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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-06-27 · Heft 26 (27.6.1876) · p. Seite 420

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 26 (27.6.1876)
Date
1876-06-27
Page
Seite 420 (sequence 10)
Language
German
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420 zum Synagogenbau und 180 Mark jährliche Subvention zur Religionsfchvle bewilligten. Die Mehrzahl der Gemeinde strebt nach einem reformirten Cultus und soll dieser in einer neu einzuführenden Synagogenordnuug nach Besitznahme der neuen Synagoge, vielleicht Schabbuoth 1877, Platz greifen. Bei der jüngst fiattgehabten Neuwahl der Repräsentanten errangen die Candidaten der liberalen Majorität den Sieg. Schweiz. St. Gallen, 12. Juni. (Privatmitth.) (Verhandlungen des Großen Raches über die Schächtangelegenheit.) Wie gewöhnlich dauerte auch diesmal die ordentliche Sommersitzung des Großen Raches nur wenige Tage, vom 7. bis 11. Juni, und konnten daher nur die wichtigsten und dringlichsten Traktanden zur Verhandlung kommen. Zu den wichtigsten aller wichtigen zählte die Regierung den von ihr gestellten Antrag, dem Schächtinftitut die Genehmigung zu entziehen, und demgemäß stellte ihn der neugewählte regierungsfreundliche Präsident des Großen Rathes wider alles Erwarten schon am ersten Tage, noch ehe unsere Denkschrift vertheilt werden konnte, aus die Tagesordnung. Nach Verlesung der bezüglichen Botschaft entspann sich eine ziemlich lebhafte Discussion; während Einige de» Antrag einer Commission überweisen wollten. Andere eine Verschiebung beantragten, bis man sich über fraglichen Gegenstand erst genauer orientirt habe, verwenden sich Gemeindeammann Steiger und Regierungsrath Curti energisch für sofortiges Eintreten. Letzterer entwirft zugleich ein Schauergemälde von dem jüdischen thierquälerischen Schlachtverfahren, dem endlich einmal ein Garaus gemacht werden muffe. Er sehe auch gar nicht ein, warum man die Sache noch verschieben solle; habe man doch seit Beschlußsaffung der Regierung Zeit genug gehabt, sich in dieser Frage zu orientiren, und wenn auch Einige gegen den Antrag sprechen werden, so wffse man ja, daß die israelitische Religionsgenoffenschaft auch ihre Fürsprecher, ihre bezahlten Advocaten hätten. Gegen diese Schlußbemerkung verwahrt sich Herr Fürsprech Hoffmann (Führer der gemäßigten Liberalen^; er trete nicht als Anwalt der israel. Relizionsgemeinde hier auf und sei der Meinung, daß schon der Anstand eine Verschiebung erfordere, indem eine bezügliche Denkschrift die Preffe soeben verlaffen habe, deren Einlauf erst abgewartet werden müffe. Die Gelehrten seien übrigens noch keineswegs darüber einig, daß das Schächten Thierquälerei sei. Auch Fürsprech Fäßler (Führer der conservativen Partei) erklärt, er sei kein Fürsprecher der Israeliten; wenn aber der Regierungsrath sich in seinem Kopfe etwas zurechtgelegt habe, so fei damit noch nicht gesagt, daß es dann der Große Rath auch verschlucken müffe. Die Frage, die hier in den Saal hingeworsen werde, sei die weltbewegende Frage, ob der Staat allmächtig sei in Glaubens- und Sittenlehren der Confessionen. Jedenfalls solle man erst die in Aussicht gestellte Eingabe abwarten. Nachdem noch Herr Dekan Ruggle darauf hinweist, daß die bedeutendsten Veterinär-Autoritäten das Schächten, das dazu noch eine rituelle Vorschrift der Juden sei, ebenso wenig als jede andere Schlachtmethode als Thierquälerei erklären, wird Verschiebung bis zur Eingabe beschloffen. Am nächsten Morgen wurde unsere Druckschrift *) vertheilt, und von nun au schien die Schächtangelegenheit in den Augen des Regierungsraths und des gleichgesinnten Präsidenten des Großen Rathes an Dringlichkeit bedeutend eingebüßt zu haben —, sie wurde erst am Schluffe, in der letzten Viertelstunde der Session, wieder ausgenommen, also zu einer Zeit, die zu einer längeren Discussion nicht mehr geeignet war. Regierungsrath Curti war nicht mehr für sofortiges Eintreten, stellte vielmehr den Antrag, den Beschluffesvorfchlag an die Regierung zurückzuweisen zur nochmaligen Berichterstattung und Bernehmlaffung über vorliegende Schrift für die nächste Herbstsession. — Der Vorschlag wurde angenommen. Es ist leicht möglich, daß die Regierung die Zwischenzeit benutzen will, um ebenfalls Gutachten, und zwar in ihrem Sinne einzuholen. Wir dürfen daher die Angelegenheit nicht aus den Augen lasten und werden bestrebt sein, das gesammelte Material möglichst zu bereichern. vr. E n g e l b e r t. Spanien. Madrid, 10. Juni. Die Debatten über den §.11 der neuen Constitution, der in so unklarer Weise die Duldung anderer Religionsgenoffeu enthält, wie sie jetzt im Senate geführt werden, haben dadurch ein besonderes Jntereffe, daß bei denselben die katholischen Autoritäten sich klar und offen über den Syllabus und die Grundsätze der katholischen Kirche aussprechen. Alles Verschleiern, wie es in Deutschland und England von den Wortführern der Centrumspartei versucht worden, wird hier zurückgewiesen. Es handelt sich nicht mehr um Theorie, sondern um die Praxis, wo diese geltend gemacht werden kann. Es wird uns unumwunden gesagt, was wir zu erwarten hätten, wenn der römische Katholicismus noch einmal zur Gewalt gelangte. Der Bischof von Salamanca, welcher allgemein als einer der gelehrtesten Prälaten der Halbinsel gilt, ergriff vorgestern das Wort, um zu erklären, daß er in Uebereinstimmung mit dem gesammten Episcopate nur in den Senat gekommen sei, um gegen die Lösung der religiösen Frage, wie sie die Notabeln, die l) Der Titel lautet: Das Schächten und die Bonterole. Denkschrift für den hohen Großen Rath des Kantons St. Gallen zur Beleuchtung des diesbezüglichen regierungsräthlichen Antrags und mit Augrundlcgung der neuesten mitabgedruckten Gutachten von Adam, Bagge, Berber, Ludwig Büchner, Chauvcau, Gamgee, Gerlach, Hannover, Hertwig, Lydlin, Meyer, Roloff, Siegmund» Zangger u. A. Bon Pr. Hermann Engelbert, Rabbiner der hiesigen israel. Religionsgenoffenfchaft. Die 3 Bogen starke Schrift ist » I Frc. von der Scheitlin'fchen Buchhandlung dahier durch alle Buchhandlungen zu be-

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