Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1876)
- Date
- 1876-07-04
- Page
- Seite 432 (sequence 6)
- Language
- German
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434 Sonnabends und der Feiertage nur in so weit gestattet, als dies in Schulanstalten mit christlich-simultanem Charakter zu geschehen pflegt. Wir werden uns natürlich bei dieser Entscheidung nicht beruhigen, hoffen auch zuversichtlich, daß der hiesige Magistrat die Angelegenheit in die Hand nehmen werde. Ich sehe mich indeß veranlaßt, diesen Vorgang zur öffentlichen Kenntniß zu bringen, um Gemeindevorstände und jüdische Stadtverordnete zu warnen, nicht eher der Einreihung der jüdischen Volksschule in eine zu gründende Simultanschule zuzustimmen, bis sowohl von Seiten der städtischen Behörden, wie dev Regierung genügende schriftliche Garantien für die Wahrung aller religiösen Interessen in der Schule geboten sind. Dr. Jacob Cohn, Rabbiner. Hamburg, im Juni. (Privatmitth.) J. Demnächst findet hier das fünfuvdzwanzigjährige Dienstjubiläum des hiesigen Rabbiners Stern statt. Vor fünfundzwanzig Jahren nämlich avancirle derselbe vom Religionslehrer in Homburg zum Oberrabbiner in Hamburg. — Seine Freunde sowohl, als auch seine Gegner sind schon jetzt thätig, um diesen Zeitpunkt nicht ohne Sang und Klang vorübergehen zu lassen. Die Einen wollen eine Sternstiftung gründen, eine Art Unterstützungscasse für hülfsbedürftige Lehrer der Talmuv-Thora, während die Andern eifrig bemüht sind, als Anerkennung seiner Verdienste, die er sich um Gemeinde und Schule während einer fünfundzwanzigjahrigen Amtsthätigkeit erworben hat, ihn — da er außerdem an Schwäche leidet, in den wohlverdienten Ruhestand treten zu lassen. Es wäre nur zu wünschen, daß Beide das Ziel ihrer Wünsche erreichten, da das Eine sowohl als das Andere sehr zeitgemäß und vonnöthen wäre. Oesterreich - Ungarn. Wien, 9. Juni. Die Ministerien des Innern, für Cultus und Unterricht und der Justiz haben am 26. Mai l. I. eine Verordnung, betreffend die Ehen von Israeliten, welche außerhalb des Verbandes einer israelitischen Cultusgemeinde leben, erlassen. Die heutige Wiener Zeitung publicirt den Wortlaut dieser Verordnung, welche besagt: 8 I. Israeliten, welche außerhalb des Verbandes einer israelitischen Cultusgemeinde leben, sind, wenn es sich um die Verkündigung der Ehe, um die Trauung, dann um die Scheidung von Tisch und Bett oder um die Trennung handelt (88 126, 127, 132, 133 A. B. G. B.), als der ihrem Wohnorte nächstgelegenen inländischen Cultusgemeinde einverleibt anzusehen. 8 2. Der Umfang, bis zu welchem die Cultusgemeinden für die bezeichn elen Zwecke ausgedehnt werden, ist von der betreffenden Landesbehörde zu bestimmen und kundzumachen. Soll jedoch die gedachte Wirksamkeit einer Cultusgemeinde über das Verwaltungsgebiet der Landesbehörde hinausreichen, so werden die einschlägigen Verfügungen vom Ministerium des Innern getroffen. Entstehen in der Folge neue Cultusgemeinden, so sind die entsprechenden Aenderungen in der Zuweisung Vorbehalten. 8 3. Für die Vornahme des Aufgebotes und der Eheschließung solcher Israeliten, dann der in den §8 132 und 133 A. B. G. B. den Rabbinern oder Religionslehrern zugewiesenen Functionen dürfen von derjenigen Cultusgemeinde, welcher dieselben nach den vorangegangenen Bestimmungen zugewiesen sind, Gebühren eingehoben werden, deren Höhe von jener Landesbehörde zu bestimmen ist, in deren Gebiet die Cultusgemeinde sich befindet. 8 4. Nach Durchführung der gemäß § 2 sofort zu treffenden Anordnungen wird der Beginn der weiteren Wirksamkeit dieser Verordnung in jedem einzelnen Berwaltungsgebiete kundgemacht werden. Lasser in. p. Stremayr m. p. Glaser in. p. — . Se. Majestät der Kaiser hat dem Prager Kaufmanne Wolfgang Löwenfeld, in Anerkennung seiner vieljährigen treuen und ersprießlichen Dienste als Beisitzer des Prager Handelsgerichtes, den Titel eines kaiserlichen Rathes verliehen. —. Die hiesige Gemeinde hat jüngst zwei herbe Verluste erlitten durch den Tod des am 11. d. verstorbenen Dr. Ignaz Edlen von Hofmannsthal und des Barons Hermann Todesco, des letzten männlichen Sprößling dieses in humanitärer Beziehung verdienten Hauses. Wien, 17. Juni. Die Frievhofscommission des Gemeinderathes hielt heute eine längere Sitzung ab, welcher auch Vertreter der israelitischen Cultusgemeinde beiwohnten. Dieselben drangen auf gänzliche Separirung des israelitischen Friedhofes vom Centralfriedhofe, auf welches Ansinnen aber die Commission nicht einging. —. Wir haben seiner Zeit über die Veröffentlichungen unsres verehrten Glaubensgenossen, des Herrn vr. Adolf Fischhof, über feine Ideen zur Abrüstung aller stehenden Heere auch in diesem Blatte berichtet. Es ist selbstverständlich nicht unsre Aufgabe, über die Fortschritte zu referiren, welche geschehen, um der Verwirklichung dieses Planes näher zu kommen. Doch wird es interessiren, das folgende Telegramm zu lesen, welches die „N. fr. Pr." aus Klagenfurt vom 17. Juni bringt: „Herrn Dr*. Adolph Fischhof wurde gestern Abends aus Anlaß seines Namenfestes ein von dem Großgrundbesitzer zu Emmersdorf, Herrn Johann Wunsch, angeregter Fackelzug gebracht. Der ehemalige Redacteur der Grazer „Volkszeitung", Herr Julius Gretschnigg, richtete an den Gefeierten eine begeisterte Ansprache. In seiner Antwort betonte Dr. Fischhof, daß die publicistische und parlamentarische Initiative Oesterreichs in der Abrüstungsfrage nicht nur in Europa, sondern auch in Nordamerika lebhaften Sympathien begegne, und daß er vor wenigen