Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-08-01 · Heft 31 (1.8.1876) · p. Seite 499

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 31 (1.8.1876)
Date
1876-08-01
Page
Seite 499 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227069-3227101--34646-3304538
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

499 möge überall gefolgt werden, ganz besonders hier in Frankreich, und es würden nicht Tausende jüdischer Kinder ohne allen Religionsunterricht aufwachsen. — —. Das Waddington'sche Gesetz, welches dem Staate das alleinige Recht, die Grade zu erlheilen, zurückgeben sollte, ist im Senate durch eine Mehrheit von fünf Stimmen gefallen. Die Siegesfreude der Republikaner, die Herrschaft der Ultramontanen in Frankreich gebrochen zu haben, ist hiermit enttäuscht. Die Macht des Klerus ist noch groß genug, um Widerstand zu leisten und die günstigen Positionen auszubeuten, welche ihm die Nationalversammlung eingeräumt hat. Pariö, 15. Juni. (Nach den Arch. isr.) Das Consisto- ' riuur von Paris hat einen Preis von lOVO Frcs. für den Verfasser des besten. Lesebuches zum Gebrauch der israelitischen Jugend ausgesetzt. Das Programm wird nächstens veröffentlicht. Die Einsendung der Manuscripte muß bis zum 31. December 1877 geschehen. — Die freiwillige Gemeindecafse veröffentlicht die Liste der Beitragenden und der Geschenkgeber, deren Zahl 800 übersteigt. Das Capital der Casie beläuft sich jetzt auf 360,000 Frcs. und die Jahresbeiträge auf 52,119 Frcs. Ueber die Verwendung dieser Mittel erwartet man gleichfalls eine Veröffentlichung. — In Algerien wurde vor 3 Jahren ein neues Dorf angelegt, und hat dies officiell den Namen des im Kriege 1870/71 gefallenen Commandeurs Franchetti (israelitischer Religion) erhalten. Jüngst wurde das Dorf von der Wittwe des tapfern Officiers in Begleitung des Generalgouverneurs von Algerien besucht, und erhielt von ihr reichliche Geschenke für die Schulen und Wohlthätigkeitsanstalten. Serbien. Belgrad, 16. Juli. Es hätte uns Wunder nehmen müssen, wenn in dem erbitterten Kampfe zwischen den Racen und Religionen in der europäischen Türkei nicht auch die dortigen Juden wider ihren Willen hereingezogen werden sollten. Ist es doch ein von den niederträchtige» Parteiführern, wenn sie den Unwillen und Zorn des Volkes zu fürchten haben, stets bereit gehaltenes Mittel, die aufgeregte Masse gegen die Juden zu Hetzen, um so die Bolksleidenschaft von sich abzuwälzen. Die Juden sollen als Blitzableiter bei dem drohenden Gewitter dienen, das diese Volksverrächer über ihre Häupter heraufbeschworen haben. Das Volk wird betrogen; aber die Factoren seiner Betrugsfähigkeit sind seine Vorurtheile und Leidenschaften selbst. In Belgrad wird allmälig das Volk wüthend gegen Diejenigen, welche es in den Krieg gegen die Türkei gestürzt haben. Da heißt es nun in einer Correspondenz der „N. fr. Pr.": „Die Regierungsmänner sind sich dessen wohl bewußt und versuchen den Streich von sich auf Andere zu lenken. Sie wissen recht gut, daß in kurzer Frist außer ihrer eigenen Person Niemand unpopulärer sein wird, als die Juden. Diese sollen dem Zorn der Nation geopfert werten. Wie ich von einem sichern Gewährsmann erfahre, soll die „Politik" schon in den nächsten Tagen zufolge Einflusses der Regierung aus Serajewo die Nachricht bringen, daß die bosnischen Juden mit ihrem Gelve ganze Compagnien der türkischen Armee angeworben und ausgerüstet haben. Ja, man wird sogar die Namen derjenigen nennen, welche die türkische Regierung durch Geldbeiträge unterstützten. Es liegt auf der Hand, welche Zwecke man hierbei verfolgt. Einerseits liefert man die namentlich Bezeichneten an das Meffer fanatischer Schwärmer, an Lenen in Bosnien kein Mangel ist, andererseits weckt man durch diese Denunciation den Haß der Serben gegen die Juden und sättigt die Rachsucht der Nation, welche sonst wohl ihre Wuth an Len Urhebern ihres Verderbens auslafsen könnte." Rußland. Warschau, 20. Juli. In Russisch-Polen ist bekanntlich seit dem 14. d. M. der Gebrauch der polnischen Sprache aus Justiz und Verwaltung eliminirt. Dazu kommt, daß mehrere tausend polnische Beamte durch diese Maßregel brotlos wurden, denn es sind nur Wenige mir einer Pension bedacht worden. Unter den aus dem Staatsdienste entlasienen polnischen Juristen befinden sich viele höhere Beamte und eine beträchtliche Anzahl Advocaten. woselbst zu bemerken ist, daß alle jüdischen Advocaten von der Liste gestrichen wunden. — So die „Schles. Z." Es ist dies keine angenehme Illustration zu der jüngsten Correspondenz in Nr. 29 d. Bl., nach welcher sich viele jüdische Jünglinge der Jurisprudenz widmen. Es ist das Traurigste, wenn eine Menschenrasse beständig den Schwankungen ihrer Stellung und Verhältnisse durch die stets wechselnden Verordnungen von oben ausgesetzt ist, und der Wind bald von rechts, bald von links wehr! Amerika. Washington, im Juni. Bei der neulichen Einweihung einer neuen Synagoge war auch der Präsident der Vereinigten Staaten, General Grant, in Begleitung seines Sohnes anwesend. Es war dies das erste Mal, daß der höchste Beamte rer Union einem solchen Acte beiwohnte. 31

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.