Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-05-23 · Heft 21 (23.5.1876) · p. Seite 334

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 21 (23.5.1876)
Date
1876-05-23
Page
Seite 334 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227069-3227091--34467-3304343
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

334 Äahren von 782 Thlr. auf 5028 Thlr. und die Unterstützungen von jährlich 450 Thlr. auf 1100 Thlr. gehoben. Wir heben aus dem Berichte deS Vorstandes folgende Stelle hervor, welche sich indirect an die Adreffe eines Wiener Profeffors (Billroth) richtet: „Mit erhebendem Bewußtsein mag es alle an unserer Stiftung sich Betheiligenden erfüllen, ein Institut gefördert zu haben, dem der Name Mendelssohn's nicht zum bloßen Aushängeschilde dient. Schon kann unsere Stiftung auf eine nicht geringe Anzahl Solcher Hinweisen, welche, Dank der während ihrer Studienzeit von unserer Seite ihnen gewordenen Unterstützung, einer nützlichen, ehrenvollen und zugleich behaglichen Stellung im Leben sich erfreuen, deren größter Theil, der Unterstützung entbehrend, den Kampf mit den materiellen Schwierigkeiten kaum bestanden hätte und sich und der Welt vielleicht gänzlich verloren gegangen wäre. Jener Cynismus, der nur den mit irdischen Glücksgütern Gesegneten das Recht eingeräumt wissen will, in die Hallen der Wiffenschaft einzutreten, während den Armen ihre Pforten verschlosien bleiben sollen, — in jüdischen Kreisen wird er mit Entrüstung zurückgewiesen. Gegen derartige Stimmen legt das uralte jüdische Wort Protest ein, mit dem Rufe: „Habt wohl Acht auf die Kinder der Armen, denn sie sind es vornehmlich, bei denen die Lehre und die Wissenschaft Wartung und Pflege findet." Dieser Zuruf, er hat in den, Gott Lob, hinter uns liegenden Zeiten des Druckes und der Verfolgung immer Beachtung gefunden; in den menschlicher gewordenen Zeiten darf er ebenso wenig, ja noch weniger überhört werden. — Gerade in einer Zeit, welche die Einsicht gewonnen, daß der Werth des Almosengebens zur Linderung augenblicklicher Noth von den sittlichen Nachtheilen ausgewogen wird, welche das Empfangen von Almosen nicht selten begleiten, und daß es für Geber und Empfänger viel werrhvoller ist, der Armulh zu steuern, als sie durch Almosengeben zu verewigen; in einer solchen Zeit bedarf ein Institut, wie das unsere, keiner besonderen Rechtfertigung, vielmehr glauben wir eine immer größere Theilnahme von Nah und Fern für ein Institut zu erwecken, dessen bisherige Resultate ihm bei richtig Urtheilenden volle Anerkennung und darum auch kräftige Förderung verbürgen." — Der Vorstand konnte sich dieser Worte mir Recht bedienen, denn er hat in den vierzehn Vereinsjahren zusammen 26,823 Mark an Unterstützungen gewährt. Statutenmäßig sind die Unterstützungen nicht an das Bekennlniß der jüdischen Religion gebunden. Unter den 60 Subventionen befanden sich 15 an Hülfsbedürftige christlicher Confession. — Wir können nach diesen Resultaten die Hoffnung aussprechen, daß die Mendelssohn-Stiftung sich dauernd solcher fortschreitenden Entwickelung erfreuen werde. Berlin, 8. Mai. (Privatmitth.) Der Cantor A. Marksohn und der Chordirigent William Wolf allhier haben vor für das Pianoforle" (Leipzig, Breitkopf und Härtel) herausgegeben, ein Werk, das vielfach belobt wird und zu einer verbreitetern Kenntniß unsrer alten Melodien viel beizutragen vermag. Sie übersandten ein Exemplar an Sir Moses Montefiore, und das Antwortschreiben desielben möchte zur Charakterisirung des allverehrlen Greises viele Leser interefsiren. Wir geben es daher hier in wortgetreuer Uebersetzung: East Cliff Lodge, Ramsgate, April 24. 1876. Meine Herren! Ich bekenne mich hiermit zum Empfang des schonen Buches, welches eine Auswahl hebräischer Melodien enthält, sowie des Begleitschreibens. Gestalten Sie mir, Ihnen meinen Dank auszusprechen für die Freundlichkeit, womit Sie mir das Buch übersandten, sowie für die gütigen und ehrenden Empfindungen, mit welchen Sie die Widmung an mich vollzogen. Nehmen Sic gütigst meine Glückwünsche entgegen zu der von Ihnen so vortrefflich besorgten Ausstattung deS Werkes und die Versicherung meiner Bewunderung der künstlerischen Anordnung und Einrichtung rer von Ihnen ausgewahlten alten und neuen Melodien. Es wird mir zum großen Vergnügen gereichen, ein Dutzend Exemplare des Werkes zu erhalten, wofür ich beifolgendes Papier einsende. Ich hoffe von Herzen, daß Ihr Versuch all' den Erfolg haben wird, den er verdient und daß Sie viele Jahre in Glück und Gesundheit leben werden, um bei der Wiederkehr unsrer heiligen Festtage Ihre eigenen Melodien in unfern Synagogen singen zu hören. Ich bin, meine Herren, Ähr ergebener Moses Montefiore. Berlin, 12. Mai. (Privatmiltheil.) Wohin wir blicken, ergiebt sich aus allen Erscheinungen der Zeit ein tiefes Bedauern für den Wahrheits- und Menschenfreund, daß die Periode der Aufklärung weit hinter uns liegt, und einer Epoche der schroffsten Gegensätze, des Vorurtheils und der Feindseligkeit Platz gemacht hat. Ist es doch so weit gekommen, daß auf's Ungescheuteste Alles ausgesprochen wird, was dem Bewußtsein unsrer Zeit geradezu widerspricht, und was das älteste Vorurtheil. so oft es auch widerlegt worden, in der dunkelsten Zeit gepredigt hat. Wir lesen z. B. in der hiesigen Tribüne vom 10. d. im Leitartikel: „Der Gedanke einer Gleichstellung der Christen mit den Muhammedanern bedarf als ethischer Voraussetzung zunächst des Begriffes der Nächstenliebe. Allerdings enthalt der Koran sehr wohlklingende Gebote in dieser Richtung, an denen man erkennt, daß der Muhammedanismus, den Renan die „Wiedergeburt des Judenthums" nennt, durch Aufnahme christlicher Grundsätze seinem Original gegenüber sich sehr veredelt hat. Alle diese einiger Zeit eine „Auswahl alter hebräischer Synagogalmelodien I Gebote der Nächstenliebe aber gelten nach ausdrücklicher Vorschrift

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.