Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-07-18 · Heft 29 (18.7.1876) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 29 (18.7.1876)
Date
1876-07-18
Page
Seite 3 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227069-3227099--34618-3304508
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

3 Ein volles Dezennium ist nun verstrichen, seitdem die Regierung jenen unglücklichen Ukas erließ, demzufolge der Gemeindezwang aufgehoben wurde. Wenn Sie in Deutschland das Lasker'sche Gemeindegesetz fürchten, um so mehr hier. Die traurigen Folgen ließen nicht lange auf sich warten. Selbst die größten Gemeinden des Vaterlandes, Jafsy und Bottuschau (erstere zählt 40,000 Juden und besaß ein jährliches Budget von Frcs. 250,000\ lösten sich völlig auf. Im ganzen Lande existrrte bald weder Spital noch Gemeindeschule, außer in Bottuschau, wo die Erhaltung der Schule nur der Munificenz der Wiener All. isr. und P. zu verdanken war. Auch unsere Gemeinde wurde vom Verfalle bedroht. Die Fleischsteuer, welche die einzige und alleinige Quelle ihrer Existenz bildete, wollten die Fleifchhacker nicht mehr zuführen, ohne daß wir irgend eine Macht hatten, sie dazu zu zwingen. Alle bei der Regierung gethanen Schritte sind erfolglos geblieben. In diesen auf die Gemeinde anstürmenden Gefahren entstand Zion, dem es hie und da gelang, dem drohenden, unrettbaren Verfall Einhalt zu gebieten. Seiner stramm gehaltenen Disziplin gelang es, den Gemeinsinn zu kräftigen, um den äußerlichen Zwang entbehrlich zu machen. Welche Erfolge erzielt wurden, werden Sie aus dem Generalbericht ersehen. Es ist also mehr lächerlich als boshaft, P. den Verfall der Gemeinden in die Schuhe zu schieben, während er indirekt nicht nur zum Erhalt der noch bestehenden, sondern auch zur Wiedererrichtung der schon zerfallenen Gemeinden beitrug. Eine ebenso dummdreiste Lüge ist es, die Wiedereröffnung der hiesigen Gemeindeschule den Gegnern Peixotto's als Verdienst anzurechnen, da doch Zion allein ohne jede andere Unterstützung die Schule wieder eröffnet hat. Und wenn Zion heute auch einige Mitglieder, welche mit dem öffentlichen Wirken P.'s nicht einverstanden sind, in seiner Mitte zählt, so ist es doch in der That nur eine lächerliche Anmaßung, ihnen allein das Verdienst Aller zu vindiziren. Nicht minder poffenhaft ist die Darstellung des Anonymus, daß die Verständigung der s.g. Parteien sich in Abwesenheit P.'s zutrug. Dieses zu widerlegen fühle ich mich umsomehr überhoben, da der nächstens auch in deutscher Sprache erscheinende Bericht der letzten Generalversammlung, an welcher Delegirte von 17 der bedeutendsten Gemeinden des Landes theilnahmen, jede andere Widerlegung entbehrlich macht. Für heute beschränke ich mich nur darauf, eine treue Uebersetzung jenes Theils des Berichts beizulegen, der auf diese Frage Bezug hat, und zwar: a) die Antwort-Adresse, welche die Kommission der Delegirten dem Präsidenten des Vereins, P., übergeben hat; b) ferner die einstimmige Proklamation P.'s zum Ehrenpräsidenten. -) 2) a. In der Sitzung der General-Versammlung vom 20. Januar hielt Br. Präsident Peixotto folgende Ansprache: Nachdem P. auf seiner Demission beharrte, wurde ihm einstimmig von Freund und Gegner diese Ovation bargebracht. Freilich war P. edelmüthiger als seine Feinde, sich seines Triumphes nicht zu rühmen und nur der erfteulichen Thatsache Erwähnung zu thun, daß auch die wenigen bisher isolirt Gestandenen sich dem Werke der Humanität angeschloffen haben. „Geliebte Brüder'. Ich habe keine Worte, Ihnen das Glück auLzudrücken, das ich in diesem Momente empfinde, da ich die vollständige Einigkeit und Eintracht zwischen den verschiedenen Elementen unserer Glaubensgenossen in Rumänien schaue. Ich kann nur Gort danken, daß ich diesen Tag erlebt, und sollte ich morgen zu der letzten Wohnstätte gerufen werden, so könnte ich ficudig eingehen in das ewige Leben, das, wie ich aus voller Seele glaube, alle Menschen erwartet, welche sich bestrebt haben, ihre Pflicht aus Erden zu erfüllen. „Ich habe nur zu wiederholen, daß ich absolut als Exekutivhaupt des Bundes Zion zurückrrete. Ich brauche nicht weiter die Gründe hiefür zu wiederholen. „Indem ich meine offizielle Laufbahn beschließe, danke ich Jedem und allen Brr. für die edle Mithilfe, die ste mir gegeben, und rufe den Segen Gottes auf Euere künftigen Arbeiten herab mit dem Gebete, daß der Tag nicht mehr fern 'ein möge, an welchem die Juden Rumäniens ebenso frei sein werden als jene Amerikas'." Br. Ad. Büchner ist von Seiten seiner Schule (Bukarest) beauftragt und glaubt, daß sich ihm Alle anschließen, den tiefgefühlten Dank dem Erl. Br. Präsidenten für die Stiftung dieses Bundes, der sicherlich eine große Zukunft hat, auszusprechen. In der Tbar nur dem Br. Benj. F. Peixotto verdankt der Bund was er heute ist und was er in Zukunft sein wird. Zugleich ist er beauftragt, den Br. Präsidenten zu bitten, daß er, so lange er unter uns weilt» uns nicht verlasse und auch als Ehrenpräsident mit uns wirke und uns mit seinen Rathschlägeir zur Seite stehe. Wir ersuchen ihn daher, die Würde eines lebenslänglichen Ehrenpräsidenten des Bundes Zion annehmen zu wollen. Hierauf gelangt zur Berlesuuz folgender Antrag, der mit Akklamazion angenommen wird: „Da wir mit tiefstem Bedauern sehen, daß der Br. B. F. Peixotto auf der Demission von seinem Amte als Präsident des Sanhcdrium beharrt; „In Berücksichtigung.der ausgczcichnereu Dienste, welche unser geliebter Br. Präsident Peixotto dem Bunde Zion seit seiner Gründung bis auf den heutigen Tag geleistet, beantragen die Unterzeichneten: I. den Br. B. F. Peixoiro als Ehrenpräsidenten des Bundes all -vitam zu proklamiren; II. die Würde eines Titular-Präsidenten bleibt unbesetzt bis zur nächsten Generalversammlung." Gezeichnet: Josef H. Brociner, vr. H. Hirsch, A. S. Goldenthal, S. Gcldenthal, A. Büchner, I. Steiner, Adolf Weinberg, Saniel Mareus, vr. Mendelssohn, Jacob Freimann, S. L. Guttmann, Bernhard Schönfeld-, H. Singer, M. Gingold, Ds. Silbcrstein, N. Popper, vr. M. Beck, Philipp Lazar, vr. M. Rosenthal, vr. Leop. Stern, vr. Adolph Stern, I. J.LLbel, A. I. Löbcl, David Gabriel, Louis Hirsch, vr. Blumcnseld. Der Br. Präsident ist von dieser brüderlichen Huldigung tief gerührt, und versichert, daß er für sein ganzes Leben für Juden und namentlich für Zion mit väterlicher Liebe wirken werde.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.