Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 25 (20.6.1876)
- Date
- 1876-06-20
- Page
- Seite 399 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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399 schiedenheit der Charaktere tritt nickt hervor und alle Personen reden dieselbe Sprache. Ist diese Dichtung daher zur Aufführung völlig ungeeignet, so vermag sie auch als Buchdrama das Interesse des Lesers nicht zu erhalten. Dabei ist dieselbe dennoch in einem Geiste gehalten, und in einer Ausdrucksweise, die uns Achtung vor dem Verfasser einflößt. Bonn, 3. Mai. Nicht geradezu veranlaßt, doch gefördert durch die vor Kurzem stattgefundene 50-jährige Jubelfeier des israelitischen Tempels in Wien, erschien folgende Schrift: Geschichte der Juden in Wien (1156—1876) von G. Wolf. Wien 1876. Alfted Hölder. Der gesch. Verfaffer hat die Geschichte der Israeliten in Wien bereits in früheren Schriften theilweise bearbeitet, wie: „Vom ersten bis zum zweiten Tempel, Geschichte der israelitischen Cultusgemeinde in Wien 1820—1860, Wien, 1860; die Juden in der Leopoldstadt, Wien 1864; das hundertjährige Jubiläum der israelitischen Cultusgemeinde in Wien, Wien, 1864; zur Geschichte der israelitischen Cultusgemeinde in Wien, Wien, 1865." Was er nun in diesen Einzelschriften gegeben, faßt er im vorliegenden Werke, deffen Ausstattung wir schon hier als eine vorzügliche bezeichnen wollen, zusammen, ergänzt und vervollständigt es, und schafft es zu einem übersichtlicken Gemälde um. Auf archivalische Forschungen sich stützend, mit unermüdlichem Sammlerfleiß ausgerüstet, hat er ein reiches Material zusammengehäuft, und weiß daffelbe mit Geschick zu benutzen, zu vertheilen und zu beschranken. Wir brauchen hier nicht auf die Wichtigkeit solcher Monographien für die geschichtlichen Gefammtstudien hinzuweisen; auch nicht auseinanderzusetzen. wie die Gesckichte einer solchen bedeutenden Gemeinde uns ein Spiegelbild der Geschichte des ganzen Stammes nach außen und nach innen darbietet. Hierzu möchte gerade die Geschichte der Wiener Gemeinde besonders geeignet gewesen sein. Denn abgesehen davon, daß sie sich über 7 Jahrhunderte erstreckt (1156— 1876) — vor dieser Zeit waltet nur die Sage vor — hat diese Gemeinde den mannichfaltigsten Wechsel von Niederlaffung, Vertreibung und Wiederzulasiung, selbst bis zur neuesten Zeit, wo die österreichische Berfasiung mit ihren Grundrechten gegeben, aufgehoben und wieder hergestellt wurde, die eigenthümlichste Entwickelung der sie betreffenden Gesetzgebung mit den sonderbarsten Zwischenfallen erfahren, mußte in einem immerwährenden Kampfe bestehen bleiben, und sah zuletzt ein sich überstürzendes Wachsthum, dem die Organisation und die Hülfsmittel nur schwer folgen konnten. Mes dies schildert der Verfaffer in einfachem Tone, mit historisch-kritischer Genauigkeit. Was wir vermissen. ist eine Eintheilung dieses großen Zeittaumes nach verschiedenen Capiteln. Hierdurch ist die Uebersicht erschwert und der Charakter der verschiedenen Zeilen nickt genug hervorgehoben. Ein genaues Register erleichtert das Nachschlagen. Wichtige Beilagen vervollständigen das Material. Jntereffant ist der „Schluß", welcher (S. 215—230) diejenigen Wünsche und Ziele bespricht, welche der gegenwärtige thatsächliche Zustand der jüd. Cultusgemeinde in Wien zu eifrigem Anstreben stellt. Diese lauten im Allgemeinen dahin, daß der jüdische CultuS eine Subvention von Seiten des Staates erhalle, und daß die Referenten der Centralstellen in jüdischen Cultusangelegenheiten entweder Juden, oder mindestens Personen, welche genau Juden und Judenthum kennen, seien. In den innern Angelegenheiten ist der frühere Gebrauch, Jahresbericht und Caffagebahrung zu veröffentlichen, wieder aufzunehmen, der Religionsunterricht, der jetzt in Unordnung gerathen, zu organisiren, eine Anstalt für die Wissenschaft des Judenthums wie in Berlin und Breslau zu schaffen. Ferner meint der Verfaffer, daß bei den so sehr verschiedenen Elementen, aus welchen die Gemeinde besteht, und die beständig durch Zufluß von außen anwachsen, sowohl eine größere Synagoge für die conservaliven. als auch ein vorgeschrittenerer Gottesdienst für die reformistischen Mitglieder hergestellt werden müsse. Hinsichtlich der Wohlthätigkeitsanstalten äußert der Verfasser den Wunsch, daß die Vereine mit gleichen Zwecken untereinander eine Verbindung haben müßten, damit nicht der eine HülfSbedürftige zu viel, der andere zu wenig Unterstützung erhalte. Gerade durch diesen „Schluß" erhöht der Verfasser die besondere Bedeutung, welche eine solche Monographie hat, nämlich, unmittelbar auf die Monographirten zu wirken, ihnen den Weg ihrer eigenen Vorzeit zu zeichnen und das Bewußtsein der Gemeinschaft, zu der sie gehören, mit all' ihren Vorzügen und Pflichten zu klären. Der Verfasser hat sich hierdurch ein dauerndes Verdienst um die israelitische Cultusgemeinde in Wien erworben. — Zur Ergänzung der obigen Schrift erwäbnen wir hier eines früher erschienenen Merkchens, das uns jetzt erst zugekommen, nämlich: Die Cultusgemeinde der Israeliten in Wien mit Benutzung des stattstischen Volkszählungsapparates vom Jahre 1869. Dargestellt von Ignaz Jeiteles. Wien, 1873, Rosner. Dasselbe enthält außer einigen geschichtlichen Rückblicken auf die Carolinische, Theresianische und Josephinische Regierungszeit ein statistisches Bild der Cultusgemeinde mit speciellen Tabellen, sowie allen Anstalten der Gemeinde. Interessant ist der Anhang, eine Berufstabelle mit detailliner Darstellung. 2oettiut^| du/öcc&txcßteii/. Deutschland. Hannover, im Mai. (Privatmitth.) Die „Unterstützungscasse für jüdische Lehrer, deren Wittwen und Waisen in der Provinz Hannover" hat ihren zweiten Rechenschaftsbericht über die Jahre 1873—187 5 ausgegeben. Derselbe schließt mit einem Vermögen von 29,688 Mark, indem alle Einnahmen bis zum 1. Juni 1876 zum unantastbaren Vermögen geschlagen und erst von dieser Zeit an Unterstützungen gezahlt werden. Der Bericht macht hierzu folgende Bemerkung: