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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-07-18 · Heft 29 (18.7.1876) · p. Seite 466

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 29 (18.7.1876)
Date
1876-07-18
Page
Seite 466 (sequence 8)
Language
German
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466 Man wollte dadurch eine gleichmäßigere Vorbereitung derjenigen jungen Leute, die sich dem Lehrfache widmen, erzielen. Bis dahin nämlich, war es jedem Präparanden frei gestellt, sich bei irgend einem Lehrer oder an irgend einer Anstalt vorzubereiten. Natürlicherweise war dadurch die Vorbereitung eine verschiedenartige. Diese Präparandenanstalten sind Simultanschulen, so wirken an der hiesigen 2 Lehrer, ein katholischer und ein protestantischer. Schüler jeglicher Confession werden hier ausgenommen. Der Staat hat für die Zöglinge eine größere Summe für Stipendien bewilligt, welche ohne Rücksicht auf Confession vertheilt werden. So haben auch die 3 israelitischen Zöglinge der Anstalt größere Stipendien erhalten. Der Religionsunterricht wird von den Geistlichen resp. Lehrer der betreffenden Confession ertheilt und vom Staate honorirt. Doch wurden dem jüdischen Religionslehrer ein 'geringeres Honorar bewilligt, weil die Schülerzahl verhältnißmäßig kleiner ist. Gleichzeitig mit diesen Präparandenanstalten wurde zu den bis jetzt bestehenden drei confefsionellen Seminarien ein viertes confefsionsloses errichtet; ob auch hier in Bezug auf Stipendien und Religionsunterricht die gleichen Grundsätze verwirklicht werden, ist mir nicht bekannt. Jedenfalls sind diese Anstalten als ein bedeutender Fortschritt zu bezeichnen. M. Maier. Berlin, 6. Juli. lPrivatmitth.) Man kann sich leicht denken, wie sehr sich die „Germania" und ihre Sippe über die officiöse Kundgebung ärgern, daß das deutsche Reich mit Rumänien keinen Handelsvertrag abschließen wolle, in welchem die Deuffchen jüdischer Religion einer exclusiven Bestimmung unterworfen seien — sie, welche die Juden in Deutschland selbst solchen Ausnahmegesetzen unterzogen wiffen wollen! Jndeß diese Leute wiffen zu gut, wie wenig ihren Jntensionen Genüge geschieht, um ernstlich zu erwarten, daß diese hinsichtlich der Juden in Erfüllung gehen werden. Wie viele Bolksstürme haben sie schon heraufzubeschwören getrachtet, und — sich schließlich getäuscht gesehen! So erging es ihnen auch mit der Hetze, die sie gegen uns entzünden wollten. — Die „National-Zeitung" brachte jüngst ein Project zur Sprache, vaß nämlich eine Gesellschaft in der Bilvung begriffen ist, die, aus soliden Capitalisten und angesehenen Bürgern bestehend, in angemeffener Entfernung von der Stadt und in der Nähe von Eisenbahn-Stationen mit Zustimmung der städtischen Behörden und unter Aufsicht des Magistrats mehrere große Kirchhöfe anlegen und verwalten will, welche nach einer bestimmten Zeit Eigenthum der Stadtgemeinde werden sollen. Dieselben sollen, da die kirchlichen Begräbnißstatten innerhalb des Weichbildes der Stadt nicht mehr lange aufrecht erhalten werben können, nach dem Plane der Unternehmer in Zukunft alle Leichen ausnehmen und außer einer allgemeinen Begrädnißstelle Abtheilungen für die einzelnen Confessioncn enthalten und mit den erforderlichen Capellen und Leichenhäusern versehen sein. Die Gesellschaft beabsichtigt ferner. in Berlin auf den Bahnhöfen derjenigen Eisenbahnen, welche zu den Kirchhöfen führen, Leichenhallen zu errichten, und von dort aus den Transport der Leichen nach der Begräbnißstatte und alles Uebrige, was zum Begräbniß gehört, gegen Zahlung einer bestimmten mäßigen Summe zu übernehmen. Von dem Brutto- Ertrag soll den Kirchengemeinden ein sehr erheblicher Theil als Entschädigung für den Verlust der Einnahmen, welche ihnen jetzt aus den Begräbnissen erwachsen, überwiesen werden. Wie bedeutsam das Unternehmen ist, geht am besten daraus hervor, daß durch dasselbe in Zukunft die Bestattung von 30,000 (in zehn Jahren vielleicht schon 40,000) Leichen in der Nähe der Wohnstätten von einer Million Menschen vermieden werden soll. — Das in diesem Projett enthaltene Princip, welches in Frankreich schon seit dem ersten Kaiserreiche das gesetzliche ist, scheint auch uns das angemessenste zu sein. Solche Privatunternehmungen mit Begräbnißplätzen sind in Amerika langst heimisch. — Eine jüngst in hiesigen Blättern gegebene statistische Notiz über Mischehen in hiesiger Stadt erweist, daß im Ganzen das Judenthum hinsichtlich der Religion, in welcher die aus solchen hervorgegangenen Kinder erzogen werden, keinen Verlust erleidet. Lippstadt, 4. Juli. Der „Hahn" schreibt: Heute haben wir wieder eine Thal seltener Rohheit zu registriren. Auf dem jüdischen Friedhofe sind abermals vier Grabgedenksteine theils beschädigt, theils ganz zettrümmert worden. Nach Aussage eines Sachkundigen konnte das Frevelwerk nur vermittelst eines schweren Instruments oder dergleichen, von starker Hand geführt, ausgeübt werden. Die jüdischen Friedhöfe in Werl, Ahlen, Bonn, Tholey u. a. m. wurden in neuerer Zeit auf ähnliche Weise geschändet. Das sind die Früchte der bekannten Hetzschriften gegen die Juden. — So weit der „Hahn". Es charakterisiren sich in diesen Frevelthaten so sehr die niedrigste Feigheit, der Mangel an aller sittlichen und religiösen Scheu und eine Verwilderung, daß jedes Wort mehr überflüssig ist. Sind es doch ganz dieselben Eigenschaften, wie sie sich in jenen Pamphleten selbst aussprachen. Frankreich. Paris, 1. Juli. (Nach den Arch. isr.) In den General' rath des Depattement Constantine wurde am 18. Juni ein eingeborener Israelit, Herr David Narboni, zum Mitgliede mit 403 von 423 Stimmen gewählt. Die „Numidie", ein Tagesblatt von Constantine, sagte hierbei: „Unsre Freunde haben eingesehen, daß es Zeit sei, mit den alten Voruttheilen zu brechen, die im Jahre 1870 einen abgeschmackten Antagonismus zwischen zwei Bevölkerungselementen hervorriefen, die gemeinschaftliche Interessen und die namentlich vom politischen Standpunkte aus tausend und abertausend Beweggründe haben, stets vereint zu gehen." — Bei seiner jüngsten Rundreise besuchte der General- Gouverneur von Algerien, General Chancy, auch die israelitische

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