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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-07-18 · Heft 29 (18.7.1876) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 29 (18.7.1876)
Date
1876-07-18
Page
Seite 2 (sequence 18)
Language
German
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2 Entblödeten sie sich doch nicht, auch den von P. nach Art und Weise des Benai-Berith-Ordens in's Leben gerufenen Zion- Bund zu verdächtigen und denselben als ein willenloses Instrument in der nach Gold ausgestreckten Hand P.'s darzustellen!!! Und welches Dementi sie sich selbst gegeben haben, werden Sie aus dem zunächst erscheinenden Generalbericht des „Zion" ersehen; denn nicht, wie der Anonymus behauptet, war es die s. g. Peixottistische Partei, welche die bittende Hand ihren Gegnern entgegenhielt, sondern im Gegentheile jene vereinzelt und zumeist indifferent Gebliebenen waren es, die sich vor der Macht der Thatfachen beugen mußten und um ihre Aufnahme in den von ihnen so viel geschmähten Zionsbund nachsuchten, was ihnen auch ihre Gegner willig gewährten, um sie von der Grundlosigkeit ihrer Behauptungen zu überzeugen. Kehren wir nun zur Erwiderung auf die Angriffe unseres Anonymus zurück. Ich will mich weder mit der Kollekte noch mit der Auswanderungsfrage beschäftigen; denn erstere anlangend, so ist es noch sehr diskutirbar, ob sie in der That im Namen der hiesigen Juden veranstaltet wurde; jedenfalls wird dies von Dr. L. Stern geleugnet, deffen Aussage doch mehr gilt, als die eines feigen Anonymus. Betreffs der Emigrationsfrage habe ich, wie schon erwähnt, dieselbe bekämpft, ohne es deshalb für nothig gefunden zu haben, „um Schutz" gegen P. nachzusuchen; jedenfalls muß hervorgehoben werden, daß die Angabe, als hätte P. Frcs. 15,000,000 verlangt, unwahr ist. Anders verhält es sich mit der Beschuldigung betreffs der Uebergabe einer Petition, welcher man — ich weiß nicht zu welchem Zwecke — den Namen Monstrepetition beilegt. Diese Beschuldigung nun, die an und für sich gar keinen Anklagepunkt bilden kann, ist eine lügenhafte Verdrehung der Thatfachen. Nicht von P. ist die Uebergabe einer Petition beantragt worden, sondern die Brüsseler Konferenz hat auf meinen Antrag hin diese Maßregel, welche sie als nothwendigen Schritt erachtete, zu ihrem Beschluß erhoben. Wohl wurde dieser Beschluß von der Journalistik scharf kritisirt, weil ihr dessen Gründe nicht bekannt waren. Meine damals im Schoße der Versammlung vorgelegten .Motive sind von der Konferenz gebilligt worden; denn mein Verlangen ging dahin, daß wir, die einheimischen Juden Rumäniens, welche den Restriktiv-Gesetzen ihrem Wortlaute nach nicht unterfallen sollen, weil dieselben nur nichtchristliche Fremde ausschließen, bei den Kammern die gesetzliche Regelung unserer Situation fordern sollen, und zwar gestützt lichcn Stre-cns die Resignation auf meinen Ehrenposten als Präsidenten der Israel. Allianz in Aussicht stellte. Es ist leider nicht ungewöhnlich, daß die reinsten und hochherzigsten Bestrebungen mit Undank von den Zeitgenossen vergolten werden; damit möge Hr. Peixottto, desten Großstnnigkeit und Ausdauer meine Bewunderung und Verehrung in Anspruch nehmen, sich zufrieden geben. Gezeichnet: Joseph Ritter von Wertheimer. auf den Pariser Vertrag, der doch die Grundlage der staatlichen Existenz Rumäniens bildet und in welchem laut Art. 46 auch uns, den einheimischen Juden, Civilrechte zugesichert werden. Der Beschluß lautete daher, daß wir in unserer Petition uns nur auf die uns rechtlich verbrieften, aber demungeachtet vorenthaltenen Civilrechte beschränken sollen; denn es galt im Ganzen, für die dann folgende diplomatische Aktion eine positiv rechtliche Basis zu schaffen, da man zur Ueberzeugung gelangte, daß jede vom Standpunkte der Humanität geleitete Aktion hier zu Lande wirkungslos bleiben muß. Man mag den Brüsseler Konferenzbeschluß heute als zu sanguinisch bezeichnen; in der damaligen Gestaltung der politischen Lage Europas und der Theilnahme, welcher sich unsere so gerechte Sache erstellte, hat er seine volle Berechtigung. Dieses vorausgeschickl, waren wir nun nicht verpflichtet, ren Beschluß zur Ausführung. zu bringen? Im Einvernehmen mit mehreren der angesehensten Notablen in Jassy und Bvttuschau haben wir uns auch über die Abfassung der Petirion geeinigt. Nach Anfertigung derselben wurde sie auch, der uns iu den Weg gelegten Hindernisse zum Trotz, von Hunderten unterzeichnet. Ist sie deshalb eine Monstrepetition? Mußte sie nicht von den Notablen aller jüdischen Gemeinden unterzeichnet werden, um in Wahrheit als der Ausdruck sämmllicher rumänischen Juden gelten zu können? Es ist demnach überhaupt uugerechr. Jemanden daraus einen Vorwurf zu machen, aber noch ungerechter trifft dieser Vorwurf P., der in dieser Frage keinen allzu akliven Antheil nahm. Wenn Jemand in die Affaire der Petition thärig emgriff, so war ich es und mit mir viele Hunderte, denen die von den Gesinnungsgenossen des Anonymus ausgestellte, jede Aktion perhorrescirende Maxime: „daß die hiesigen Juden, ohne ein Lebenszeichen von sich zu geben, Alles über sich ergehen lassen müssen, so daß die ihnen feindlich gesinnten Rumänen ihre Existenz vergessen sollen und daß erst dann die wrllachische Großmuth ihnen gerecht werden wird", nicht eiuleuchren wollte. Wenn aber der Vorwurf betreffs der Peririonsübergabe nur als ungerecht und unbillig zu bezeichnen ist, so ist die fernere Behauptung des Anonymus, daß P. zu Zwistigkeit und Spaltung im Schoße der hiesigen Gemeinde Anlaß gab, in Folge welcher Schule und Hospital geschloffen wurden, eine boshafte und niederttächtige Verlaumdung. Ich will bei diesem Punkte nicht lange verharren, da das Bulletin des Bundes Zion offiziell das Lächerliche dieser Beschuldigung zu Tage legen wird. Hat doch P. nie an den inneren Vorfällen der Gemeinde Theil genommen, außer etwa daß er hie und da ihr Unterstützung gewährte, wie auch der Gemeinde zu Bvttuschau, welcher er zum Erhalt ihrer Schule namhafte Beiträge spendete. Und wenn Jemand sich um die Erhaltung der jüdischen Gemeinden verdient gemacht hat, so ist es P., der durch den von ihm konstituirten Zionsbund in der That Großes geleistet hat.

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