Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1876)
- Date
- 1876-07-18
- Page
- Seite 467 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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467 Schule zu Tlemcen, sprach sich sehr befriedigt über deren Leistungen aus, und übergab dem Director eine Geldsumme zu Preisen für die besten Schüler. — Auch in Paris verweilt jetzt ein Agent Rumäniens, um einen französisch-rumänischen Handelsvertrag zu bewirken. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß kein französisches Ministerium eine Klausel, durch welche die französischen Juden von irgend einem Rechte ausgeschloffen würden, anvähme und kein französisches Parlament eine solche billigte. — Der Capitan im 12. Cürassier-Regiment Bonn ist zum Schwadron-Chef im 2. Jäger-Regiment zu Pferde ernannt worden. Die sich immer wiederholenden Mittheilungen über die israelitischen Osficieren der französische» Armee ertheilten Beförderungen geben wohl das beste Zeugniß über das Wohlverhallen der Militärs israelitischer Religion. Türkei. Koustantinopel, im Juni. Die Arch. isr. schreiben: Jüngst wurde ein Verein für Handwerke und Künste unter den Juden Konftantinopels gegründet unter dem Ehrenvorsitz des Großrabbiners und dem wirklichen Vorsitz des Herrn Baruch- Cohen; er hat auch den Baron Hirsch zum Patron, deffen Freigebigkeit für den israelitischen Orient unerschöpflich ist. Der Verein zählt schon 22 Zöglinge für die verschiedensten Berufsarien, wie Schuhmacher, Schneider, Tischler u. s. w.; wir sehen darunter auch einen das Forstwesen Studireuden und einen auf der kaiserlichen Schule der Mevicin. Seine Kosten erheben sich durchschnittlich auf 2000 Piaster p. Jahr und Zögling: aber die Einnahmen sind noch nicht auf der Höhe der Bedürfniffe. Wir berichten die Thatsache und das Verdienst der Urheber des Werkes, sowie die Nothwenbigkeit für unsre Glaubensgenoflen Stambuls, daran theilzunehmen: kann aber diese Nothwendigkeit empfunden werden, bevor der allgemeine intellectuelle Sinn sich gehoben hat? Dahin also müffen die Anstrengungen der Wohlgesinnten sich richten. Schweden. Stockholm, im Juni. (Privatmitth.) Am Rüstlage des verflossenen Wochenfestes ist die neue Synagoge der polnischen Gemeinde Hierselbst durch Herrn Rabbiner vr. Levysohn eingeweiht worden. Als erster Vorsteher wurde Herr Julius Meyer aus Hamburg, der sich neben Herrn W. Rubenso» große Verdienste um die Hebung der culwellen Angelegenheiten der Polen erworben, einstimmig gewählt. Am Schewuosfeste geißelte unser Rabbiner in seiner Predigt das freche Gebahren der Missionäre, die sich sogar erkühnen, ihre Machwerke in unsere Synagoge einzuschmuggeln und unbeaufsichtigt liegende Sidurim mit den bekannten christlichen Lehren über die jenseitige Glückseligkeit zu versehen, in der eitlen Hoffnung, dadurch vielleicht eine jüd. Seele zu fangen. Die Synagoge war gedrängt voll von Juden und Christen, und eines unserer besten Blatter „Aftonbladet" hat in sehr judenfreundlicher Weise über die Predigt referirt. Herr Tobias Leibson aus Sölvesborg (Schweden) hat aus den hebräischen Texten: Sprüche Salomos, Prediger, das hohe Lied, Psalm 72, ein sehr wohlgetroffenes Bild unsres Königs Oskar angefertigt. Das in feiner Art eigenthümliche Kunstwerk, an dem Herr L. volle 2 Jahre gearbeitet hat, hat derselbe in einer besonderen Audienz dem Könige zu überreichen die Ehre gehabt. — Der Vorstand unserer Gemeinde hat dem rühmlichst bekannten Herrn Moritz Deutsch, Obercantor des großen Tempels zu Breslau, in Anerkennung seiner großen Verdienste um unsere Synagoge und um die Verschönerung des musikalischen Theiles des Gottesdienstes überhaupt, eine prachtvolle große Abbildung unserer herrlichen Synagoge überreichen lassen. R. Rumänien. Bukarest, 25. Juni. (Privatmitth.) Herr Peixotto, bisheriger Generalconsul der nordamerikanischen Union, ist nach seinem Vaterlande zurückgekehrt. Er hat die Anerkennung und Dankbarkeit des bessern Theils der hiesigen jüdischen Bevölkerung in einem hohen Grade sich erworben. Dies hat sich auch in Adressen und Zuschriften an ihn ausgesprochen. Sein Hauptverdienst besteht in der Gründung der jüdischen Loge Zion nach dem Muster der Bne-Berith in Nordamerika, deren Zweck Unterricht und Wohlthatigkeit bilden, und» die jetzt über ganz Rumänien ausgebreitet ist. Vor seiner Abreise wurde Herrn Peixotto die Ehrenpräsiventschaft auf Lebenszeit angetragen, die er jedoch ablehnte. Ueber den Verein „Zion" und seine Wirksamkeit wird bald ein Generalbericht veröffentlicht werden. Baslui, im Juni. (Privatmitth.) Die Geschichte unseres Volkes lehrt uns, daß, je größer der Druck war, der auf demselben lastete, desto mehr war es um die Conservirung seiner volksthümlichen Individualität besorgt, und desto mehr darauf bedacht, durch Errichtung von gemeinsamen Institutionen ein Band der Einttacht um sich zu schlingen und so den äußern Druck abzuschwächen. Wer also mit den hierlandischen Zuständen des jüd. Volkes nicht verttaut ist, könnte sich zu der irrigen Voraussetzung verleiten laffen, daß unter uns jene Eintracht und jenes gemeinschaftliche Zusammenwirken herrscht, welche nothwendige Folgen der äußern Bedrückung und Rechtlosigkeit sind. Dem ist aber nicht so. Die Tradition der Vorfahren und die historische Consequenz bewähren sich hierzulande gar nicht. Denn wie wir heute im gebildeten Europa keinen Staat mehr haben, wo der Jude so verachtet und so rechtlos dasteht, wie in Rumänien, ebenso giebt es kaum irgendwo ein Land, in 29