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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-08-22 · Heft 34 (22.8.1876) · p. Seite 551

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 34 (22.8.1876)
Date
1876-08-22
Page
Seite 551 (sequence 11)
Language
German
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551 Verwandte unv frühere Schüler, die zum Theil aus weiter Ferne dahin geeilt waren. Um 1 Uhr war Festzottesdienst. Die Festrede hielt zunächst Herr Rabbiner Gold mann aus Eschwege und entrollte ein Bild des Lehrers, woraus er dann in herzlichen Worten auf die persönlichen Verhältnisse des Jubilars näher einging. Hierauf folgte'der zweite Festredner, Herr vr. Stein aus Kassel. In einer trefflichen Rede schilderte derselbe die Lehrerthätigkeit im Allgemeinen, beleuchtete die hohe Aufgabe der Schule, insbesondere der israelitischen jener Zeit, deren Schwerpunkt darin lag, alte Sitte mit neuem, deutschen Geiste zu verbinden, und zeigte dann, wie der Jubilar dieses schöne Ziel zu erreichen sich bemühte und auch wacker erreicht habe. Die israel. Schule bedurfte, als eine verhältnißmäßig noch sehr junge Institution, ganz besonders der wärmenden Sonnenstrahlen von Seilen hoher Regierung unv hat sie sich auch unter der dankbar anzuerkennenden Fürsorge des Staates zu der jetzigen Höhe emporschwingen können. — Wie auf alle Anwesenden, so machte auch ganz besonders auf den Jubilar die Rede einen mächtigen Eindruck und mit ergriffenem Herzen dankte derselbe zunächst Gon für seine Gnade, dann den Festrednern, der Gemeinde und den Festtheilnehmern. — Nach Absingen eines Schlußchorals ging's dann im Zuge mir Musikbegleitung nach dem Festsaale, woselbst das Festmahl abgehalten werden sollte. Vorher fand die Ueberreichung der Geschenke statt. Die Gemeinde übergab einen prachtvollen silbernen Pokal und ein ansehnliches Geldgeschenk. Hierauf verlas Herr Dr. Stein als beauftragter Commlssar des israelit. Vorsteheramtes zu Kassel ein Anerkennungsschreiben desselben unter Beifügung von 75 Mark. Hierauf überreichte Herr Lehrer Cornelius aus Rotenburg im Namen von circa 30 Collegen einen sehr geschmack- und werthvollen Regulator. Auch von den Schulkindern, Verwandten und früheren Schülern erhielt der Jubilar eine Menge theils sehr werthvoller Geschenke, so daß er vor Rührung kaum die Worte des Tankes Hervorbringen konnte. Den Höhepunkt erhielt das Fest durch die Ankuns des Landraths, Herrn Groß, aus Eschwege, welcher mit herzlichen und tiefgefühlten Worten dem Jubilar seine eigene Theilnahme ausdrückte, und dann ihm miltheilte, daß Se. Mas. der Kaiser und König allergnädizst geruht habe, den Jubilar mit dem allgemeinen Ehrenzeichen mir der Zahl 50 zu decoriren; worauf er demselben die betreffenden Insignien überreichte. Ein stürmisches Hoch aus Se. Majestät ren Kaiser endete diesen feierlichen Act. — Nun gings zur Tafel, der noch ein Ball folgte. Möge Gottes Gnade den Jubilar noch recht lange bei feiner geistigen und körperlichen Kraft und Frische erhalten! Vermischtes. Die Feuersbrunst in Rom unter Nero. Bon Zeit zu Zeit taucht in der Literatur das Bestreben auf, geschichtliche Charaktere in einem ganz anderen Lichte zu zeigen, als in welchem sie bis jetzt angesehen wurden. Man nennt dies „Rettungen", wie dies B. Lessing an bis dahin verkannten Gelehrten geihan hat. Dieses Streben, aus besseren Quellen verkannten Persönlichkeiten gerecht zu werden, an sich so anerkennenswerlh, kann aber leicht in die Sucht nach Paradoxien, in die Sucht, das Gegentheil von dem zu behaupten, was die Geschichte bis jetzt gelehrt hat, ausarten, und so in das Gegentheil Umschlagen, nämlich verworfene Charaktere als unschuldig, als mit Unrecht verurtheili, darzustellen. Es ist bekannt, daß Adolph Stahr vor geraumer Zeit dies mit Tiberius versuckst har, den er durchaus zu einem hochsinnigen und geistreichen Herrscher umstempeln wollte. Die Wiffenschaft hat seine Beweisführung für durchaus ungenügend erklärt, was natürlich nicht verhinderte, daß die oft scharfsinnige unv immerhin unterhaltende Schrift bei einem Theile des Publikums Wohlgefallen fand. Im September- Heft 187 5 der Westermann'schen Monatshefte bietet Stahr „Bilder aus dem Alterthume", und zwar eine Schilderung der furchtbaren Feuersbrunst in Rom unter dem Kaiser Nero. Bekanntlich war unter der Bevölkerung Roms zur Zeit des schrecklichen Ereigniffes selbst, welches mehr als zwei Drittel der allen, von mehr als anderthalb Millionen Menschen bewohnten Stadt in Asche legre, die Meinung verbreitet, daß Nero selbst den Brand angestistet habe, theils um das Vergnügen res Anblicks eines so Ungeheuern Feuermeers zu genießen, gleich Priamus, der das brennende Troja geschaut, theils um eine ganz neue Stadt nach eigenem Plane zu erbauen und nach seinem Namen zu nennen. Dieses „Gerücht", wie es Tacitus noch nennt, tritt bei Sueton und Dio Cassius als zweifellose Wahrheit aus, und war so stark, daß es Nero seiner Sicherheit wegen für nothwendig fand, den Verdacht auf Andere zu wälzen und diese mit der unerhörtesten Grausamkeit hinzurichten. Wie bemerkt, nützten ihm diese Greuelrhaten nichts, sondern die Zeitgenossen zogen erst recht daraus einen Beweis für seine Schuld. Stahr sucht nun in dem angeführten Aussätze Nero von der Urheberschaft des Brandes zu reinigen. Es ist nicht unsere Ausgabe, zu beurtheilen, ob ihm dies gelungen sei. Man muß zugeben, daß Tacitus eben nur von einem allgemein verbreiteren Gerücht spricht, und daß Die unbedingten Aussprüche der beiden anderen römischen Geschichtsschreiber hierdurch zweifelhaft werten. Aber Tacitus sagt auch kein Wort, um das Gerücht als ein falsches zu bezeichnen. Was gegen die Schlußfolgerungen Stahr's einnimmt, das ist, daß er den Stiel sofort umdrehr und die Besonnenheit und Großmurh Neros als bewunderungswürdig bezeichnet, weil dieser nämlich alsbald Baracken für die Obdachlosen errichten und Korn und Geld unter sie vertheilen ließ. 34*

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