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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-05-23 · Heft 21 (23.5.1876) · p. Seite 339

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 21 (23.5.1876)
Date
1876-05-23
Page
Seite 339 (sequence 11)
Language
German
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339 tigkeit der Beerdigung klar zu machen. Man erkennt auch hierbei die Gefährlichkeit, jede veraltete Vorschrift, weil sie im Schulchan- Aruch formulirt ist, auftecht zu erhalten, ihre „Weisheit" zu rühmen, und der Gefahr, die sie mit sich bringt, in ungenügender Weise vorzubeugen. Dieses Verfahren har nur zur Folge, daß der eine Theil der Volksmasse bei der alten Vorschrift hartnäckig beharrt, wahrend der andere Theil daran lernt, das jüdische Gesetz überhaupt zu mißachten und sich immer mehr über das ganze wegzusetzen. Ist es nicht eine Verblendung, vurchaus die Unfehlbarkeit und Unveranderlichkeit jeder allen Vorschrift und jedes alten Brauches, die mit dem wirklichen Inhalt der Religion in gar keiner Verbindung stehen, und die erst in einer späteren Zeit entstanden sind, zu behaupten, weil sie einmal schriftlich formulirt sind, und trotzdem das Mißbräuchliche in ihnen über alle Zweifel zu Tage liegt. Türkei. Salouichi, im Mai. Die Mordthal, welche soeben an dem deutschen und französischen Consul durch einen Haufen fanatisirter Muselmänner verübt worden, lenkt die Aufmerksamkeit augenblicklich auf diese Stadt. Sie wird von Juden, Türken und Griechen bewohnt. Wie völlig unsicher alle statistischen Angaben selbst auS der europäischen Türkei sind, ergiebt sich auch betreffs Salonichi. Die „Köln. Ztg." giebt an, daß 30,000 Juden, 10,000 Griechen, 30,000 Türken daselbst wohnen. Der Reisenve Gustav Pauli gab aber jüngst bei einem persönlichen Aufenthalt in Salonichi in einem der Westermannschen Monatshefte an, daß die Zahl der Juden (spanischen Ursprungs) 70,000 sei. „Es können deren auch noch mehr sein; da aber die Judengemeinde ihre Steuer im Pauschquantum bezahlt, so ist sie bemüht, über ihre Stärke ein Dunkel walten zu lasien, um nicht gesteigert zu werden." Am zahlreichsten nach den Juden seien die Griechen und erst nach diesen kämen die Türken. Der Reisende sagt: „Dem viel geriebeneren Griechen gegenüber ist der Jude nur ein Tölpel." Der größte Theil derselben lebt von „schwerer Arbeit"; die Bootsführer und Packträger z. B. sind Juden. Pauli fügt hinzu: „Mancher hat mir mit seinem Sprachenreichthum imponirt; das Spanische, Türkische, Griechische, Bulgarische, oft auch noch daS Italienische spricht jeder jüdische Knabe schon." Prof. Schäfer in Bonn, der vor Kurzem Salonichi besucht hat, meint, daß die Angabe von 100,000 Einwohnern über das Richtige hinausgehe, und schätzt die jüdische Bevölkerung zu zwei Dritteln der gesammten Stadtbevölkerung. Er bemerkt, daß am Sonnabend kein Schiff auf der Rhede von Salonichi wegen der Sabbathruhe der Juden abgefertigt werden könne. London, 7. Mai. Der von einigen Israeliten angeregte Gedanke, in Mißkredit gerochene türkischeObligationen gegen Grundbesitz im heilig. Lande umzulauschen, scheint wenigstens theilweise zur Ausführung kommen zu sollen. Dem Parlamentsmitglied Hammond ist, wie die „Köln. Zeitg." mitcheilt, auf seine vermittelnde Anftage von Seiten der türkischen Regierung die Erwiderung geworden, um Jerusalem und Jaffa sei der Grundbesitz der Krone nur sehr knapp bemeffen; indessen besitze sie an anderen Punkten, im Jordanthale und ebenso in Makedonien, ausgedehnte Ländereien, die allerdings unbebaut zu sein scheinen. Zum Austausch dieser „Schiflicks" gegen Obligationen scheint die Türkei geneigt. Sie würde dadurch einen Theil ihrer Schuld tilgen und zugleich ihr Einkommen durch Steuern vermehren, da die neuen Besitzer das Land doch jedenfalls bebauen würden, also einen doppelten Vortheil erlangen. (Wir betrachten Obiges als Illusion. Gesetzt, es fänden sich in Palästina Juden, die riese Landstriche urbar machen wollten: wer bürgt ihnen nur ein Jahr für ihre Sicherheit? Wer, daß nicht ihre Erträge noch vor der Ernte von den Beduinen geraubt, und die Besitzer nebenbei todtgeschlagen würden? Redact.) Rumänien. Bukarest, 1 o. Mai. Die Rothen sind hier einmal wieder obenauf, und das neue Ministerium hat Johann Bratiano, diesen ärgsten Judenfeind, als Finanzminister in seiner Mitte. Die Aussichten für die Juden in Rumänien sind daher trüber als je. Spanien. Madrid, 5. Mai. Die Petition, welche die Anglo- Jewish-Association in London neulich an den König von Spanien um die Anerkennung der politischen und bürgerlichen Rechte der Juden in Spanien richtete, wurde am 11. April von Baron Lionel von Rothschild nach Madrid geschickt und von Herrn Bauer dem Präsidenten des spanischen Ministerrathes überreicht, damit dieselbe dem König Alfonfo unterbreitet werde. Abschriften der Petition wurden rem Earl von Derby, sowie dem spanischen Gesandten am Hofe von St. James übermittelt. Herr Bauer berichtet nun, daß die Petition eine höchst günstige Aufnahme gefunden habe. (Es ist dies auch unser lebhafter Wunsch, ohne daß wir durch diese Mittheilungen auch nur die geringste Hoffnung mehr fassen.) Schweden. Stockholm, 1. Mai. (Privatmittheil.) Als ein erfreuliches Zeichen der Zeit und der liberalen Richtung, die Preußen seinem jetzigen Culmsminister verdankt, dürfte folgende Angelegenheit auch für weitere Kreise von Interesse sein. Diejenigen jüdischen Schulamtscandidaten, die im vorigen Jahrzehnt im Kgl. kathol. Lehrerseminar in Breslau ihr Examen machten, werden wissen, daß, obgleich sie mit derselben Strenge und in allen Fächern außer Religion mit den christlichen Candibalen zugleich

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