Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1876)
- Date
- 1876-07-25
- Page
- Seite 480 (sequence 6)
- Language
- German
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480 mungen eine Begünstigung des Austritts liege. Dies möchte nun wohl gerade in ver Intention mehrerer Urheber und Träger des Austrittsgesetzes liegen, ob es aber dem staatlichen Zwecke entspricht, auf allen Gebieten Ordnung zu schaffen und zu erhalten, Zerwürfniß und Verfall zu verhindern, ist eine andere Frage und so sieht man in dieser negativen Seite jenes Gesetzes ein tendenziöses Motiv mehr, das jüdische Gemeindewesen zu zersplittern. — Die „Kreuzzeitung'' und die „Norddeutsche A. Z." haben einen Wahlaufruf zur Bildung einer neuen konservativen Partei veröffentlicht. Derselbe läßt erkennen, daß diese neue Partei die orthodoxe evangelische Kirche, besonders das Lutherthum zur Herrschaft im preußischen Staate bringen, und nur der katholischen Kirche einige Concessionen machen will. Es würde dies kaum beachtet worben sein, wenn nicht auch die „Norddeutsche A. Z." diesem Wahlaufrufe ihre Zustimmung gegeben, da diesem Blatte noch immer eine Verbindung mir der Staalsregierung zugetraut wird, so daß sie wenigstens einem Theile der Regierungskreise nahestehl. Würden die Wähler sich in größerer Zahl von dieser Coterie ködern lasten, so könnte bei deren Vereinigung mit der Centrumsparrei in vielen Materien die bisherige Richtung der Gesetzgebung sehr gefährdet und ein Unterrichtsgesetz unmöglich werden. Doch hegt man diese Befürchtung nicht allgemein. — Simmeru, 13. Juli. (Privatmitth.) Zur Ergänzung des Berichtes in 9fr. 28 Ihrer gesch. Zeitung, die jüdische Schule betreffend, theile Ihnen mit, daß schon vor 2 Jahren die jüdische Elementarschule in Gemünden, Reg.-Be;. Coblenz, als solche ausgelöst und die belr. Kinder der evangel. Schule zngeschickt wurden; zwar hier mit Bewilligung der Gemeinde, nicht also in der Nachbargemeinre Kirchberg, wo ver Vorstand sowohl, als auch der Lehrer, wiederholt um Belastung der Elementarschule bis zu den höchsten Behörden petitionirren und der Localschulinspector, evangel. Geistlicher daselbst, in höchst sreimüthiger und offener Weise, die besten Zeugniste der Schule ausstellend, sich für die Erhaltung derselben verwandle; Nichts fruchtete — im Mai d. I. wurden die jüdischen Schüler aus wiederholten Befehl der königlichen Regierung den evangel. Schulen zugeführt. Bielefeld, im Juli. (Privatmitth.) Mit dem 1. April d. I. ist die bis dahin hier bestandene jüdische Elementarschule aufgelöst und in eine Religionsschule umgewandelt worben. Zur Unterhaltung derselben zahlt die Sladtgemeinde an die Synagogengemeinbe einen jährlichen Zuschuß von 600 Mark und hat außerdem ein städtisches Schullocal zur Ertheilung des jüdischen Religionsunterrichts angewiesen. Die Schülerinnen der höheren städtischen Töchterschule erhalten gesondert den Religionsunterricht in der Anstalt selbst, gegen eine Privatentschädigung des Lehrers seitens der Jnterestenren. Nachschrift. Soeben kommt mir Ihr Artikel: „Die jüdische Schule" in Nr. 28 der „Zlg. r. I." zu Gesichte, und ich nehme daher Beranlaffung zu der Erklärung, daß die gedachte Austösung unserer Elementarschule nicht etwa auf Anordnung, oder auch nur Beranlaffung der Königl. Regierung erfolgte, ondern daß die Synagogengemeinbe selbst in Uebereinstimmung mit dem Lehrer, mit der Commune und der Regierung den Fortbestand der Schule in Anbetracht der örtlichen Verhältnisse nicht mehr für wünschenswerth erachten konnte. — u. Schweidnitz, 7. Juli. (Eingesandt.) In Nr. 26 Ihrer geschätzten Zeitung werden unter Privatmittheilung verschiedene Verhältnisse der hiesigen Gemeinde besprochen und unter Anderem meine angeblichen Verdienste um die im Bau begriffene Synagoge hierselbst heworgehoben. So dankbar ich dem mir unbekannten Correspondenten für die mir gegenüber kundgegebene wohlwollende Gesinnung auch bin, so glaube ich doch im Interesse der Wahrheit die Erklärung abgeben zu müsten, daß das Zustandekommen des Synagogenbaues, welches mitRücksicht auf das seitzwei Jahren drohende Gesetz des Austritts aus der Gemeinde unter den schwierigsten Verhältnissen ermöglicht wurde, vornehmlich den Bemühungen des Repräsentantencollegiums Hierselbst und der rastlosen Thaligkeit meines Amtsgenoffen, Herrn Siegismund Cohn, zu verdanken ist. Mühsam, Gemeindevorsteher. Heilbrouu, im Juli. (Privatmillh.) Wie verbreitet die Absicht ist, die Juden in der Anschauung des Volkes herabzufetzen, erweist sich besonders dadurch, daß, wenn irgend ein Judenhaster einige Schmähungen, sei es auch in einem dicken, dem allgemeinen Publikum unzugänglichen Buche, losgelasten, eine Anzahl von Tagesblättern sich ein Geschäft daraus machen, jene zu verbreiten und den confessionellen Frieden dadurch zu unterwühlen. Auf Entgegnungen und Widerlegungen wird nicht geachtet und das Zeug immer wieder abgedruckt. So bringt ein hiesiges Blatt, und zwar aus oem Frankfurter „Merkur", die anrüchigen Jnvectiven des Pfeudophilosophen und socialistisch gefärbten Nattonalöconomen Dühring in seinem Cursus ver Philosophie zum Abdruck. Die kräftige Widerlegung, die Sie jenem Skribenten im vorigen Jahrgange dieser Zeitung in 9fr. 27 und 28 haben angedeihen lasten, wird selbstverständlich nicht berücksichtigt. Daraus wird ja eben die Tendenz jener Tagesblätter ersichtlich. — Die hiesige Gemeinde wird in ihrer neuen Synagoge einen verbefferten Gottesdienst einführen, und ist die desfallsige Gvttesdienstordnung bereits im Druck erschienen. Zur Einführung kommt das Gebetbuch der israelitischen Kirchengemeinde in Stuttgart in seiner ganzen Ausdehnung. Hiermit ist die Vorlesung nur des ersten Theiles der Sivra am Sabbath Vormittag, also nicht der dreijährige Cyclus, verbunden, so viel sich auch gegen die erstere Einrichtung sagen läßt. Eigenrhümlich