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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-08-01 · Heft 31 (1.8.1876) · p. Seite 496

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 31 (1.8.1876)
Date
1876-08-01
Page
Seite 496 (sequence 6)
Language
German
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496 sog. portugiesisch-holländische —, so ist der Procentsatz der Armuth gewiß ein ganz un verhällnißmäßiger, ungeheuerlicher. Wenn im übrigen Holland die jüdischen Armuthsproportionen zwar nicht erheblich günstiger liegen; so sind sie Loch weniger auffällig und verhängnißschwer, als bei der compakten Maffe der jüdischen Bevölkerung von Amsterdam, da das ganze übrige Holland kaum die gleich hohe Zahl der Juden erreicht, wie diese Stadt allein. Woher rührt die erschreckliche, fortdauernde Armuth? Sind die Amsterdamer Juden arbeitsscheu, müssiggängerisch? Oder sind die dortigen besiersituirten Juden weniger mildthätig gegen die Stammesangehörigen? Aus der Zeit meiner Amsterdamer Wirksamkeit in der Eigenschaft eines Rabbiners an der Reformgemeinde '»N.rnB" — bin ich im Stande, auf Grund eigner Anschauung und Beobachtung zu urtheilen und zu rathen. Die Juden verrichten in Amsterdam die schwersten und gemeinsten Arbeiten, sie sind Lastträger, Stiefelputzer, Diamantenschleiser, Karrenschieber, Eckensteher. Anderseits strengen die Begüterten ihre Kräfte wohl an, die Roth der Glaubensgenosien zu lindern. Worin.also wäre die hauptsächliche Ursache des Uebels zu suchen? Darin, daß unter den Juden in Amsterdam zwar die Arbeit, aber nicht das Handwerk heimisch ist. Darin ferner, daß rer Wohlthätigkeit, die dort gemeindlich und privatlich geübt wird, die Organisation, die Methode fehlt. Die Unterstützungen geschehen nicht, um sie entbehrlich zu machen; indem die Hülfe nicht von der Beschaffenheit ist, daß sie die Möglichkeit der Selbst- Hülse erzeugen kann. So bleibt der Bedürftige bedürftig, und während man der augenblicklichen Bedrängniß beispringt, wird der Bedrängte, anstatt auf eigene Füße gestellt, zum Bettler verwöhnt. Um dem, von Geschlecht zu Geschlecht sich sortschleppevden Pauperismus unter den Juden von Amsterdam gründlich zu steuern, will mir das heilsamste Mittel erscheinen, daß die Wohlthätigkeit organisatorisch und methodisch die Richtung dahin einschlage, der Äugend der Armen' die Erlernung und die Betreibung der verschiedenen Handwerke und technischen Gewerbe zu ermöglichen und sie dazu anzuhallen. Freilich steht ein Hinderniß im Wege, desienthalben das Handwerk den dortigen Juden immer ein so völlig fremdes Gebiet geblieben ist. Sollte der erste Anfang gemacht werden; so müßten ja die jüdischen Lehrlinge, in Ermangelung jüdischer Meister, bei christlichen in die Lehre gehen. Nun 'halten aber in Holland sowohl der Christ an seinem Sonntag, als der Jure an seinem Sabbath Ruhe, und weigern sich daher die christlichen Meister, jüdische Lehrlinge anzunehmen, die zwei Tage in der Woche würden feiern müssen. Dieser Schwierigkeit aber wäre auf folgende Weise zu begegnen. Die Amsterdamer Wohlthäter der Armuth sollten vom Auslande jüdische Handwerks- und technische Meister dorthin berufen, denen sie, gegen Garantie der Existenz auf eine Reihe von Jahren, sei es durch directe Subventionen, sei es durch Zusicherung von Kunden, die Verpflichtung auferlegten, jüdische Lehrlinge in den Gewerken auszubilden. Die Berufungen der Meister würden am vortheilhaftesten schon deshalb aus Deutschland geschehen, als in Holland die jüdischen unteren Elasten einen deutschen Jargon prechen, vermöge besten Lehrling und Meister sich einander leichter würden verständlich machen können. Die Verpflanzung des Handwerks auf diesem Wege müßte sür die Verminderung der Armuth die gedeihlichsten Erfolge im Geleite haben und zwar ohne daß nöthig wäre, den dort einmal vorherrschenden orthodoxen Gefühlen irgend was Ungenehmes zuzumuthen. Indem den Armen daS Handwerk gegeben würde, vollzöge sich eine Thal der Cultivirung zugleich und im höhern Sinne eine Wohlthat, die das Elend erhebt in den Stand der Selbsthülfe, weil sie es erwerbsfähig macht. Wer weiß, ob nicht schon gegenwärtig die Armuthsbezifferung in der Amsterdamer Judenschast um Vieles geringer gewesen wäre, hätte man sich vor nunmehr anderthalb Jahrzehnten dazu verstehen mögen, meinen, bereits damals geäußerten Vorschlag in die Hand zu nehmen, da es mich heute drängt, chn dem Edelmuth der dortigen Wohlthäter wiederholt zu Herzen zu führen. Rabbiner vr. Chronik. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 21. Juni. Dichtungen, meist aus dem Nachlaffe des Juzendlehrers und Kanzelredners I. Wolf. Gesammelt von seiner Wittwe. Berlin, 187 6. Adolph Cohn. Wir haben hier vor Allem ein Denkmal der Pietät vor uns, und es erregt stets ein lebhaftes Jntereste, wenn eine Wittwe, Jahre nach dem Abscheiden ihres Mannes, demselben noch ein Monument in der literarischen Welt aufzurichten trachtet. Wir vermisten in der vorliegenden Schrift aus diesem Grunde eine Lebensskizze des Verewigten. Joseph Wolf war der Sohn jenes bekannten ersten deutschen Predigers unter den Juden in Deffau, nahm 1815 am Freiheitskriege Theil, war nach dem Tode seines Vaters Prediger in Deffau, dann viele Jahre in Sondershausen, später in Berlin Vorsteher einer Waisenanstalt. Er besaß nicht geringe Begabung, der er jedoch eine gründliche wiffenschaftliche Bildung auf Gymnasium und Universität zur Unterlage zu verschaffen keine Gelegenheit gehabt hatte. Das Wörtchen „meiste auf dem Titel, dürfen wir nicht allzu genau nehmen, denn dieser Band Dichtungen enthält, wie man aus Ueberschrift und Inhalt folgern muß, auch viele Gedichte der Herausgeberin, sowie einige nahestehender Freunde. Man darf nun an diese lyrischen Producte

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