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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-08-08 · Heft 32 (8.8.1876) · p. Seite 516

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 32 (8.8.1876)
Date
1876-08-08
Page
Seite 516 (sequence 10)
Language
German
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516 hatten. Auf eine Avreffe an den Schah traf sofort der Befehl ein, daß, wenn man einem Israeliten nur ein Haar krümmte, Hamadan zerstört werden sollte. Der Gouverneur machte bekannt, daß dem, der eine Waffe gegen einen Juden zückte, die Hand abgehauen werden solle. Der Schah befahl ferner, daß die Bevölkerung eine Strafe von 1000 Tomans bezahlen solle. Der Gouverneur, der einen Aufstand fürchtete, versprach die Strafe selbst zu bezahlen. Dies wurde nack> Teheran berichtet, worauf der Gouverneur abgesetzt wurde. Die Einwohner von Hamadan baten um deffen Belaffung und versprachen das Strafgeld selbst zu entrichten, aber der Schah blieb fest. Darauf zwang man die Juden, ein Schriftstück zu unterzeichnen, in welchem sie anzeigten, daß sie befriedigt worden seien; aber der Schah, der seine Leute kennt, nahm auch hiervon keine Notiz. Wir wünschten, daß dieselbe Festigkeit bei allen derartigen Unthaten bewiesen würde; dann müßten sie bald verschwinden. So ist noch heute Mirza-Hadi, deffen Predigten die Bevölkerung aufgereizt hatten, den Juden Jehuda am 15. Ab zu verbrennen, unbestraft und hat die 1000 Tomans, die er als Strafe bezahlen sollte, noch heute in der Tasche. Rumänien. Bukarest, 27. Juli. (Privatmitth.) Seit zwei Tagen beschäftigt sich unsere Abgeordnetenkammer mit der r u s s i s ch-rumänischen Handelsconvenüon, welche, wie wir auch gar nicht anders erwarteten, ganz dieselben Bestimmungen enthält, wie die vielberufene österreichisch-rumänische. Bon Rußland durfte man nichts Anderes voraussetzen. Aber auch das geringe Zugeständniß des Erwerbrechles von Immobilien in den Städten brachte eine große Aufregung und starke Opposition in der Kammer zu Wege, die nur durch die Erklärung des Ministerpräsidenten beschwichtigt wurde: es blieben der Regierung noch Mittel der Bedrückung genug übrig, um die Juden aus dem Lande zu vertreiben. Bratiano führte dies noch mit den hohlen Phrasen aus, die Juden könnten sich nur da erhallen, wo ihnen eine Aristokratie Gelegenheit zur Ausbeutung gäbe, in dem demokratischen und arbeitsamen Rumänien fänden sie keine Mittel zu epistiren! — Hiermit köderte man eine Kammer, die begierig ist, sich ködern zu laffen. — Man' colportirt hier das Gerücht, daß auch Deutschland und Frankreich in die Beschränkungen ihrer eigenen Unterthanen jüdischer Religion eingewilligt hätten. Wir können dies aber von diesen beiden Staaten nicht glauben. Serbien. Belgrad, 23. Juli. In Belgrad wird schon jetzt über Hals und Kopf Wes zusammengetrommelt, was irgendwie wehrfähig ist oder wenigstens zu sein scheint. Auch viele Juden mußten dem Appell folgen, denn, so berichtet der Special-Correfpondent des „Pester Lloyd" vom 23. d. M.. eS ist den hiesigen Juden gar nicht in den Sinn gekommen, sich freiwillig zu melden, daher auch das in fremden Journalen colportirte Gerücht unwahr ist, nach welchem die sich fteiwillig zum Kampfe anbietenden Juden von der serbischen Regierung zurückgewiesen worden seien. Einer dieser Leute sagte mir ganz offen und ehrlich, daß es ihm und vielen seiner Brüder gar nicht in den Sinn gekommen, sich freiwillig zu stellen; — sie haben einfach den Befehl bekommen, eiuzuröcken, und diesem Befehl wollten und konnten sie sich selbstverständlich nicht widersetzen. (Es wäre auch in der Thal sehr zu verwundern, wenn die Juden in Serbien auch nur die geringste Lust verspüren sollten, für diese Regierung und ihre habgierigen und herrschsüchtigen Pläne irgend ein Opfer zu bringen. So lange Serbien türkisch war, hatten sie keine ausnahmsweise Bedrückungen zu ertragen. Die Serben aber haben sie aus den Städten des ganzen Landes vertrieben und nur in Belgrad ein Quartier ihnen angewiesen, haben ihnen alle bürgerlichen Rechte vorenthalten und sie vor Mißhandlungen kaum geschützt. Alle Gesuche, Petitionen und selbst Vorstellungen der Großmächte blieben erfolglos. Würde Serbien wieder türkisch, so wären die Juden von allen diesen Bedrückungen frei. Wie kämen sie also dazu, sich für einen solchen Zustand freiwillig zum Kampfe zu stellen?! — Stehen doch selbst die Katholiken in den aufständischen Provinzen auf Seiten der Türken. — Bei dieser Gelegenheit zeigte sich einmal wieder, wie sehr die deutschen Zeitungsschreiber unter dem Firniß der modernen Bildung und des Liberalismus noch die ganze mittelalterliche Gesinnung gegen die Juden hegen. Mit einer wahren Beftievigung wiederholten sie die Phrase: „Die Serben sind schon so weit gekommen, die Juden und die Zigeuner auszuheben." Nun, selbst die Maffe der serbischen Juden kann sich mit dem bessern Theile des serbischen, montenegrinischen und bosnischen Volkes messen, und steht diesem in sittlicher Beziehung weit voran! R e d a c t.) Amerika. New-Aork, 7. Juli. «Privatmitth.) Daß die hundertjährige Feier der Unabhängigkeitserklärung, auch in den jüdischen Gotteshäusern durch Gottesdienst und Predigt begangen worden, setzt man wohl voraus, und ist eine genauere Schilderung überflüssig. Eine solche „Centennialprebigt" liegt uns in der heutigen Nummer der „Jewish Times“ gedruckt vor, und zieht so unsre Aufmerksamkeit auf sich. Der sie hielt, war vr. David Einhorn, und dieser charakterisirt sich denn auch vollständig in ihr- Wir leugnen nicht, daß sie einen eigenthümlichen Eindruck macht. Sie ist keine Festpredigt, vielmehr eine Trauerrede. Sie eignet sich nicht zu einer Peßachpredigt, sondern zu einer für Thischea- Beaf, wozu denn auch der Text Jesajas 1, 21—28 vollständig paßt. Nach einer kühlen Einleitung wirb kurz aus Washington,

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