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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-08-29 · Heft 35 (29.8.1876) · p. Seite 564

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 35 (29.8.1876)
Date
1876-08-29
Page
Seite 564 (sequence 6)
Language
German
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564 Das Hebräische ist im Princip als ein Bestandtheil des jüdischen Religionsunterrichts auch an höheren Anstalten anzufehen; nur im Falle, raß Die Verhältnisse dies nicht gestatten, ist Vas Hebräische dem Privatunterricht zuzuweisen. Nach kurzer Debatte wird diese These einstimmig angenommen. In Betreffs des Unterrichts in der jüd. Geschichte, für die auf Antrag Des l)r. Cohn (Qels) die Bezeichnung „jüdische Religionsgeschichte" von der Bersammlung acceptirt wird, wirv gemäß dem Bortrag des Referenten auf seinen Antrag folgende These einstimmig angenommen: Auch bei Dem Unterricht in ver nachbiblischen Geschichte, ist mehr auf das Hervvrtreten des innern, religiösen Lebens, als auf Die politische Geschichte Bedacht zu nehmen. Es folgt als Dritter Gegenstand der Tagesordnung das Referat des Dr. Badt über den Entwurf eines Normallehrplans. Der Redner führt aus, daß es zum Entwurf eines Plans nöchig fei, noch einmal Die Lehrgegenslände sich zu vergegenwärtigen. Vom Hebräischen sehe er aus den vorher erwähnten Grünven ab. Es kämen also in Betracht: 1. Biblische und jüdische Geschichte. — Blbelkunde und Bibellectüre. 2. Religions- und Sittenlehre. — Einführung in die Probleme der Religionsphilosophie. 3. Einführung in den Cultus. — Festcyclus. — Symbolik. Zur Erklärung der einzelnen Fächer bemerke er, daß er unter Bibelkunde Las Wichtigste über rie Eintheilung und den Inhalt Der h. Schrift, mit Fernhaltung jeder Bibelkritik verstehe. — Unter Einführung in den Culms sei sowohl die Einführung in Die im religiösen Leben in Synagoge und Haus üblichen Bräuche, als auch die Bekanntmachung mit den wichtigsten Beftandtheilen des Gebetbuches zu begreifen, und was die sogenannte Symbolik betreffe, so verstehe er darunter rie Besprechung des sinnigen Gehalts rer religiösen Bräuche an der Hanv des Midrasch. — Was vor allem Die Religionsunv Sittenlehre betrifft, so sei er gegen reu sogenannten Nakechisrnusunterricht, Der Den oberen Clasieu ohnehin nicht genüge, in den unteren und mittleren Durch trockene, zum Theil unverständliche, zum Theil verständliche Lehrsätze, die rem Gemülh wenig Nahrung geben, den Schüler langweilen. Biel erfolgreicher werde der Lehrer me biblische Geschichte und die Bibellectüre auf diesen Stufen gelegentlich für die Religions- und Sittenlehre ausnutzen können, bis in den oberen Clasien eine wissenschaftlichere Darstellung des gesummten Religionssystems und rer wichtigsten Probleme der Religionsphilosophie, so weit sich diese für die Schulen eignet, gegeben werden könne. Alle diese Gegenstände aber müßten so gelehrt werden, daß auf jeder Bilvungsstufe der Schüler einen seiner Bildung angemeffenen Unterricht in ihnen erhalte. Sie werden also alle in jeder Abtheilung im Lehrplan vertreten sein müssen. — Obgleich nun, wie sich aus den heutigen Debatten ergeben habe, nicht in allen Anstalten dieselbe Stundenzahl dem Religionsunterricht überlasten würde, so glaube er doch nicht fehl zu gehen, wenn er einen Unterricht von 9 Schuljahren ü 6 Stunden wöchentlich dem Normalplan zu Grunde lege. Als Eintheilung empfehle sich am meisten: I. Combination von Sexta und Quinta, Zeitraum 2 Jahr, wöchentlich 2 Stunden. II. Combination von Quarta u. Tertia, Zeitraum 3 Jahr, wöchentlich 2 Stunden. III. Combination von Secunda u. Prima, Zeitraum 4 Jahr, wöchentlich 2 Stunden. I. Auf der untersten Stufe empfehle sich als vorwiegender Gegenstand biblische Geschichte bis zur Königszeit; im Anschluß an die einzelnen Erzählungen Hervorhebung der religiös-ethischen Momente; bei. Gelegenheit der historischen Beranlastung der Feste und vor jedem Feste Besprechung der Bedeutung derselben. Material zum Memoriren: die Zehnworte, Die bibl. Abschnitte über rie Feste und eine Zusammenstellung der Sittengesetze. — Namen der jüdischen Monate und Daten Der Feste. II. Auf der Mittlern Stufe in 3-jährigem Cursus: bibl. Geschichte und aus cer nachbiblischen die Zerstörung Jerusalems. Dabei sei zu beachten, daß die Schüler auf dieser Stufe, da der Geschichtsunterricht überhaupt erst in Quarta beginne, für die Geschichte das rechte Berständniß noch nicht besitzen; es sei also auf der nächsten Stufe noch einmal darauf zurückzukommen. — Wiederholung und Erweiterung des früheren Cursus. — Material zum Memoriren: Ausgewählte Psalmen und Gebete aus dem Gebetbuch. — Bibellectüre. III. Aus der oberen Stufe mir 4-jährigem Cursus empfehle sich die Geschichte bis auf die neueste Zeit in Lebensbildern hervorragender Persönlichkeiten: 2 Jahre; Systematische Darstellung der Religionslehre verbunden mir Bibellectüre und Leclüre ausgewählter Stellen aus den Religionsphilosophen, z. B. Kufari, Mendelssohns Phädon u. A.: 1 Jahr. — Wiederholung und Ergänzung alles Früheren, letzteres besonders in Bezug auf das jüd. Kalenderwesen, auf die Feste und deren Symbole, im Anschluß daran nach Bedürsniß Besprechung andrer Bräuche: 1 Jahr. Redner macht für diesen Entwurf keineswegs den Anspruch auf Unfehlbarkeit, er hostr aber, zweierlei durch denselben erreichen zu können, einerseits die möglichst vollständige Mittheilung alles Hierhergehörigen, so weit es einem Schüler angemessen sei, und andrerseits die Anpassung der einzelnen Gegenstände an die jedesmalige Fassungsgabe Der betr. Stufe. So werde in dem Schüler das Interesse für die Sache wach erhallen und derselbe nach Abschluß des ganzen Cursus auch ein Berständniß haben für alle Fragen, die an ihn dereinst als Mann im Gemeindeleben herantreten würden.

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