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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-08-01 · Heft 31 (1.8.1876) · p. Seite 502

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 31 (1.8.1876)
Date
1876-08-01
Page
Seite 502 (sequence 12)
Language
German
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502 Wir erhielten dieser Tage aus Malchin in Mecklenburg das Maiheft res „Christlichen Monatsblattes für die lutherischen Gemeinden Mecklenburgs, herausgegeben von Pastor A. Rische. Malchin 187t»." Diese uns bis jetzt unbekannte Zeitschrift muß ihren Wirkung kreis haben, da sie bereits im 8ten Jahre besieht. Aber müßten wir Len Geist und den Standpunkt der „lutherischen Gemeinden" nach dem uns hier vorliegenden Hefte beurrheilen, so würden wir eine sehr geringe Meinung von demselben erhalten. Nach einer Pretiztskizze folgt eine Erzählung über das Verhalten des Pfalzgrafen Hans von Lautereck ruf dem Sterbebette. Es ist kein Wort darin, was nicht von jedem strenggläubigen Christen in solchem Momente vorausgesetzt werden müßte, und wenn daher von diesem Beispiele so viel Wesens gemacht wird, müßte man glauben, baß es gar selten fei. Hierauf eine andere fast kindische Erzählung von einem Pastor, der heiser geworden und nicht mehr sprechen kennte, rann aber so lauge innerlich betete, bis er die Stimme Gottes gehört, er solle wieder sprechen können, und stehe da, eines Tages wurde seine Sprache wieder verständlich. Dann wird das Recht der Stolgebühren besprochen, und zwar als „ein göttliches Recht", sich stützend auf den Ausspruch des Paulus an die Korinther, besonders aber auf die Vorschrift (5 Mos. 25, 4;: „Du sollst dem Achsen nicht das Maul verbinden, wenn er drischet"; auch auf den Antheil des Priesters am Opfer. Man beruft sich immer aus das Gesetz Mosis auch christlicherseits, wenn man sich daraus einen Bortheil verspricht; in allen anderen Fällen wird es — am meisten von Paulus — als aufgehoben angesehen. Ob nun Paulus mit seinen Worten gerade die Stolgebühren gemeint habe, oder gar Moses mit dem Ochsen, dem das Maul nicht verbunden werden soll, dies zu untersuchen, ist nicht unsre Sache. Jedenfalls wurde zu des Apostels Zeit das Lehramt bei den Juden von den Gemeinden nicht bezahlt „die Krone durfte nicht zum Spaten gemacht werden" (Pirke Aboth), und die größten jüdischen Autoritäten übten nebenbei ein Handwerk, von dem sie sich nährten. Den Schluß bildet eine Sammlung von Notizen „aus Welt und Kirche", in welchen gegen die evangelische Landeskirche, Simultanschulen, Judenschulen, zu Gunsten der „Kreuzzeitung" u. s. w. plaibirt wird. Unter „Judenschulen" versteht der Herr Pastor Rische Synagogen und sein Zorn geht dahin, daß die preußische Regierung die „Judenschulen" jetzt Kirchen, die „Judenlehrer" Geistliche nenne und sie „Hochehrwürden" anrede. So viel wir wiffen, thut dies die preußische Regierung nicht, wohl aber z. B. die württembergische. Der Herr Pastor sieht also in seinem Zorne Dinge, die gar nicht vorhanden. Die „Judenlehrer" hießen von jeher Rabbiner, und nennen sich heute noch so. „Lehrer" ist übrigens ein Ehrenname, was sieilich unsrem Pastor auch zu entgehen scheint. Was er übrigens noch über den Einfluß der Juden, namentlich in Berlin über Bamberger und Lasker sagt, ist doch nur hundertmal wiederholtes Zeug, das sämmtlich aus derselben Lügenguelle stammt. Schon diese Notiz vom Inhalte dieser lutherischen Zeitschrift wird unser obiges Urtheil gerechtfertigt haben. Noch mehr thut dies die Form, die Sprache, die jedes Aufschwunges, jeder Erhebung über die ganz gewöhnlichste Stufe alles Geistes entbehrt, und nur der theils salbadernden, theils grollenden Stimme aus einem Dorfwinkel gleicht. (Dom Pedro in der Synagoge.) Der Kaiser von Brasilien, Dom Pedro II., der jetzt bekanntlich in den Bereinigten Staaten reist, beehrte unlängst auch die Stadt San Francisco in Californien mit seiner Gegenwart. Hier besuchte er auch die Synagoge Emanuel, wo er eine Thorarolle zu sehen verlangte. Er las hierauf mit großer Geläufigkeit zwei Capitel vor und übersetzte sie auch ganz correct in's Englische. Kaiser Dom Pedro II. betreibt mit Borliebe das Studium der hebräischen Sprache und besitzt in seiner Privatbibliothek zu Rio de Janeiro eine ganze Sammlung von hebräischen Werken. (Zur Zeit, als der Kaiser von Brasilien in Berlin verweilte, halten wir Aehnliches von ihm zu berichten). Man schreibt uns aus Frankfurt am Main: Nichts ist banaler und wird von unsren Gegnern häufiger wiederholt, als die Phrase, die Juden besäßen keinen Muth und fürchteten sich namentlich vor dem Wasier, weil es keine Balken habe. Nur aus diesem Gesichtspunkte gestatten Sie mir wohl folgende Notiz aus dem gestrigen hiesigen Jntelligenzblatte wiederzugeben: „Die Frankfurter Turngesellschaft veranstaltete wie alljährlich am letzten Sonntag ein Wettschwimmen unter ihren Mitgliedern. Der Wettkampf war äußerst intereffant und wurde Vorzügliches geleistet. Den ersten Preis errang Herr Siegmund Weiler, den zweiten Herr Ernst Adler und den dritten Preis Herr Heinrich Levy." Die sämmtlichen drei Herren sind Juden. Am 15. d. M. ist der begabte Historienmaler Joseph Frankl, Neffe des Dichters, 38 Jahre alt, verstorben. — Desgleichen verstarb der berühmte Schachspieler Löwenthal. In seiner jüngsten Rede erklärte der Cultusminister von Lutz: Bayern sei ein katholischer Staat. Dies hat man bis jetzt nicht gewußt; man glaubte, Bayern sei, da es confessionell eine gemischte Bevölkerung besitzt, ein paritätischer Staat, in welchem die Katholiken nur die Mehrzahl bilden. Wenn wir nicht irren, besagt dies auch die bayrische Berfaffung und das deutsche Bundesgesetz. Der Minister muß es aber doch beffer wiffen.

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