Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1876)
- Date
- 1876-05-23
- Page
- Seite 342 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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342 Ewigen treu zu bleiben. Ebenso that ein Greis, R. Samuel b. Mordchai. Hierauf zogen die Herumirrenden und Stadler in die Stadt, in den Hof eines Geistlichen. Dort hatte sich der Gemeindeeinnehmer, Mar David b. Nathaniel, versteckt, er, seine Frau und Kinder. Der Geistliche sprach zu ihm: „Siehe, von den Juden sind nur die übrig geblieben, die die Taufe angenommen haben. Taufe dich und du bist gerettet." Er erwiderte: „Geh hin und sage zu den Herumirrenden, sie möchten daher kommen." Er that es, und niehrere Tausende versammelten sich um das Haus. Da rief ihnen Mar David zu: „Ich vertraue auf Len Ewigen. Wenn ihr mich getödtet habt, so wird meine Seele im Paradiese ruhen, ihr aber werdet in die Hölle fahren." Und sie tödteten ihn und alle seine Angehörigen. — Ebenso verfuhren sie mit einem andern Maune, der in seinem Hause geblieben war, R. Samuel b. Naamon. Als er ihr Verlangen, sich taufen zu lasten, verneinte, erschlugen sie ihn und seine Angehörigen. — Ich habe hier einige Märtyrer mit Namen 1&) angegeben. Was hingegen andere Gemeinbeglieder, insbesondere die Führer der Gemeinde für die Einheit des Königs aller Könige gesprochen und gewirkt haben, wie Rabbi Akiba20) einst gethan, ist mir nicht näher bekannt geworden. — Gott erlöse uns von dieser Trübsal. — Anmerkungen des Einsenders. 1) Diese Absicht scheint wenigstens bei dem Bischof nicht vorhanden gewesen zu sein, wie dies aus den gleich nachfolgenden Worten hervorgeht. 2) y'-ar.n cpcaV) eig. heißt es: u. zuletzt wurde er sauer; allein wir finden den Ausdruck schon im Talm. r. haschana 3 b bildlich in der Bedeutung von „schlecht" gebraucht. — Ueber das Verhalten des Bischofs Rutharr sind die Meinungen getheilt. Die Einen beschuldigen ihn, den Ueberfall begünstigt und am Raube Theil genommen zu haben, während die Andern chn von aller Schuld freisprechen. Der Verfaster vorliegenden Berichts, scheint das Richtige mitgetheilt zu haben. „Anfänglich hatte er den Willen, uns zu retten, zuletzt wurde er schlecht." Daß er die Absicht hatte, sie zu retten, beweist die Mannschaft, die er zur Beschützung der in seinem Hofraume sich befindenden Juden aufgeboten hatte. Als aber dieselbe zu schwach war, der großen Maste der Kreuzfahrer Widerstand zu leisten, und als die Juden allesammt theils durch die Kreuzfahrer, theils durch Selbstentleibung umgekommen waren, wollte er ihre Schätze nicht ganz den bluttriefenden Händen des kreuzzüglerischen Gesindels überlasten. Er nahm Theil am Raube und wurde deshalb später von Heinrich IV. zur Rechenschaft gezogen. 3) rinav: Ruhm, es könnte jedoch auch ein im Talmud vorkommendes chaldäisches Wort sein und Gewinn, Vortheil bedeuten. 4) Man müßte solchen Blödsinn für ein Mährchen halten, fände er sich nicht anderwärts bestätigt. Grätz (Gesch. d. I., B. VI, S. 102) erzählt von den Wallfahrern unter dem französischen Ritter, Wilhelm dem Zimmermann: „Sie hatten eine Gans und einige Ziegen, die sie vor sich gehen ließen, und von denen sie fest glaubten, sie seien vom heiligen Geiste angehaucht und würden ihnen den Weg nach Jerusalem zeigen". 5) Das Eingeklammerte habe ich supplirt. Der ganze Absatz ist dunkel. Man weiß selten, wer das Subject der Handlung ist. 6) Die hier erzählte Begebenheit ist sehr dunkel. Meines Erachtens soll sie den Gedanken darstellen: man habe mitten in der Nacht eine weinerlich-betende Stimme von abgeschiedenen Seelen vernommen, und dies habe man als ein böses Omen angesehen. — 7) Daß dieser Emicho, Graf von Leiningen, ein Bösewicht war, bezeugen die Historiker. Schlosser (Weltg. B. 5) nennt ihn roh, gewaltthätig; H. von Sybel (a. a. O. S. 245) nennt ihn grausam, tyrannisch, und Grätz (a. a. O. S. 105) gewissenlos, blutdürstig. Dieser Graf Emicho hauste in der Gegend von Mainz. Der Auswurf der englischen, flanderischen, französischen und lothringischen Völker versammelte sich daselbst unter seiner Anführung, so daß seine Scharr auf 14,000 Kreuzfahrer anwuchs. Auch Wilhelm der Zimmermann, Vicomte von Melun, dieser rohe, gewaltthätige Mensch, der durch Plünderung französischer Bauer sich die Mittel zum Zuge erworben hatte, war zu Emicho gestoßen. Dieser Emicho soll auch derjenige gewesen sein, welcher den Plan zur Vertilgung der Juden zuerst entworfen und als zündenden Funken unter die verwilderten Kreuzschaarern geschleudert habe. 8) Im Ms. heißt es: ms» rais worunter ich 400 Golddenare verstand, weil diese Münzsorte seit den Karolingern stark im Umlauf war. 9) Dieser Meschullam ist wahrscheinlich der bekannte fruchtbare Pajetan, der zu den Lehrern Raschi's gezählt wird. 10) Dieser Menachem könnte vielleicht der in Tosaphot vorkommende sein, doch ist dies ungewiß. Sein Vater R. David Halevi ist der Berf. der bekannten Selicha 'in-nx 'rt, welche die Kreuzzugsschrecken zum Thema hat. 11) Der Verfasser unterbricht hier häufig die Erzählung von dem Geschehenen mit dem Ausdrucke des tiefsten Schmerzes, den sein Herz empfindet, und mit Worten des Trostes, die er den Märtyrern in den Mund legt. Er beklagt es, daß mit der Hinschlachtung so vieler ftommer und mitunter gelehrter Männer der Glanz beS Thorastudiums sich verdunkelt habe, Demuth, Frömmigkeit und echte Wohlthätigkeit geschwunden seien. „Sonne und Mond, ruft er aus, warum habt ihr euer Licht nicht entzogen denen, die den Namen Israel austilgen wollten?" Die Märtyrer läßt er sagen: wir vertauschen dieses Leben der Noth, Finsterniß und Vergänglichkeit mit dem Leben der Freude, des Lichtes und der Ewigkeit. Sein Styl erinnert an die Dichter der Buß- und Klagelieder (mrpi nirrbö.) Des Zusammenhanges und der Abkürzung willen, habe' ich diese eingefügten elegischen Stücke weggelassen. 121 Elieser b. Nathan berichtet in seinem Martyrologium, in dem Schatzhause des Doms ( oirrn. ba -iurismaa) hätten sich an diesem Tage 60 Personen gerettet, die vom Bischof nach dem Rheingau gebracht, aber später auch von den Feinden erschlagen worden wären. 13) Dieses Wort 'Vs:-"» war mir unerklärlich. 14) Dieser Ausdruck ist hier anticipatorisch zu fassen; denn erst in der Folge pstegt man die Märtyrer Heilige zu nennen, gegen den Geist des Judenthums, das nur Einen als heilig anerkennt, d. i. Gott.