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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-08-22 · Heft 34 (22.8.1876) · p. Seite 550

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 34 (22.8.1876)
Date
1876-08-22
Page
Seite 550 (sequence 10)
Language
German
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550 gemacht hat, spricht sich Herr Peipotto rühmend aus. Das Land, > welches sonst alle 2 bis 3 Jahre nur Revolutionen erlebte, hat jetzt wahrend der letzten l0 Jahre des Friedens genoffen, und sind dieselben vom Fürsten und seinen Ratbgebern eifrig benützt § worden, um das Land durch Eisenbahn-, Straßen- und Canal-! bauten in materieller Hinsicht so viel wie möglich zu heben. Acker-1 bau und Handel haben sich auch entwickelt, dagegen ist für das Schulwesen viel zu wenig geschehen. Die Vorliebe des Fürsten für das Soldatenwesen ler ist ein Hohenzollernprinz und war Major in der preußischen Garde, bevor er den Fürstenstuhl occupirte,) zeigt sich am deutlichsten im Budget des Staates- 18 Millionen Francs verschlingt jährlich der Militäretat, und nur 8 Millionen werden für das gesammte Schulwesen ausgegeben. Auf über 5 Millionen Einwohner kommen bloß 85,000 Schulbesucher, Studenten an der Universität, Gymnasiasten und Besucher der Volksschulen, Alles mit eingeschlossen. Daß in Folge deffen Rohheit, Unwiffenheir und Aberglauben im Lande herrschen, ist nur zu natürlich. Die oberen Gesellschaftsclaffen holten sich das Wenige, was sie an Bildung genoffen, bisher aus Frankreich, wohin die männliche Jugend zum Zwecke ihrer Ausbildung geschickt wurde. In ihr Vaterland zurückgekehrt, suchten sie das in Paris genoffene Leben fortzusetzen, an ehrliche, anstrengende Geistes- oder Körperarbeit dachte Keiner. Erst in neuerer Zeit hat sich, hauptsächlich durch den Einstuß der Fürstin, von welcher Herr Peixotto mit der höchsten Achtung und Anerkennung spricht, eine Wendung zum Befferen gezeigt, und schicken jetzt viele Bojarensamilien ihre Kinder auf deutsche Schulen und Universitäten. Ter Deutschenhaß, den die Rumänier gleich allen Slaven besitzen, hat viel an Intensität verloren. Das deutsche Fürstenhaus hat viele Deutsche herbeigezogen, und ihrem Einfluß ist es zuzuschreiben, wenn im geselligen wie im geschäftlichen Leben sich ein befferer Ton geltend macht. Daß, wenn jetzt auch die Aufstände unterdrückt und ein Waffenstillstand abgeschloffen wird, an einen dauernden Frieden nicht zu denken ist, so lange das türkische Joch centnerschwer aus allen Nichtmuselmännern lastet, und die schreiendsten Ungerechtigkeiten und Bedrückungen in den türkischen Provinzen an der Tagesordnung sind, ist in den Vasallenstaaten die allgemeine Ueberzeugung, und früher oder später wird Rußland doch gezwungen sein, sich seiner Stammesgenoffen anzunehmen. Oesterreich sucht mit Hülfe Englands den Ausbruch des orientalischen Krieges soweit wie möglich hinauszuschieben, da ein solcher nur zu leicht sein Schicksal besiegeln könnte. Bukarest, im August. Der rumänische Minister des Innern hat mittelst Rundschreibens vom 7.. 19. Juni 1876 die Keispräfecten in Kenntniß gesetzt, daß in Ausführung des Artikels II des Schlußprotocolls zur Handelsconvention zwischen Oesterreich-Ungarn und Rumänien die Vorschrift, daß die Reisenden beim Eintritte nach Rumänien einen gewiffen Geldbeitrag vorzeigen sollen, abgeschafft sei. Die Präsecten wurden zugleich beauftragt, dies ungesäumt den Grenzcommandanten mitzutheilen und dafür Serge zu tragen, daß von den eintretenden Reisenden in Hinkunst nur die Vorweisung der ordnungsmäßigen Reisepässe verlangt werde. Hierbei wurden jedoch, um die Einwanderung des Proletariats der Nachbarländer nach Rumänien in Folge dieser Erleichterung hintanzuhalten, die Behörden zur strengsten Handhabung der polizeilichen Gesetze über die öffentliche Sicherheit und das Bagabundenwesen angewiesen und denselben insbesondere die stricleste Anwendung der Bestimmung aufgetragen, wonach Niemand, sei es ein Fremder, sei es ein Eingeborner, ohne eine reelle Beschäftigung und ohne die Bewilligung der Communalbehörde sich auf dem flachen Lande bleibend niederlaffen darf. — Man behauptet nicht zuviel, wenn man sagt, daß dieses ganze Rundschreiben ganz allein gegen die Juden gerichtet ist. Die rumänische Schlauheit und List vermeidet nämlich, um Europa zu täuschen, in ihren Bevrückungsdecreten sorgfältig den Ausdruck „Jude", und begnügt sich damit, „Fremde" und „Proletarier" zu sagen. Die Beamten wissen schon, wen sie darunter zu verstehen haben. Nebenbei belegt dieses Rundschreiben die inländischen Juden mir denselben polizeilichen Mißhandlungen wie die „Fremden". Daß aus diesem Circulär die von uns gemeldeten polizeilichen ungesetzlichen Grausamkeiten zu Fokschani entsprangen, versteht sich von selbst. e «i l Correspondenz. Aus Hessen, im August. Bei dem Jntereffe, welches Ihre Leser für das Schulwesen und verdiente Schulmänner hegen, werden Sie dem Wunsche, die folgende Corresponren; aus dem „Tagblatt und Anzeiger für die Provinz Hessen" vom 3. August aufzunehmen, Nachkommen: Bon der Werra, I. August. In Reichensachfen feierte der israelitische Lehrer, Herr Samuel Blach, sein 50jähriges Amtsjubilaum. Die allseitige herzliche Theilnahme zeigte auch hier, daß man nicht nur die Person des Lehrers achtete und l e t o n. ehrte, sondern, daß man auch in der Gemeinde die hohe Aufgabe der Schule anerkannte und zu würdigen wußte. Der Jubilar, ein trotz seiner 72 Jahre noch sehr rüstiger Greis, würde früh Morgens schon durch ein Musikständchen erfreut. Um 10 Uhr kamen die Gratulanten; zunächst sprach der Localschulinspector Herr Pfarrer Gonnermann aus Reichensachsen, der von einigen christlichen Lehrern begleitet war, mit herzlichen warmen Worten seinen Glückwunsch und betonte ganz besonders - das freundschaftliche Verhältnis, das nicht nur zwischen ihm und j dem Jubilar, sondern auch schon von seinem Vater her bestehe.! Hierauf folgte die Gemeinde, dann die Schulkinder, viele Freunde

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