Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1876)
- Date
- 1876-08-08
- Page
- Seite 515 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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515 2) Welche Mittel sind im Allgemeinen zur Erreichung dieser Ziele auzuwenden? Referent: Di*. Cohn (Oelsj. II. Berathung: 1 > Umfang des Lehrstoffes mit Bezug auf das Hebräische. 2) Soll neben der biblischen auch jüdische Geschichte gelehrt werden? Referent: vr. Rosenthal. III. Berathung: 1) Ausarbeitung eines normalen Lehrplans. 2) Zu empfehlende resp. auszuarbeitende Lehrbücher. Referent: Dr. Badt. entspricht vollkommen dem Zweck. Näheren Bericht erwarten wir. Redaction.) Rostock, im Juli. (Eingesandt.) Die Privatmittheilung aus Güstrow vom Juni d. I. laßt schließen, daß unter den hier wohnenden Israeliten ein mm mn herrscht, indem sie erst jetzt zu einer Verstänvigung und Gemeindebildung gebracht werden sollen. Beides aber ist längst geschehen. Bereits seit 1870 haben sie sich auf Grund der von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog genehmigten Statuten als Gemeinde constituirt und für deren Bedürfniffe gesorgt. Wenn Anfangs die Verständigung unter den Mitgliedern etwas schwierig zu finden war, weil Jeder die Gemeinde nach mitgebrachter Schablone einrichten wollte, so haben die wenigen Jahre des Zusammenlebens eine erfreuliche friedliche Wendung zur Folge gehabt. Oesterreich - Ungarn. Lemberg, 21. Juli. Gutem Vernehmen nach einigten sich die polnischen Notabeln dahin, die Wahl je Eines jüdischen Canvidaten in den Landtags-Stadtwahlbezirken: Lemberg, Krakau, Stry, Drohobycz, Brody, Kolomea, zu begünstigen, falls die Israeliten in den Landgemeinden für die polnischen Candivaturen eintreten würden. Die Nominirung dieser Candidaten bleibt dem Polencomits Vorbehalten. Lemberg, 22. Juli. Die Vorstände der Judengemeinden wurden mittelst Statthalterei-Erlaffes aufgefordert, die Reorganisation der jüdischen Cultusgemeinden und die Abfaffung der Gemeindestatute zu beschleunigen. Aus Galizien, im Juli. In der letzten Zeit ist an die verschiedenen israelitischen Gemeindevorstande in Galizien folgende Zuschrift ergangen: „An den israelitischen Gemeindevorstand in . . . Laut einer vom österreichischen General-Consulate in Warschau an das hohe Ministerium des Aeußern erstatteten Anzeige ist im Kaiserthum Rußland unterm 27. März 1871 eine Verordnung erlaffen, womit in Russisch-Polen den Israeliten beiderlei Geschlechts das Tragen der jüdischen Kleidung strenge verboten wurde. Unter Anverm ist in dem bezüglichen Ukas enthalten, daß das Bartlragen den Israeliten nur dann gestattet ist, wenn sie die russische Nationalttacht anlegen, dagegen beim Tragen der deutschen Tracht muß der Bart unter jeder Bedingung rasirt werden. *) Dieses Verbot hat die russische Regierung auch auf österreichische Unterthanen, die sich zeitweilig in Russisch-Polen aufhalten, ausgedehnt, und es sind schon Fälle vorgekommen, wo den österreichischen Israeliten auf offener Straße die Haarlocken, sogenannte „Pejes", und ihre langen Oberkleider abgestutzt wurden. Wiewohl diese Angelegenheit im diplomatischen Wege in Petersburg bereits verhandelt wird, so werben unterdeffen jene Israeliten, welche nach Russisch-Polen reisen, darauf aufmerksam gemacht, welchen Unannehmlichkeiten sie sich aussetzen, wenn sie jüdische Tracht gebrauchen. Wovon der israelitische Gemeindevorstand in Folge hohen Statthalterei- Präsivial-Erlaffes vom 3. Juli l. I., Zahl 3269 pr im Zwecke einer entsprechenden Warnung der allenfalls nach Polen reisenden hierbezirklichen israeliüschen Jnsaffen in Kenntniß gesetzt wird." Datum . . . K. k. Bezirkshauptmann . . . Unterschrift . . . Marokko. Paris, im Juli. Das neueste Bulletin der Alliance enthält einen traurigen Bericht über den schrecklichen Vorgang zu Alcazar, einer offenen Stadt, 14 Stunden von Tanger, der bereits in diesem Blatte erwähnt worden. Ein fanatischer Muselmann durchlief mit einem Dolche am 5. Juni das Judenquartier der Stadt und tödtete unv verwundete 11 Juden, theils in der Straße, theils in ihren Häusern, wo er sie überfiel. Zwei davon verstärken, die neun anderen sind theils schwer, theils leicht verwundet. Auf die Kunde dieser empörenden Greuelthat vereinigten sich die Consuln der europäischen Staaten und Amerika's zu Larache und forderten vom Pascha Garantien gegen jeden Angriff auf Leben und Eigenthum. Der Mörder und deffen Anstifter wurden arretirt, erhielten die Bastonnade und wurden in das Gefängniß geworfen. Man fordert jedoch eine exemplarische Bestrafung und eine genügende Entschädigung für die unglücklichen Familien, deren einzige Stütze getödtet oder verstümmelt worden sind. Persien. Bagdad. Das hiesige Counts berichtet an die Alliance über einen abermaligen Vorfall in dem berüchtigten Hamavan. Man fand im Judenquartier den Leichnam einer Frau und beschuldigte die Juden, sie getödtet zu haben. Die Untersuchung erwies, baß die Muselmänner selbst den Leichnam hineingeworfen 1) Es muß dies eine, mit Verschärfung versehene Erneuerung jenes bekannten Ukases des Kaisers Nikolaus fein. Man muß für die Warnung seitens der österreichischen Regierung an ihre Unterthanen dankbar lein. Doch ftägt es fich, ob man sich in Rußland etwa an die Cotelets der Engländer, seien diese Christen oder Juden, ebenso wagen würde? Redaktion. 32