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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-07-11 · Heft 28 (11.7.1876) · p. Seite 452

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 28 (11.7.1876)
Date
1876-07-11
Page
Seite 452 (sequence 10)
Language
German
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452 sich 11 Lehrer; auch besitzt es eine Borbereitungsschule, an welcher 10 Lehrer thälig sind. Jüdische Gemeindefchulen bestehen zwei für Knaben und zwei für Mädchen, sowie zwei Kinderbewahranstalten; außerdem drei Consistorialschulen für Knaben und drei für Mädchen, auch Unterricht für Handwerkerlehrlinge an jedem Abend um 8 Uhr. 11 Mohelim sind concessionirt, sowie 5 Bäcker für Osterkuchen. (Fortsetzung folgt.) Paris, 21. Juni. Der Führer der augenblicklich in Paris weilenden Marokkanischen Gesandtschaft, El-Hadji- Muhamed, gehört, was man bei seinem Namen nicht glauben sollte, dem israelitischen Bekenntniß an. Er empfing gestern im Hotel du Louvre eine Deputation seiner Glaubensgenossen, bestehend aus dem Herrn Crömieux, dem Pariser Oberrabbiner Isidore und dem Herrn Dreyfus. So meldet unter anderen Blättern auch die Liberty. Belgien. Brüssel, im Juni. (Privatmitth.) Der Sieg der klerikalen Partei in den jüngst stattgefundenen Ergänzungswahlen zu unsrem Abgeordnetenhause ist allgemein bekannt, und hat die Liberalen in Belgien selbst sehr überrascht. Es gelang diesen, den Klerikalen nur zwei Sitze abzugewinnen, so daß die letzteren eine Majorität von 12 statt wie bisher von 14 Stimmen im Abgeordnetenhause besitzen, und hierdurch das klerikale Ministerium gestützt ist. Daß diese Majorität den Klerikalen nur durch die Verbindung von Landkreisen mit den großen Städten, so daß die letzteren gar kein entscheidendes Gewicht bei den Wahlen üben, folglich gar nicht vertreten sind, möglich ist, weiß Jedermann. Es ist dies in andern Staaten nicht minder der Fall. Wenn nun auch der klerikale Geist, wie die Thatsachen lehren, in unsrem Lande sehr verbreitet ist, so kann man doch nicht verkennen, daß die Liberalen, oder vielmehr ihre Wortführer, auch einen nicht geringen Antheil an ihrer Niederlage haben, nämlich durch die schroffe Weise, durch den äußersten Radicalismus, welchen sie zur Schau tragen und den sie in ihren Plänen und Zielen bekunden. Dadurch machen sie die Bildung einer Mittelpartei unmöglich, und drängen eine große Anzahl gemäßigt denkender Personen in das Stimmlager der Klerikalen, dem sie, im Grunde genommen, nicht angehören. Unsre Liberalen verkünden den bestehenden Verhältnissen zu offen den Krieg, als daß ihnen nicht bei den Wahlen viele Stimmen derer verloren gehen sollten, welche eine so plötzliche Veränderung der Gesetze und Zustände nicht wünschen, vielmehr als ein großes Uebel betrachten. Als nächste Ziele z. B. gilt die Beseitigung der Cultuskosten der drei anerkannten Religionen aus dem Staatsbudget, die Aufhebung aller confessionellen Unterrichtsanstalten nebst Beseitigung alles Religionsunterrichtes aus den öffentlichen Schulen. Man braucht noch lange nicht klerikal oder gar ultramontan zu sein, um diese Absichten zu mißbilligen. Die Juden z. B. würden, dies ist gewiß, falls die liberale Partei gesiegt hätte, alsbald die Subvention für die Gemeindeschule verloren und die Bestattung auf ihrem Friedhofe, selbst dem alten, der ihr volles Privateigenthum ist, verboten gesehen haben. In Belgien ist unleugbar ebenso viel Fanatismus auf Seite der Radicalen, wie auf Seite der Klerikalen. Jene hegen einen Haß gegen alle positive Religion, die sie mit Stumpf und Stiel auszurorten trachten. Wer dies bezweifelt, brauchte nur in der jüngsten Zeit diejenigen radicalen Blätter hierzulande zu lesen, welche ihre Ansichten unumwunden, uuverschleiert auszusprechen pflegen. Sie donnern gegen die Juden, weil diese ihre religiösen Satzungen, z. B. ihre Feiertage, noch nicht völlig aufgegeben haben, und wetteifern hierin mit den ultramontanen Blättern nach Herzenslust. Die belgischen Ultramontanen haben nämlich, dem Beispiele ihrer Brüder in den anderen Ländern folgend, seit längerer Zeit einen Kreuzzug gegen die Juden eröffnet. Bekanntlich wohnen in 'Belgien «ehr wenig Juden, ungefähr 1500. Diese geringe Zahl kann also an sich keinen Anfloß des Aergerniffes abgeben. Es geschieht also nur aus Princip, um den Chorus aus den übrigen Ländern Zu vervollständigen. Die radicalen Blätter, wie z. B. die Gazette, reichen nun hierin offen den Ultramontanen die Hand und billigen die fanatischen Ausbrüche gegen die Juden. Sie rufen: „Nieder mit jedem Juden, der noch den Jom-Kippur hält!" Sich mit diesen Leuten herumzustreiten, ist erfolglos, noch dazu, da es keine liberalen Blätter giebt, welche der Erwiderung einen Platz gewähren. Man muß es nur der Charakteristik wegen signalisiren. Uebrigens steckt bekanntlich böses Beispiel an, und zwar um so eher und mehr, je weniger die Berührung vermieden werden kann. Es ist daher nicht zu verwundern, daß ein verhältnißmäßig großer Bruchtheil der hier wohnenden oder sich aufhaltendev Juden zu den libres peo^eurs zählen oder doch von einem völligen religiösen Jndifferentismus ergriffen sind. Um so höher müssen wir die Männer schätzen, welche sich unsrer religiösen Angelegenheiten mit Eifer und Ausdauer annehmen. Rumänien. Bukarest, 13. Juni. Es liegt uns nahe, daß wir die Folgen, welche der rumänisch-österreichische Handelsvertrag, soweit er die Juden betrifft, hat, sorgfältig beobachten. Der gegenwärtige rumänische Minister des Aeußern hat sich veranlaßt gesehen, sich in einem ausführlichem Expose hinsichtlich der Ratification jenes Vertrages zu rechtfertigen. In diesem Expose kommt über die „Fremden", worunter bekanntlich die Rumänen die Juden verstehen, um in ihren Staatsschriften ihren Judenhaß zu verschleiern, folgende Stelle vor: „Die rumänische Regierung ist durch Artikel II gehalten, die Bestimmung zu revociren, wonach jeder nach Rumänien Kommende irgend eine Summe Geldes aufweisen müsse. Die Maßregel ist längst nicht mehr in Anwendung gewesen und konnte auch in Folge der Eisenbahnen nicht

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