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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-06-27 · Heft 26 (27.6.1876) · p. Seite 418

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 26 (27.6.1876)
Date
1876-06-27
Page
Seite 418 (sequence 8)
Language
German
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418 14 Elsaß-Lothringer, 513 Oesterreicher, 274 Polen, gegen 510 im Vorjahre, 43 Russen, 2 Franzosen, 3 Schweizer, 2 Engländer. 218 Bayern, 19 Württemberger, 13 Badenser, 60 Hessen, 3 Schweren, 256 Preußen, 19 Fürther, 3 Sachsen. Eine auffallende Erscheinung ist die bedeutende Abnahme der Polen um 270 Personen gegen vas Vorjahr 1874 hat dies seinen Grund in dem Erscheinen einer Ministerialentschließung vom 22. März 1874, wonach den Polen und Russen das Reisen in Bayern nur dann gestattet ist, wenn sie mit den treffenden Auslandspässen versehen sind, während sie früher nur mit Grenzscheinen reisten, aus denen häufig die Heimathsgemeinde nicht festzusetzen war. Erkrankte nun durch den Wechsel der klimatischen Verhältnisse und die Beschwerlichkeit auf der Reise ein mit einem Grenzschein versehenes Individuum, so mußte dasselbe nach Artikel 12, Absatz 1 des Armengesetzes von 1869 in Spital ausgenommen werden, die Verpsiegungskosten fielen nicht selten dem betr. Spitale zu, da aus den mangelhaften Grenzscheinen die Heimathsbehörde nicht ersichtlich und sonach von derselben die Kosten auch nicht liquidirt werden konnten. Bei den Auslandspässen kann solche stets genau eruirt werden, die ohne erstere reisenden Polen und Russen werden aus Bayern ausgewiesen. Die Uebersicht der Unterstützungen gewährt einen Einblick in die coloffalen Summen, welche die Wanderbettelei jährlich absorbirt. der Vorort: Ansbach verausgabte an: 877 Unterstützten den Bettag von 1875 fl. 11 kr. Augsburg 919 - - 3637 - 26 - Bamberg 1134 - - 5634 - — - Würzburg 1203 - - 6073 - 53 - Furth 1260 - - 13,606 - 17 - 5393 30,826 fl. 47 ft. oder 52,845 Mark 92 Pfennige. Rechnet man hierzu noch die Gelder, welche außer den 86 noch nicht dem Verbände beigetretenen Gemeinden in Bayern die ganze bayerische Rheinpfalz, die ebenfalls nicht beim Verbände ist, in welcher allein über 12,000 Israeliten wohnen, für arme durchreisende Israeliten verwendet, so wird man der Summen erst recht inne werden, die speciell für den Zweck verausgabt werden und die Wanverbettelei einzuschränken und besseren Zielen zuzuführen denken. Wir schließen diesen Bericht mit dem Wunsche, daß durch Beitritt der noch fehlenden Gemeinden der Verband einen noch größeren Wirkungskreis erzielen möge und die bereits angeschlossenen, denen eine gedeihliche Entwicklung desselben am Herzen liegt, den mit der Leitung des Verbandes betrauten Verwaltungen, die in uneigennützigster Weise ihrer ebenso zeitraubenden wie undankbarer Arbeit im Bewußtsein des löblichen Zweckes obliegen, auch ferner thatkräftig und hülfreich zur Seite stehen. Fürth, 23. April. Da der Todestag Gabriel Rießer's, der 22. April, Heuer auf einen Samstag fiel, so hielt die Collatur der Gabriel Rießer'schen Stipendien-Stiftung schon am 21. d. M. ihre ordentliche Jahressitzung ab, in welcher die Stipendien für 187 6 zur Vertheilung kamen. Durch die Thätigkeit, mit welcher einige Mitglieder der Collatur in der hiesigen Cultusgemeinde für die Stiftung wirkten, dann durch größere Beiheiligung seitens der Nachbargemeinde Nürnberg halten sich die Jahresbeittäge in so erfreulicher Weise vermehrt, daß die Summe von 980 Mark an Stipendien zur Vertheilung gebracht werden konnte. Es erhielten zwei Juristen und ein Studirevder der mechanisch-technischen Abtheilung des Polytechnicums je 200 Mark, ein Mediciner, ein stud. phil. und ein Studirender der Mathematik je 100 Mark, ein Schullehrerseminarist 80 Mark. Ein Gesuch konnte wegen Mangels der geforderten Zeugnisse nicht berücksichtigt werden. Die Rechnung der Stiftung für 1875 weist ein rentirendes Vermögen von 3250 fl. 5571 Mark 42 Pf. aus, um 100 fl. mehr als die für das Vorjahr. So erfreulich es ist, daß Heuer einzelnen Bewerbern ein größeres Stipendium verwilligl werden konnte als sonst, so kann die Stiftung doch immerhin ihren Zweck, jüdische Studirende aus Bayern ausgiebig zu unterstützen, nicht genügend erfüllen, wenn sich ihre Einnahmen nicht vermehren. Wie wünschenswerth es aber ist, daß bedeutende und zahlreiche Unterstützungen gewährt werden können, bedarf keiner Erörterung. Wir können daher die Stiftung dem Wohlwollen der hiesigen Cultusgemeinde, namentlich derjenigen Mitglieder, welche noch keinen Jahresbeitrag leisten, nur wieder auf das angelegentlichste empfehlen. Düffeldorf, im Juni. (Privatmitth.) Bei der Entschiedenheit, mit welcher die Abgeordneten Marburg, Lasker und Hirsch gegen die jüdischen Schulen sich aussprachen und von dem Austtittsgesetz erhofften, daß diese baldigst von den Gemeinden aufgegeben werden müßten, ist es doch wichtig, sich über die Ansichten und Gesinnungen Klarheit zu verschaffen, welche über die Consessionslosigkeit der Schulen in maßgebenden Kreisen obwalten. Wir haben einen Beleg darüber in der Erwiderung, welche der neue Regierungspräsident von Bitter in Düsseldorf auf ein Schreiben an den Kreisschulinspector Dürselen am 1. d. hat gelangen lassen. Er sagt darin, nachdem er für die vertrauenden Gesinnungen, die man gegen ihn ausgesprochen, gedankt. Folgendes : „Ich lege persönlich den höchsten Werth darauf, daß der Schule der christliche Charakter nicht entzogen und daß, wo die Confession diesen bedingt, an dieser nicht gerüttelt werde.

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