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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-08-22 · Heft 34 (22.8.1876) · p. Seite 549

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 34 (22.8.1876)
Date
1876-08-22
Page
Seite 549 (sequence 9)
Language
German
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549 derselben als ein erbliches bekleidet. Sie werden „Kajis" genannt und hoher erachtet als die gewöhnlichen Cnltusbeamten, die für ihren Dienst in der Synagoge Bezahlung erhalten. Sie werden gleich den Hohenpriestern und CivilhLuptern der Gemeinde respectirt und alle geistliche und Civilangelegenheiten von ihnen mit Hülfe eines Beirathes untersucht und geschlichtet. An einigen Plätzen, besonders in Bombay, ist dies nicht mehr der Fall. Es fungirt eine Person, die Chasan und Kaji genannt wird. Die bürgerlichen Angelegenheiten werden durch eine Person besorgt, welche betitelt wird und der ein Beirath zur Seite steht. Die Beni-Jsrael sind in Bombay seit 150 Jahren (nach Samuel von Puna seit 1775) ansässig, und die erste Synagoge ist 1796 gebaut. Sie wurde errichtet durch Samuel Ezechiel, einen eingeborenen Commandanten in der gegen Sultan Tippo Sahib, den Herrscher von Mysore, gesandten brittischen Armee. Der Commandant war durch den Feind gefangen worden, und hatte gelobt, eine Synagoge zu bauen, wenn er seine Freiheit wieder erhielte. Sie entsprach jedoch dem anwachsenden Bedürfnis der Gemeinde. Diese besaß 4 Gräberfelder in Bombay, deren ältestes in Mazagu, einem alten Bezirke von Bombay, gelegen. Die älteste Grabinschrift, die man jetzt noch findet, trägt die Jahreszahl 5530. Soweit die Erinnerung zurückgeht, sprachen die Beni-Jsrael immer die Landessprache. Eine Ueberlieferung sagt aber, daß als die ersten Ankömmlinge landeten (sie erlitten einen Schiffbruch), sie eine Sprache redeten, welche den Einwohnern unverständlich war. Bon hebräischen Kenntniffen ist wenig unter ihnen vorhanden, doch können einige Hebräisch in's Englische oder in's Marathi, oder in beide übersetzen. Ein Herr Joseph Ezechiel ist besoldeter Examinator des Hebräischen bei der Universitär von Bombay und Lehrer in dem hebräischen und englischen Seminar Saffoon, ein anderer, Schalom Samuel, ist an der hebräischen und Marathi-Schule der englischen Missionsgesellschaft Lehrer. Doch verstehen sie die Talmudsprache nicht. Die Beni- Jsrael haben eine durch freiwillige Beiträge unterhaltene Schule in Bombay; der Lehrer heißt Samson Judah Aschkenazi. Man unterrichtet aus der Bibel und zwei Elementarbüchern iron ■pos-ir: und -pofinr: nrasa, welche von zwei Beni-Jsrael verfaßt sind; die Schule wird von 80—100 Schülern besucht. Eine Reihe von Büchern ist von Beni-Jsrael in der Maralhi- Sprache verfaßt; so Uebersetzungen der Gesänge Salomon's in Bersen und von Schriften religiösen und ritualistischen Charakters. Zwei Originalbücher behandeln die Geschichte und die Sitten und Gebräuche der Beni-Äsrael's. Das letztere ist ein völlig übertreibendes Pamphlet eines jungen Autors, der dafür von der Gemeinde ausgestoßen wurde. Ein drittes Werk i eine Uebersetzung des jüdischen Kriegers von Josephus, und ein Anhang, den ein neuerer Schriftsteller hinzugefügt hat, reicht bis zum Jahre 1874, enthält jedoch nur Weniges über die Beni- JsraelS. Das tägliche Gebetbuch der Sephardim wurde durch Schalom Samuel und dann wieder durch Joseph Ezechiel übersetzt. Auch über einige profane Gegenstände giebt es Schriften von Beni-Jsrael, die, wenn auch ohne großes literarisches Verdienst, doch nützlich sind. — Höhere Stellungen in der brittischen Armee, soweit diese Eingeborenen offenstehen, erlangten Subedar Abraham Davis und Subedar Major Moses Bellajee. Von Samuel Ezechiel, dem Erbauer der ältesten Synagoge, ist schon gesprochen worden. Er war ausgezeichnet durch seinen socialen und sittlichen Charakter. Einige andere Beni-Jsrael erhielten Gunst und Ehre bei den einheimischen Regenten in Alibaug, Revdanda und Aschtami, ohne jedoch von höherm Einslusie zu sein. Gegenwärtig giebt es Gemeinden der Beni-Jsrael: drei in Bombay und je eine in Alibaug, Ambapur, Pen, Rewvanda, Borlai, Panwell und Puna. Sie haben bezahlte Beamte, welche vre Gebete nach dem sephardischen Ritus und die heilige Schrift vorlesen, die Beschneidung, Trauung, Bestattung und das Schächten vollziehen. Nur im letzten Jahre fand eine Heirath zwischen einem Beni-Jsrael und einer anderen Jüdin statt. Die Juden von Bagdad und Cochin besuchen die Synagogen der Beni-Jsrael und umgekehrt; sie speisen zusammen und hatten bis neuerdings einen gemeinsamen Begräbnißplatz. Die Beni-Jsrael sprechen den Hindustandialect, der aus Arabischem, Persischem und Sanskrit besteht, und die biogu» kraues von Indien ist. Unter den Beni-Jsrael giebt es eine Claffe, welche „Kala-Jsrael" oder „schwarze Juden" genannt werden, und zwischen der und den Beni-Jsrael keine Verheirathung stattfindet. Sie sind Abkömmlinge der Beni-Jsrael mit heidnischen Weibern und haben einen besondern Begräbnißplatz. Uebrigens haben die Beni-Jsrael in den Ländern der Hindus, namentlich an den Ostküsten, stets unangetastet gelebt. Nur die Portugiesen in Goa machten Versuche der Bekehrung, jedoch ganz ohne Erfolg. Im Ganzen sind die Beni-Jsrael arm, sehr arm, unwisiend, meist Maurer, Handwerker und Soldaten. Nur ungefähr 70 bis 100 Männer haben Englisch gelernt in den Missionsschulen und sind von der Regierung angestellt, einige auch als Gehülfen in den Hospitälern. Rumänien. Bonn, 11. August. Wir erhalten das „Washingtoner Journal" vom 26. Juni. Daffelbe enthält einen Bericht des Herrn Peixotto über die Zustände in den türkischen Vasallenstaaten, namentlich in Rumänien. Die Ansichten eines Mannes, der eine Reihe von Jahren unmittelbare Beobachtungen anzustellen Gelegenheit hatte, werden sicherlich interessiren, und geben wir deshalb die Hauptstellen wieder, da das gedachle Journal wohl schwerlich viel nach Europa kommt. Andererseits könnten die Rumänen hieraus die Unparteilichkeit erkennen, welche die Juden ihnen angedeihen laffen, da doch auch Herr Peixotto die rumänische Gastfreundschaft nicht sehr genossen hat. Er sagt über Rumänien. Ueber die Fortschritte, welche Rumänien in jeder Beziehung 34

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