jetzt zum ersten Male den statutenmäßigen Rechenschaftsbericht veröffentlicht. Die hiesige Gemeinde besteht aus 85 Familien; die Einnahmen, welche von 111 Thalern schon im zweiten Jahre aus 1)39 Thaler gestiegen waren, betrugen 1875 3163 Mark «l«'34 Thaler«, worunter Iso Mark jährlicher Beitrag der Gemeinde. Der aus 65 Mitgliedern bestehende Verein hat demnach in 7 Jahren 18,705 Mark verausgabt, gewiß ein Beweis großer Opferwilligkeit. Tie Ausgaben vertheilen sich aus Unterstützungen in der Stadt, in der Umgegend (was monatlich geschieht«, und für Fremde. Im Jahre 187 5 wurden für die jüdischen Armen der Stadt 7 60 M. baar, 7 1 M. in Kohlen und 181 M. in Mazzoth, für eie Armen in der Umgegend 1154 M., und für Fremde 054 M. vercheilt. Wir haben dies ausführlich milgelheilt, um an diesem Beispiel zu ist wünschenswerther, als daß auf riese Weise die deutsche B-l-j zeigen, daß das System, nach welchem dieses Armenwesen gedüng unter unsren Glaubensgenossen im Reichslande sich immer-! ordnet ist, durchaus ausführbar und haltbar ist. Es ist nicht fort hebe. — In Metz wurden bei der in voriger Woche statt-j zu bezweifeln, daß trotz der bestimmten Opfer, welche die Mitgefundenen Wahl des Gemeinderalhes zwei Juden in diese Körj gliecer bringen, dieselben gegen die Summen der früher an die perschaft gewählt, Herr Morhange, Präsident des israelitischen «Hausbettler verzettelten Gaben auch an Geld gewinnen, abgesehen Consistoriums, und Banquier Mayer I. Mayer.!von den vielen Uebelständen, denen damit entgegengeireten wird. Bonn, 16. August. (Privatmitth.) Im Jahre 1869 hat die hiesige Gemeinde auf Betrieb des Redacteurs d. Bl. ihr Armenwesen geordnet, um der unerträglich gewordenen Bettelei aus der Umgegend und Fremde zu steuern. Es wurde ein Armenverein aus freiwilligen Beiträgen und Spenden mit einer Unterstützung aus der Gemeinvecaffe gebildet, mit der Bedingung, daß die Mitglieder deS Vereins den Hausbettlern keine Unterstützung zukommen laffen, außer etwa in einem außergewöhnlichen Falle, Breölau, 14. August. (Privatmitth.) Man wird sich « innern, daß, nachdem in den hiesigen Schulen der jüdische Religionsunterricht obligatorisch eingeführt worden, dies durch einen Erlaß der königl. Regierung als unzulässig aufgehoben wurde. Der hiesige Magistrat hat nun nach von der jüdischen Gemeinde eingeholtem Gutachten, sich an Las Cultusininistcriuin mit der Bitte um Verleihung des obligatorischen Charakters für den jüdischen Religionsunterricht gewendet. Der Ausgang bleibt abzu-