Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1876)
- Date
- 1876-07-18
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Berlage zur Allg. Zeitung d. Iudenthums Nr. 29. (Unter Verantwortlichkeit der Redaktion.) Bukarest, 20. Juni 1876. Die in Ihrer geschätzten Zeitschrift Nr. 24 aus den Archives isra^lites reproduzirte Erwiderung eines so genannten Isra^Iite roumain auf einen Brief des Hrn. Peixvtto habe ich seiner Zeit im genannten Blatte gelesen; trotz der allseittg tief empfundenen Indignation aber fühlte ich mich nicht veranlaßt, dem namenlosen Pamphletisten entgegenzutreten. Wenn aber die A. Z. d. 3., welche Lurch Ihre unparteiische Leitung mit Recht als ein das gesammte Israel vertretendes Organ gilt, jenen grundlosen Beschuldigungen Verbreitung und Gewicht verschafft, kann ich nicht umhin, zur Steuer der Wahrheit die öffentliche Meinung über die Falschheit jener Behauptungen zu belehren, für welchen Beweis ich getrost (nicht wie jener feige Anonymus) mit meinem ehrlichen Namen einstehen will. Andrerseits bin ich dabei von demselben Gedanken geleitet, welcher mich vor fünf Jahren bewog, gegen die böswilligen Ausfälle des nunmehr verschollenen Carmellin eontra Peixvtto in die Schranken zu treten. Ich halte es für meine Pflicht, zu konstatiren, daß die niedrige Gesinnung, welche sich in derartigen Angriffen wie die unseres feigen Anonymus kundgibt, weder der Ausdruck der gesammten Judenschast Rumäniens, noch der ihres intelligenteren Theiles ist. Ich halte mich ferner für verpflichtet, dies hervorzuheben, damit das rumänische Israel in den Augen seiner Wohlthäter und Glaubensgenoffen in Amerika nicht als eine rohe, gefühllose Masse gekennzeichnet werde, denn nur als solche müßten wir ihnen gegenüber gelten, wenn wir die Solidarität solcher lügen- und boshaften Verlaumvungen, die gegen den Vertrauensmann unserer amerikanischen Glaubensgenossen erhoben werden, nicht entschieden ablehnen würden. Wir müssen uns entschieden dagegen verwahren, wenn die bitteren Erlebnisse P.'s mit den Unannehmlichkeiten, welche Sir Moses Montesiore und L. August Frankel bei ihrer Mission in Jerusalem zugestoßen sind, in Verbindung gebracht würden, denn hier ist es quantitattv und qualitativ ein verschwindend kleiner Bruchtheil, welcher sich zu den Ansichten des Anonymus bekennt; und wenn ich denselben hiemit entgegenttere, will ich nicht etwa die Berechtigung, die von P. entworfenen Pläne zu krctisiren, absprechen; habe ich doch selbst sein Auswanderungsprojekt in der Brüsseler Konferenz auf's entschiedenste bekämpft. Was aber Jeder verdammen muß, sind die niederträchtigen Anfchwärzungen, welche sich erdreisten, sich an seinen Charakter heranzuwagen; und einen solchen ocrr birn haben die persönlichen Feinde P.'s auf ihrem Gewissen. Jeder von P. im Interesse der hiesigen Juden unternommene Schritt wurde von ihnen verdächtigt, als läge demselben irgend eine Hab- und gelvsuchtige Absicht unter. Die Parole dazu ging f. Z. von Carmellin aus, dessen persönlicher Haß gegen P. wohl erklärlich war; aber auch Andere vom Schlage des Anonymus übernahmen die Mission desselben. Es scheint, daß sie es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, P. in jüdischen und nichtjüdischen Kreisen, wo sie nur für ihre Schmähungen ein williges Ohr zu finden glaubten, anzuschwärzen. Und ist es auch ihnen gelungen, bei einigen Mitgliedern des Pariser Central-Comitv's der All. isr. durchzudringen, so prallten alle ihre Schmähgeschosse in Berlin, London sowohl, wie auch in Wien ohne jede weitere Folge ab. Biel weniger konnten deren Bemühungen hier fruchten, wo alle ihre Angaben doch genau geprüft werden konnten. *) 1) Ich bin in der angenehmen Lage, gestützt auf die glaubwürdigsten Informationen, die Behauptungen des Anonymus, als hätte Peixvtto ohne jede Autorisation im Namen der hiesigen Juden Sammlungen veranstaltet, als eine steche Lüge zu bezeichnen. Niemals hat P. irgend eine Collekte ohne Autorisation im Namen und für die hiesigen Juden veranstaltet. Er hat wohl Sammlungen veranlaßt in Wien, Berlin, Paris und London, aber in seinem eigenen Namen u. z. zur Bestreitung seiner Repräsentationskostcn, und wer wird ihm dieses zur Sünde anrechnen? Es ist ja notorisch bekannt, daß die amerikanischen Juden, und zwar der Bne-Bcritb, ihm namhafte Betrage zur Verfügung stellten, warum sollten auch die europäischen Juden nicht dazu beitragen? Zur Bestästigung dieser Aussage füge ich eine treue Abschrift eines an vr. L. Stern von Seite des Herrn Josef Ritter von Wcrtheimer gerichtetes Schreiben bei. Wien, 24. Juni 1876. Geehrtcster vr. L. Stern! Ich komme sofort der in Ihrem geehrten Schreiben dom 19. ds. enthaltenen Aufforderung nach, um Ihnen zu bezeugen, daß Sie im 187! 72 eine Sammlung lediglich zur Subvention des amerikanis-ben Ccnsuls Hrn. Pcixotto veranstalteten, wie es denn mir selbst gelang, zu diesem ausschließlichen und durch die seltene Opferwilligkeit des genannten edlen Mannes hinreichend motivirten Zweckes einen namhaften Beitrag austubringen, indem ich bei Fruchtlosigkeit meines diesbezüg-