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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-06-20 · Heft 25 (20.6.1876) · p. Seite 400

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 25 (20.6.1876)
Date
1876-06-20
Page
Seite 400 (sequence 6)
Language
German
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400 „Um so auffallender ist eS, daß die Zahl der Mitglieder nicht zugenommen hat. Es sind deren auch jetzt nur 19, indem für einige neu Eingetretene andere ausgetreten sind, wegen Versetzung rc. Der Directiön könnte das, im Hinblick auf weitere Ansammlung des Vermögens und Minderbelastung der Caffe, nur erwünscht sein. Bon den Lehrern und Beamten aber, denen die Caffe eine bis zu zwei Drittel ihrer Diensteinnahme betragende Unterstützung, nicht nur für ihre Hinterbliebenen, sondern auch für sich selbst bei eintretender Krankheit und Invalidität, in Aussicht stellt (§ 18 :c.), ist es unbegreiflich, daß sie nicht die Gelegenheit benutzen, gegen einen verhältnißmaßig geringen Beitrag sich für die Zukunft zu sichern. Die Gemeinden ihrerseits sollten ernstlich darauf hallten, daß alle ihre Beamtender Caffe beitreten, um sich gegen schwere Belastung zu schützen, die definitive Anstellung und die Berheirathung der Lehrer auch in kleineren Gemeinden zu ermöglichen und damit ihre Stellung zu heben und der Lehrernolh auf das Wirksamste abzuhelfen. Eine Zahlung der betreffenden Beiträge aus der Gemeindecaffe würde sich zu dem Behufe eben so sehr empfehlen, als Uebernahme fester, wenn auch mäßiger Beiträge auf das Gemeinvebudget — was leider! wie die Uebersichl ergiebt, bis jetzt nur von wenigen Gemeinden geschehen ist." Warmbruuu, im Mai. (Privattnitth.» Die hiesige jüd. „Bade-Armencaffe" veröffentlicht ihren 31. Jahresbericht, der in Einnahme und Ausgabe mir 1288 Mark abschließr. Dazu tragen 21 jüdische Gemeinden und 14 jüdische Krankenpflege- Vereine bei, ohne deren Mithülfe die Caffe nicht bestehen könnte, da sie die von Herrn Laster erträumten Stiftungen und Capitalien nicht besitzt. Die Verwaltung legt Folgendes dem menschenfreundlichen Publikum an's Herz: „Wir bemerken, daß in vergangener Badesaison dreiunddreißig arme jüdische Badegäste die hiesigen Bäder besucht, und durch unser wohlrhätiges Institut mit freier Stur und den nöthigsten Bedürfnissen zum Lebensunterhalt versorgt worden sind. Wieder haben wir Badesaison und die armen Kranken, welche die hiesigen Heilquellen zur Herstellung ihrer Gesundheit besuchen müssen, werden auch diesmal nicht ausbleiben, wir wenden uns daher hiermit wieder an die Wohllöblichen Vorstände der jüdischen Gemeinden und Wohlrhätigkeitsanstalten. sowie an unsere Glaubensgenossen mir der sehr dringenden Bitte: Unsere Bade-Armencaffe mit milden Beiträgen zu unterstützen, und es uns dadurch zu ermöglichen, den armen kranken Glaubensgenossen, wie bisher, die nöthige Unterstützung gewähren zu können. Das Bestreben, endlich auch hier ein jüdisches Hospital für unsere kranken Glaubensgenossen errichtet zu sehen, wird dieses Jahr in Erfüllung gehen, und soll mit dem Bau desselben in Kurzem begonnen werden. Die Liebesgaben, die vor einigen Jahren so reichlich dazu gefloffen, haben durch die ungünstigen Zeitumstände fast ganz aufgehört und besitzen wir nur die Mittel zum Bauplatz und Bau nebst Einrichtung des Hospitals, wohingegen die Fonds, von deren Zinsen die Unterhaltung der armen Badegäste geschehen soll, uns leider noch fehlen, doch hoffen wir auf bessere Zeit, wo dann die Sammlungen dazu wieder beginnen werden, um endlich doch das Institut mit dem nöthigsten Unterhalwngsfond für ewige Zeiten gesichert zu haben." Berlin, 7. Juni. (Privatmittheilung.) Man erzählt sich hier, daß die orthodoxen Separatisten damit umgehen, Herrn Lasker für das Austrillsgesetz und dessen Vertheidigung ein Ehrengeschenk darzubringen, nämlich eine schöne Ausgabe des Schulchan-Aruch in tieffchwarzem Sammeteinband, auf der Vorderseite mit goldenen Lettern die Inschrift: rnrb tits iy n»Tn rwnn (4 Mos. 14, 27). „Wie lange noch willst Du dieser bösen Gemeinde angehören?" und auf der Rückseite: riir777 77^77 -siriv 773-iTf (4 Mos. 17, 10) „Hebel Euch hinweg aus der Mitte dieser Gemeinde!" Wie Herr Lasker dieses wohlgemeinte Geschenk aufnehmen wird, weiß man noch nicht. — — . Nichts hat in Berlin mehr Schaden genommen, als die Baukunst, sowohl in ästhelischer als in technischer Beziehung. Trotzdem die neue Synagoge, das Meisterwerk des verstorbenen Baumeisters Knoblauch, erst seit 12 Jahren besteht, so ist sie schon hier und da reparaturbedürftig. Besonders an den Kuppeln hat sich der zerstörende Einfluß unseres nordischen Klimas geltend gemacht und die jüdische Gemeinde sieht sich daher genothigt. um weiteren Zerstörungen enlgegenzuarbeiten, umfaffende Reparaturen vornehmen zu laffen. Die aus Holz und Zink hergefteüten kleinen Kuppeln ruhen auf profolirten Sandsteinsockeln von etwa 40 Cenlimeter Höhe; der Sandstein ist nun wasserdurchlässig, so daß die darunter liegenden Schichten der gelben Mauerziegel durch Wasser und Frost stark mitgenommen sind. Um die Mauern gegen die fernere vernichtende Wirkung des durchsickernden Wassers zu schützen, giebt man jetzt den Sockeln einen Anstrich von Wasserglas und ersetzt die verwitterten Stellen des Mauerwerks durch neue Backsteine und Cementmörtel. Ob dieses Mittel für längere Zeit Vorhalten wird, ist sehr zweifelhaft. Man spricht sogar von der Abtragung der Kuppel, wodurch das Gebäude seiner schönsten Zierde beraubt würde.1) Bischofsheim (Baden), im Mai. <Privatmittheil.) Im Gegensätze zu den verschiedenen Kundgebungen von Gehässigkeiten und Intoleranz gegen die Juden, hervorgerufen durch die Hetzereien der ultramontanen Presse, kann ich von hier aus nur Beweise der friedfertigsten Gesinnungen und der gegenseitigen Achtnng mittheilen. Es handelt sich nämlich um die Anlegung eines neuen jüdischen Friedhofs. Bisher gehörte die jüdische Gemeinde Tauberbischofsheim zu dem Friedhofsverbande Rülsheim, einem 1» Eine;üngst durch die ZeiMngen geflogene Ente von dem Ferien» aufenrhatle eines Judenknaben im kronprinzlichen Palais:c., haben wir nichr ausgenommen, da der „Staats-Anzeiger" die Mitcheilung als erfunden bezeichnet hat. Redaction.

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