Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1876)
- Date
- 1876-06-27
- Page
- Seite 416 (sequence 6)
- Language
- German
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416 „Mestsem" genannt, und zwei Steinböcke überreichen. Sie sind bewaffnet, wie die Egypter, mit Bogen, Wurfspieß, Streitaxt, Keule und bekleidet mit langen Gewändern oder mit engen um die Hüfte befestigten Schurzen; einer von ihnen spielt bei dem Marsche ein Instrument, Las durch seine Form an die altgriechische Leier erinnert. Die Einzelheiten ihres Kostüms, der Glanz und gute Geschmack der bunten und mit langen Franzen versehener Stoffe, mit denen sie bekleidet sind, die Eleganz der meisten Gegenstände, die sie mit sich führen, bezeugen eine weit vorgeschrittene, freilich der egyptischen noch nachstehende Civilisation". Hier haben wir ein deutliches, allerdings um einige Jahrhunderte verfrühtes Bild von der Ankunft Jakob's und seiner Söhne in Egypten, als sie hier gleichfalls eine Zuflucht vor dem Hunger suchten! Die Eroberung Egypten's durch die Hirten bringt der Berfaffer mit der Wanderung kuschitischer d. h. altsemitischer Stämme in Zusammenhang, die. von dem nach ihrem Namen „Punier" Punt genannten Ostufer des rothen Meeres ausbrechend, zuerst die alten fabelhaften Völker des Jordanlandes unterworfen und sich hier als Kanaaniter und Phönizier d. h. Phunier oder Punier niedergelasien, dann Egypten erobert hätten. Die Ankunft der Hebräer in Egypten wird nach einer bei Johann v. Antiochien aufbewahrten Ueberlieferung unter die Regierung des übrigens völlig egyptisirten Hyksoskönig Axaxi II. gesetzt; während Duncker (4. Ausl. I 318) allerdings aus ganz unzureichenden Gründen die Einwanderung rer Familien Jakob's unter den Hyksos in Abrede stellt. Dagegen scheint es uns ganz ungeheuerlich, wenn Maspero die Hirten schon um 2750 in Egypten einwandern läßt (S. 192) und ihrer Herrschaft daselbst eine Dauer von mehr als sechs Jahrhunderten giebt. Danach hätte man die Wanderung Jakob's nach Egypten auf etwa 2600 v. Ehr. zu setzen! — Biel wahrscheinlicher und unserer Meinung nach selbst ziemlich concluvent ist die Bestimmung des Auszuges der Israeliten aus Egypten. Der Berfaffer verwirft die durch Manetho's fabelhaften Bericht in Schwung gebrachte Meinung, als ob dieses Ereigniß unter dem vierten Pharaoh der 19. Dynastie, Menephtah I., stattgefunden hätte, da dieser König auch siegreiche und glückliche Regierung führte, deren Ereigniffe Jahr für Jahr auf den Denkmälern verzeichnet sind. Erft unter dem siebenten Pharao derselben Dynastie, Seti II., und besonders nach deffen Tode trat ein Zustand ein, welcher ein solches Ereigniß überhaupt ermöglichte: nämlich eine Zerstückelung des durch Bürgerkriege zerriffenen Landes, fremde Invasionen, langjähriger und im Beginne unglücklicher Kampf gegen die ausländischen Dränger. „Man sieht leicht ein", sagt mit Recht der Berfaffer S. 259, „daß inmitten der allgemeinen Unordnung ein fremder, von den Egyptern verfolgter Stamm, der Unterdrückung müde, seine Ansiedelungen verlaffen und den Weg nach der Wüste einschlagen konnte, ohne allzu energisch von seinen mit den eigensten Angelegenheiten hinreichend beschäftigten Herren verfolgt zu werden." Auch werden von dieser Zeit Empörungen anderer Ansiedlungen egyptischer Gefangenen ausdrücklich berichtet. Was die eigentlich semitischen und die arischen Völker anbetrifft, so folgt Herr Maspero leider den Obry'schen Träumereien (die auch E. v. Bunsen in seinem kürzlich von uns besprochenen Werke acceptirt hatte), indem er mit dem Anscheine der Sicherheit ihren gemeinsamen Ursprung dem Paradiese nach dem Hochlande Pamir im Bolurdagh verlegt. Diese Hypothese hat noch weniger Begründung als die ftüher allgemein angenommene des armenischen Hochlandes, von dem doch zwei der in der Bibel erwähnten Paradiesesftrome, Euphrat und Tigris, wirklich ausgehen. Ebenso wenig können wir der Ansicht unseres Berfaffers beipflichten, als sei die Bevölkerung Babyloniens aus der Mischung von Kuschiten (d. h. Alt-Semiten) mit einem hochgebildeten turanischen Stamme entstanden. Wenn selbst Halevy's Versuch, alle altbabylonischen Städte- und Götteruamen, und Würden u. s. w. aus dem Semitischen zu erklären, vielseitig bestritten und zahlreiche Namen dieser Art der accabischen Sprache zugeschrieben werden: so ist über die wirkliche Beschaffenheit und den Ursprung dieser Sprache ebenso wenig bekannt, wie über das Berhältniß, in welchem von Beginn an diese Accadier zu den Semiten standen. Richtiger ist die Schilderung (S. 185) der Berhälmiffe Syriens nach der großen kanaanitifchen Wanderung, vor der Ankunft der Philister und der Israeliten: „Ganz Syrien war unter drei große Racen vertheilt, die aus gemeinsamer Abstammung hervorgegaugeu waren und die Dialecte einer und derselben Sprache redeten: die Aramäer im Norden und Osten des Libanon; die Kanaaniten langst der Küsten, im Herzen und im Süden des Landes, in den Thalern des obern Drontes, des Natsana und Jordan; die Terachiten (Ammoniter. Moabiter, Ebomiter) im Süden und Osten des Todten Meeres, an den Grenzen der Arabischen Wüste." Die Erhebung des affyrischen Reiches neben und gegenüber dem altchaldäischen setzt unser Berfaffer in das 15. Jahrhundette Eingenommen für die Egypter, ist er ihren Nebenbuhlern, den Affyrern, keineswegs günstig gesinnt, die er als ein zwar tapferes, unternehmendes, gewandtes, aber vorzugsweise grausames, sinnliches und verrätherisches, durch und durch barbarisches Volk schildert (S. 283 f). Ist eS ganz gerecht, wenn er die affyrisch. Kunst an Schönheit des Materials und des Styls der egyptischen nachsetzt? Was das erfiere anbettifft, so war es die Schuld des Bodens, wenn die Affyrer ihre Bauwerke größtentheils aus Ziegeln und nicht, wie die Egypter, aus Kalkstein und Granit aufführten; und über die Großartigkeit ihrer Bauten dürfen wir nicht absprechen, weil infolge jenes nothwendigen vergänglichen Materials uns nur Ruinenhaufen erhalten sind. Dagegen zeichnet sich die affyrische Skulptur durch die fteiere, lebhaftere Bewegung der Gestalten und durch die tteue Wiedergabe der organischen Natur vortheilhast vor den steifen , unnatürlichen, verrenkten Formen der egyptischen Bildhauerkunst und Malerei