Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1876)
- Date
- 1876-07-04
- Page
- Seite 430 (sequence 4)
- Language
- German
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430 die dreizehnte macht den Uebergang zu der ersten der drei Schlußbenedictionen und zugleich den geeigneten Abschluß der vorhergehenden, in dem sie um Erhörung der Gebete steht und Gott als den „Erhörer des Gebetes" feiert. Wir haben also in dieser Thefillah einen abgeschlosienen Gebetkreis, den wir uns übersichtlich machen müsien. Der Gott des Alls und Vergelter Aller und Gott Israels, der Erhalter des Lebens und Gewahrer der Unsterblichkeit > Wiederbelebung der Todlen), der Aüheilige, der Verleiher der Erkenntniß, der Freund der Buße, der Versöhner, der Erlöser Israels, der Heiler der Krankheiten, der die Jahre segnet, der die Zerstreuten Israels sammelt, der die Gerechtigkeit und das Gericht liebt, der die Abttünnigen und die Frevler tilgt, die Stütze und die Zuversicht der Gerechten, der Jerusalem wieder erbaut und den Messias sendet, der die Gebete erhört und den Opferdienst in Zion wieder herstellr, der Allgütige, dem Dank zu bringen allen Lebenden obliegt, und der Israel mit Frieden segnet — dies sind die Gedanken, welche dieser Cyklus von Benedictionen zum Ausdruck bringt. Man erkennt, daß hier ebenso wohl in vollem Umfange die national-religiösen, wie die allgemein-religiösen Ideen zum Ausdruck kommen und in dieser Hinsicht den Charakter des Judenthums bezeichnen. Die Selbsterhaltung und der Ausbau desselben werden in gleichem Maße wie sein allgemeiner Inhalt berücksichtigt und betont. Daß in der neuesten Periode des Iudenlhums die Wiedervereinigung Israels zu einem weltlichen Reiche, die Wiederherstellung des Opferritus und die Idee eines persönlichen Messias von der reformistischen Richtung als veraltet und zu beseitigen angesehen werden, brauchen wir hier nicht auseinander zu setzen. An die Stelle dieser dreizehn Benedittionen tritt nun an den Sabbathen und Festtagen (mit Ausnahme des Musiaph Rosch-Haschanah) eine Venediction, welche die Heiligung des Sabbaths und der Festtage aussprichr (rz-t~:z ~~~tz a',:73*m rs-ic». Sie hat zur einheitlichen Formel die Worte: „Heilige uns durch Deine Gebote, gieb uns einen Antheil an Deiner Lehre, sättige uns durch Deine Güte, erfreue uns durch Deine Hülfe, und läutere unser Herz, Dir zu dienen in Aufrichtigkeit." Diese Formel, gewiß der Ausdruck tief empfundener Frömmigkeit, wird am Sabbalh eingeleitet durch die Worte „Habe Wohlgefallen an unsrer Ruhe", und beendet: „Gewähre uns in Liebe und Wohlgefallen Deinen heiligen Sabbath, daß an ihm ruhen die Israeliten, die Deinen Namen heiligen." Dieser Venediction wurden nun verschiedene Sätze vorangestellt. Am Freitag Abend: daß Gott den siebenten Tag als Ende der Schöpfung geheiligt und gesegnet hat, mit Anführung von 1 Mos. 2, 1—3. Im Morgengebet eine Hinweisung auf die Herrlichkeit Moses, mit der Anführung von 2 Mos. 31, 16. 17 und der nachdrücklichen Betonung, daß der Sabbath vorzugsweise den Israeliten gegeben worden. Im Musiaph werden die Opfer, die am Sabbath zu bringen waren, hervorgehoben, und die Bitte hinzugefügt, daß Israel nach dem h. Lande zurückgeführt werde, um die vorgeschriebenen Opfer wieder bringen zu können, die nun aus 4 Mos. 28, 8. 10 verlesen werden. Aber wie in einem geheimen Gegensatz oder wenigstens als nothwendige Ergänzung wird sofort ausgedrückt, daß Alle (also auch ohne Opfer,) welche den Sabbalh beobachten, und zwar mir Herzenslust, sich des göttlichen Segens zu erfreuen haben. Zu Minchah endlich wird die Einzigkeit Gottes, welcher die Einzigkeit Israels auf Erden verglichen wird, und dann die Ruhe des Sabbaths als eine herrliche Gabe Gottes hervorgehoben. Literarischer Wochenbericht. Vom Rheine, im Mai. (Schluß.) Der Standpunkt, welchen Herr Maspero gegenüber den Berichten der altern biblischen Bücher einnimmt, ist ein ziemlich rationeller: er giebt sie meist einfach wieder, ohne eine zerstörende Kritik an ihnen zu üben. In der That ist das Verfahren der meisten Historiker, welche sich mit diesen Dingen beschäftigt haben (so auch Duncker's) durchaus verkehrt, indem sie aus Len biblischen Erzählungen nach Grundsätzen „innerer Kritik" eine ganz neue Ausiaffung und Darstellung der Ereignisie, die dann die wahre und wirklich geschichtliche sein soll, herausarbeiten. Die historische Kritik kann sich nur dann mit Aussicht auf Erfolg bethatigen, wenn irgend anderweite Quellen vorliegen, die es gestatten, die in dem zu kritisirenren Berichte enthaltenen Mittheilungen zu controlliren oder wenigstens durch Vergleich die Absicht festzustellen, in der jener verfaßt ist. Wenn jedoch über eine Reihe von Ereigniffen nur ein Bericht vorliegt, so har man kein zuverlässiges Mittel, denselben kritisch zu bestimmen und zu verwerihen; es bleibt dann nichts übrig als ihn entweder als glaubhaft anzunehmen oder ihn als Sage oarzustellen. Jedes andere Verfahren führt lediglich zu einem unfruchtbaren Spiele der Einbildungskraft und der persönlichen Launen. Bekanntlich hat David besonders schwer die kritische Lust und Neuerungssuchl der modernen Schriftsteller empfinden müsien, die ihn als einen Wüstling, Tyrannen und „Blutmenschen" darstellen. Ganz hat unser Vers, sich der allgemeinen Einwirkung nicht entziehen können, wie er denn auch die Psalmen fast ausnahmslos diesem Herrscher abspricht; aber seine Ansicht ist doch eine gemäßigte, und wenn er in ihm nicht den „Mann nach dem Herzen Gottes" sieht, so urtheilt er doch (S. 320): „Was von seinen poetischen Schöpfungen erhalten ist l die im zweiten Buche Samuel enthaltenen poetischen Stücke und vielleicht Ps. 24, V. 7—10, Ps. 101 :c), sichert ihm den Namen eines großen Dichters, wie dasjenige, was wir von seiner politischen Laufbahn wisien, hinreicht, ihm den Ruhm eines großen Königs zu sichern". Freilich wenn die biblischen Angaben in Widerspruch gerathen I mir dem, was man aus den asiyrischen Denkmälern herauszulesen