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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-06-13 · Heft 24 (13.6.1876) · p. Seite 387

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 24 (13.6.1876)
Date
1876-06-13
Page
Seite 387 (sequence 9)
Language
German
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387 von ihrer Religion zu wissen. Ohne Religion steht man ja doch auf keinem andern als auf heidnischem Standpunkte. Da die betreffende Schülerin durchaus, nichts zeigen konnte, auch eine andere, eine 16-jährige, das Schwarze Meer auf dem Himalaha und den Kaspisee in Kamtschatka suchte, so wies ich beide mit demjenigen Grade von Unwillen weg, den jeder billig Denkende in solchem Falle gerechtfertigt finden wird, und setzte meinen Unterricht mit den übrigen Schülerinnen fort." Diese Schilderung bedarf keines Commentars. Giebt sich auch in der Schrift des Herrn Rudolph zu erkennen, daß er von einiger Voreingenommenheit gegen die Juden nicht frei ist, so kann man sich doch lebhaft die Entrüstung eines alten Lehrers denken, dem eine solche Erscheinung plötzlich und bisher unerlebt vor die Augen tritt, und wer, der für religiöse Jugenderziehung empfindet, checkte diese Entrüstung nicht? Daß übrigens dieser alte Lehrer erst jetzt und zufällig von einem solchen Zustande erfährt, bezeugt, daß er bei seinen jüdischen Schülerinnen die Religion durchaus aus dem Spiele gelassen, wie es dem Lehrer der Geographie und Aesthetik zukommt. —. Die Großloge der National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln" hat jüngst über die auf's Neue an sie herantretende Frage wegen Aufnahme von Männern jüdischen Glaubens zu entscheiden - gehabt. Die betreffenden Anträge sind indessen auch diesmal abgelehnt worden, und zwar gegen eine starke Minorität, welche besonders aus den Stimmen rheinischer Tochterlogen bestand. Frankreich. Paris, 26. Mai (Privatmitth.» Aus dem soeben erschienenen Maiberichte der „Alliance israelit. universelle" heben wir einige intereffante Daten heraus. Der Präfekt des Distriktes von Dorohör (in Rumänien) hat durch ein Rundschreiben alle Grundbesitzer seines Distriktes aufgefordert, dem Staate nachzuahmen und ihre Besitzungen nicht mehr an die Israeliten zu verpachten. Er habe, sagt er, allen Unterpräfekten strenge Weisungen gegeben, damit diese Beamten die Gesetze, welche den Juden den Verkauf von Getränken und den Aufenthalt in dev ländlichen Gemeinden verbieten, in aller Strenge ausführen und ihr Veto gegen alle Geschäfte, selbst für die Gemeinden vortheilhaft einlegen, welche diese mit den Juden abschließen könnten. Freilich hat Se. Exz. der Herr Minister Florescu versprochen, sofort Maßregeln zu ergreifen, um den Austreibungen, die bereits an mehreren Punkten jenes Distriktes stattgefunden haben, Einhalt zu thun; aber man weiß leider, was solche rumänische Verheißungen werth sind.i) — Es ist ausgefallen, daß jetzt der 1) Der in Bukarest erscheinende „Hajoetz" theilt mit, daß auf Einschreiten des Herrn Peipolto der Minister Florescu die einstweilige Suspension des erwähnten Präfecturbefehles, durch den mehr als tausend Familien betroffen würden, angeordnet habe. Die Redaction. türkische Staatsrath, entgegen einer langjährigen Ueberlieferung, kein israelitisches Mitglied enthält. Verschiedene Schritte sind wegen dieses Gegenstandes von dem Comi.16 der „Alliance" in Konstantinopel und von dem Großrabbiner dieser Stadl unternommen worden. In Konstantinopel hat sich unter dem Vorsitze des Herrn B. Coen ein „Israelitischer Wohlthätigkeitsverein" gebildet, dessen Zweck hauptsächlich ist: „eine möglichst große Anzahl von Knaben in die Lehre zu geben und während der ganzen Lehrzeit mit Kleidung und allem Röthigen zu versehen". Auch der wegen seiner großartigen Wohlthätigkeit berühmte Baron Hirsch hat sich erboten, der Beförderung des Handwerks unter den türkischen Israeliten seine pekuniäre Beihülfe zu Theil werden zu lassen. Paris, I. Juni (Arch. isr.) Bei der jüngsten Bewegung in der Administration sind auch mehrere Unterpräfekten jüdischer Religion versetzt worden; so Herr Levylier, Unterpräfekt von Bitry-le-FraN'.-ais nach dem Bezirk von Reuvchüteau (Vogesen), Herr Pinöde in den Bezirk von St. Claude (Jura); Achille St. Paul, Dr. der Rechte, wurde Generalsekretär der Präfektur Loire et Cher in Blois. — Die diesjährige Kunstausstellung (Salon» enthält eine verhältnißmäßig nicht geringe Anzahl von Gemälden jüdischer Künstler. Die Archives bringen eine Auszählung und Kritik derselben. Es ist jedoch nichts Bedeutendes darunter. Der jetzt überall graffirende Mangel an großartigen Vorwürfen, an höheren Aufgaben und Zielen macht sich auch hier geltend. Nichts als Genrebilder mit höchst gleichgültigen Gegenständen, an welche die sorgfältig realistische Darstellung vergeudet ist. Kein einziges dieser Bilder stellt einen Gegenstand aus der jüdischen Geschichte und Sitte dar. Der Berichterstatter der Archives leitet dies von dem Mangel an Käufern derartiger Sujets her, und fordert die Consistorien auf, die Schulen, Sitzungssäle u. s. w. mit Bildern aus der jüdischen Welt zu versehen. Jndeß lehrt die Kunstgeschichte, daß es nur die handwerksmäßige Produktion ist, welche durch die gesteigerte Nachfrage gefördert wird. Der wahre schöpferische Genius wartet nicht so lange. Die Bilder des Prof. Oppenheim zu Frankfurt a. Main und einige andere Piecen haben durch ihre außerordentliche Verbreitung, die sie fanden, gezeigt, daß es nur darauf ankommt, etwas Gutes zu produziren, um auch gewürdigt zu werden. — . Die Deputirtenkammer hat die Vorlage des Ministers Waddington, welche die Ertheilung der Grade wieder den Staats- Universitäten allein zuweist, und die gemischte Commission aus Lehrern der Starts- und der katholischen Universitäten, welche das Gesetz der Nationalversammlung vom vorigen Jahre eingesetzt hatte, wieder aufhebt, mit 333 gegen 143 Stimmen angenommen. Es versteht sich, daß die ultramontanen Wortführer Inunmehr den Culturkampf auch in Frankreich als ausgebrochen I ansehen. 24

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