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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-05-23 · Heft 21 (23.5.1876) · p. Seite 341

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 21 (23.5.1876)
Date
1876-05-23
Page
Seite 341 (sequence 13)
Language
German
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341 an. Auch er wollte zum Grabe Christi gehen. Er war unser I müffen." — Und die Geschlachteten und die Sichselbstentleibten grausamster Feind, ein Wüthrich, der weder den Greis noch den lagen in den Zimmern in langen Reihen, und das Blut strömte Säugling und Kranken verschonte, Alle tödtete. — Und sie zu den Zimmern hinaus. Und als die Feinde die Thüren zerbrochen lagerten außerhalb der Start zwei Tage lang. hatten und in dieselben eindrangen und die Juden sich im Blute Da sprachen die Häupter der Gemeinde: „Wir wollen ihm wälzend fanden: da zogen sie ihnen die Kleider aus, nahmen (Emicho) Geld senden und durch ihn an die Gemeinden schreiben, deren Geld und schlugen die noch Uebriggebliebenen todt. daß sie ihn gut aufnehmen möchten, vielleicht hilft dieses." — Nur Ein Zimmer widerstand durch seine Festigkeit ihren Sie hatten bereits zwecklos gegen 400 Halbes (vielleicht halbe Angriffen bis gegen Abend. Als nun die Heiligen ") daselbst Golddenare) an den Bischof, Statthalter, an die Beamten und sahen, daß die Feinde stärker als sie waren, da rafften sich die Städter verschenkt gehabt. — Männer und Frauen auf, schlachteten zuerst ihre Kinder, dann Und es geschah am 3. Siwan, Mittags, da rückte der sich gegenseitig. Und es warfen Frauen Steine durch die Fenster Bösewicht Emicho mit seinem Heere gegen die Stadt heran, und auf die Feinde, und diese schleuderten Steine auf sie, so daß die Städter öffneten ihm die Thore. Und es sprachen die Feinde diesen Gesicht und Leib zerfleischt wurden. Darunter befand sich Gottes, Einer zum Andern: „Sehet, die Thore sind von selbst auch eine sehr geachtete Frau, Rachel, Tochter des R. Isaak b. aufgegangen, das hat Christus gethan, um Rache an den Juden Ascher. Sie sprach zu ihrer Freundin: „Ich habe vier Kinder, nehmen zu können." Und sie zogen mit ihren Fahnen vor das j Auch sie sollt ihr nicht verschonen, damit sie nicht im Jrrthum Thor des bischöflichen Palastes, worin die Juden versammelt waren. Und als die heiligen Männer die große Menge erblickten, stärkten sie sich im Vertrauen auf Gott und bewaffneten sich, von Groß bis Klein, und Rabbi Kalonimos b. Meschullam") stand an ihrer Spitze. Daselbst war auch ein Chassid, einer der Größten des Zeitalters, R. Menachem 10) b. Rabana R. David Halevi. Dieser sprach: „Ganze Gemeinde! Heiliget den Namen Gottes, des ehrfurchtsvollen! Eure Väter sprachen um diese Zeit (der Gesetzgebung auf Sinai): „„Wir wollen vollbringen und gehorchen."" Und sie riefen laut aus: Ewige, unser Gott, ist einzig-einig." — erzogen werden." Ein Schlachtmeffer wurde von einer Freundin herbeigeholt und die vier Kinder: zwei Söhne, Aaron und Isaak, und zwei Töchter, Bella und Matrone'-'), wurden geschlachtet. Und die Herumirrenden, die sie bei ihren Kindern sitzen, klagen und weinen fanden, erschlugen auch sie.'") Hierauf warfen sie alle Ermordeten, Geschlachteten, Sichselbstentleibten aus den Fenstern hinaus. Das thaten sie in allen Gemächern. Und es entstanden viele Haufen von Leichnamen, so hoch wie Berge.'') Und unter den zu den Fenstern Hinausgewor- „Höre Israel, der l fenen waren manche, welche noch Leben in sich hallen. Sie winkten mit ihren Fingern: „Gebet uns Waffer!" Aber die Und") sie (die Juden) näherten sich dem Thore und!Herumirrenden, die dies merkten, fragten sie: „Wollt ihr euch kämpften daselbst mit den Herumirrenden und den Städtern; j taufen?" Und da sie es mir Kopfschütteln verneinten und ihre aber die Sünden verursachten, daß die Feinde siegten und das Thor eroberten.' Und die Leute des Bischofs, welche den Juden versichert hatten, ihnen Beistand zu leisten, waren die Ersten, welche die Flucht ergriffen, sie waren unzuverlässig. Da drangen denn die Feinde in das Thor und erschlugen Alle, die sie hier fanden, darunter auch R. Isaak b. Moses. — Nur 53 Personen 12), darunter Kalonhmos, flohen durch die Gemächer des Bischofs, bis sie in ein langes Gemach kamen, das man -W« I3) hieß, woselbst sie blieben. Und als die Juden sahen, daß Rettung unmöglich sei, schrien sie: „Auf, laffet uns nicht zögern, die Feinde sind gleich da, laffet uns unS selbst opfern vor unsrem Vater im Himmel! Wer ein Schlachtmeffer hat, komme und schlachte uns zur Heiligung des Namens des Einen-Einzigen; alsdann durchbohre er sich selbst. Und sie schlachteten sich gegenseitig. Männer schlachteten ihre Frauen und Kinder. Manche Frauen warfen den Feinden Geld zu, um sie so lange aufzuhallen, bis sie ihre Kinder geschlachtet hätten. Zärtliche Mütter erwürgten ihre Kinder und zeigten deren Gesichter den Feinden. Jünglinge und Jungftauen schauten durch die Fenster und riefen den Feinden zu: Augen zum Himmel aufschlugen, wurden sie vollends getödtet. — Nachdem dies vorüber war, gingen die Herumirrenden mit ihren Fahnen in den Hof des Statrhalters, das ist der Burggraf "), wo der übrige Theil der Gemeinde war. Und sie eroberten den Eingang des Hofes, kämpften mit ihnen und erschlugen auch sie. Daselbst war ein Mann, Mar Chelbo b. Moses. Dieser sagte zu seinen zwei Söhnen: „Nun ist das Paradies und auch die Hölle offen, wählet!" Und sie wählten Ersieres. Hierauf wurden sie sammt ihrem Vater erschlagen. Auch eine Thorarolle fanden die Herumirrenden in einem Zimmer daselbst, und sie zerriffen sie in Stücke. Da hoben Männer und Frauen zu klagen und jammern an. „Wie ist doch die heilige Thora, die wir in der Synagoge so hochverehrt haben, jetzt zu Schanden geworden!" Und R. David b. Rabana Menachem sprach: „Zerreißet eure Kleider wegen der heiligen Thorah!" Und sie thaten also. Und gerade fanden sie einen Herumirrenden in irgend einem Zimmer und steinigten ihn. Da bestiegen die Herumirrenden und die Städter den Söller und schoffen mit Pfeilen auf die dort sich befindenden Juden und stachen sie mit Lanzen. Da war ein Mann Mar Jakob b. Sulam, deffen „Sehet, was wir thun, um unsere Gottheit nicht vertauschen zu 1 Mutter keine Jüdin war. Auch er entleibte sich, um dem

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