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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-08-01 · Heft 31 (1.8.1876) · p. Seite 498

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 31 (1.8.1876)
Date
1876-08-01
Page
Seite 498 (sequence 8)
Language
German
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498 gewesen wäre. Aber auch so wird diese Broschüre den unwürdigen Charakter des Rohling'schen Machwerks Jedem in's Helle Licht setzen, und außerhalb des ultramontanen Lagers der Schrift des davongelaufenen Professors den letzten Funken von Glaubwürdigkeit verlöschen. Wem hieran gelegen ist, der suche die Broschüre des Dr. Bloch in seinem Kreise möglichst zu verbreiten. Wrouke «Posen), im Juli. <Privatmitlh.» Wenn wir das Gebühren, Hetzen und Denunciren der Orthodoxen unserer Zeit betrachten, so können wir nicht umhin, die Behauptung auszusprechen, daß bei ihnen die gesetzliche äußere Thal allein, ohne Rücksicht auf die Lauterkeit der inneru Gesinnung, Werth hat. Während früher kein echter und wahrer Israelit sich unterfangen hatte, ein mosaisches oder rabbinisches Gesetz zu übertreten und bei ihm als das Höchste galt „die Heiligung des göttlichen Namens" Kidusch ha-schem, und nichts sündhafter befunden wurde als die „Entweihung des göttlichen Namens" Chillul ha-schem, — gilt jetzt als die Parole derer, die sich orthodox nennen: Chicaniren, Denunciren und Separirenk Wir geben nachstehend einen Artikel der Posener Zeitung, aus dem rer Leser dieses Blattes ersehen kann, daß jene kein Mittel scheuen, ihre Nichtgesinnungsgenosien auf's Aeußerste zu verfolgen: Am 5. d. wurde in Schneidemühl beim Schwurgericht bei geschloffenen Thüren die Anklagesache wider den jüdischen Lehrer Hohenstein aus Czarnikau, wegen Unzucht und Vornahme unzüchtiger Handlungen an Schulkindern verhandelt. Der Angeklagtee vertheidigte sich selbst und wurde auf das glänzende Zeugniß des Landraths und Schulinspectors hin mit allen gegen eine Stimme von den Geschworenen freigesprochen. Wie ich in Erfahrung gebracht, war dreser Lehrer den dortigen orthodoxen Israeliten seiner freisinnigen Ansichten wegen ein Dorn im Auge, und hat man den Mann, um ihn los zu werden, durch wiederholte Denunciationen aus die Anklagebank gebracht. Wie ich höre, haben nach erfolgter Freisprechung sämmtliche Geschworene ihre Börsen gezogen und für den so schwer gekränkten Mann Reisegeld zusammengesteuert. N. Oesterreich - Ungarn. Lemberg, 17. Juli. In mehreren Ortschaften Ostgaliziens beschloffen die Israeliten ungeachtet des scheinbar freundlichen Entgegenkommens der Polenpartei, bei den bevorstehenden L a n dtagsneuwahlen in Uebereinstimmung mit den Ruthenen vorzugehen. In Drohobycz und Stry werden sie die Candrvaturen der Ruthenen unterstützen. Frankreich. Paris, im Juli. «Privatmitth.) Mit Recht setzt die Redaction dieser Zeitung voraus, Daß die Mittheilungen und Berichte über die von Seiten unsrer Glaubensgenosien in Preußen in's Werk gesetzten Anstrengungen, um dem jüdischen Religionsunterricht in den öffentlichen Lehranstalten aller Stufen den ihm zukommenden Platz zu erringen, auch im Auslande höchlich interessiren. Es scheint sich uns auch hierin die Wahrnehmung zu bestätigen, daß was dem Menschen in den Schooß fällt, vernachlässigt, was er mit Mühe erwerben muß, hochgehälten und gepflegt wird. Denn in Frankreich kann man leicht beobachten, daß dieselbe Angelegenheit völlig vernachlässigt wird. In den meisten jüdischen Gemeinden besteht eine jüdische Volksschule. Auch hat man wohl hier und da einen „Religionscursus" hergestellt; aber dem jüdischen Religionsunterricht für die jüdischen Zöglinge aller der Unterrichtsanstalten, welche über den Primärunterricht hinausgehen, Platz zu schaffen und ihn daselbst einzusuhren, ist nichts geschehen. Wir haben Consistorien, mit Großrabbinen an der Spitze, durch das ganze Land. Aber wir haben keine Kunde, ob sie sich jemals bemüht haben, sei es durch Gesetz, sei es durch Verständigung mit den Schulvorständen der Lyceen, Collegen u. s. w. den jüdischen Religionsunterricht zu regeln. Auch jüdische Zeitschriften haben wir, aber sie widmen diesem wichtigsten Gegenstände nur eine geringe Aufmerksamkeit, die sich mit der, welche die jüdische Preffe in Deutschland, namentlich die Allg. Zig. d. Judenth. feit ihrem Ursprünge auf den jüdischen Religionsunterricht verwendet, gar nicht vergleichen läßt. Und doch würde in Frankreich sich hierfür sehr leicht Vieles erreichen lassen. Die Folge ist, daß die Jugend der gebildeten Stände unter den Juden hier zn Lande auch nicht die geringste Kenntniß res Jndenthums besitzt. Wir kennen selbst hochachtbare Wortführer des Judenthums, welche außer dem Schema Israel und der oberflächlichen Kenntniß der biblischen Geschichte von unsrer Religion gar nichts wissen und selbst die einfachsten Satzungen des Judenthums nicht kennen. Der Einwanv, den man gewöhnlich zu hören bekommt, baß die Eltern den jüdischen Religionsunterricht nicht wollen, und deshalb jede Bemühung umsonst wäre, ist nichts als eine Beschönigung der Indolenz. Wo ein solches Bedürsniß nicht vorhanden, muß man es durch Entgegenkommen wecken. Erst muß von der berufenen Stelle die Gelegenheit, es zu befriedigen, geschaffen werden, um das Bedürsniß auch groß zu ziehen. Zunächst werden dann die Eltern einwilligen, und bald sich dafür auch warm interessiren. Es liegt dem Elternherzen zu nahe, ihren Kindern auch eine Kenntniß ihrer Religion geben und in ihre Herzen verpflanzen zu sehen, als daß man berechtigt wäre, dies von vornherein zu bezweifeln. Wir hatten jüngst hier Gelegenheit, einen gebildeten Israeliten aus Pest zu sprechen, und dieser theilte uns mit, wie die Prediger der dortigen Gemeinde sich spontan mit den Vorständen der höheren Lehranstalten, auch der Töchterschulen verständigt hätten und in diesen unentgeltlich den jüdischen Religionsunterricht ertheilen. Dies ist rühmlicher Eifer, und fürwahr! die jüdischen Geistlichen arbeiten hiermit auch für sich selbst, für ihre Achtung und Werthschätzung. Denn der Weg zum Herzen der Eltern geht durch die Herzen der Kinder! Solchem Beispiele

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