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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-05-23 · Heft 21 (23.5.1876) · p. Seite 333

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 21 (23.5.1876)
Date
1876-05-23
Page
Seite 333 (sequence 5)
Language
German
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333 Bei der Bedeutung, welche die rituale Schlachtfrage fetzt wieder gewonnen, halte ich es für geboten, folgendes Gutachten des Herrn Profeffor Dr. Roloff in Halle zu veröffentlichen. Daffelbe wurde mir, nachdem meine Schrift: ,,Die rituale Schlachtfrage oder Ist Schachten Tierquälerei?" (Aarau, Sauerlander, 1867) im Druck bereits beendet war, durch Herrn Profeffor Dr. R. Gosche, an den ich mich dieserhalb gewandt, eingeschickt und lautet: Halle, den 30. Marz 1867. Hochgeehrter Herr Professor! Dem von Ihnen in Ihrem sehr geehrten Briefe vom 27. huj., an mich gestellten Ersuchen, mich gutachtlich darüber zu äußern, ob das jüdische Schächten für die Thiere schmerzlicher sei als die übrigen Arten des Schlachtens und ob es das Verenden verzögere, gebe ich in Nachstehendem Folge: Das Schächten, welches auf die Weise ausgesührt wird, daß der Schächter mit einem langen, sehr scharfen Meffer die Luftröhre, den Schlund und die an der untern Seite des Halses verlaufenden großen Blutgefäße und Nerven durchschneidet, führt den Tod der betr. Thiere durch Verblutung herbei. Erfahrungsmäßig und nach Gründen der Wissenschaft verenden die geschächteten Thiere etwas langsamer als die nach einer andern üblichen Methode geschlachteten Thiere. Denn nach dem Schächten kann die Verblutung nicht so schnell erfolgen als in Folge des Bruststiches, durch welchen die weit größeren Blutgefäßstämme innerhalb der Brusthöhle und das Herz selbst geöffnet werden, und in Folge von Verblutung tritt der Tod immer langsamer ein, als wenn durch einen heftigen Schlag vor den Kopf oder durch den Genickstich die Functionen der wichtigsten Centraltheile des Nervensystems plötzlich aufgehoben werden. Es ist deshalb auch anzunehmen, daß der Tod durch Verblutung schmerzloser ist als der Tod durch den Kopfschlag oder den Genickstich, weil die Vernichtung der Function des Gehirns den Verlust des Gefühlsvermogens einschließt. Der Tod tritt aber auch nach der Eröffnung der großen Blutgefäße am Halse beim Schächten in kurzer Zeit ein, und was besonders zu berücksichtigen ist, der Bluwerlust aus den Gefäßen am Halse, welche den größten Theil des im Gehirn circulirenden Blutes zu- und abführen, verursacht nach Gründen der Wiffenschast von vornherein durch den im Gehirn entstehenden Blutmangel eine so bedeutende Verminderung des Gefühlsvermögens, daß in Rücksicht auf die etwas längere Dauer des Absterbens und auf die Schmerzen, welche das Thier, wie angenommen werden muß, nur in einem geringen Grade und undeutlich empfindet, die Methode der Tövtung gegenüber den anderen Arten des Schlachtens für eine Quälerei nicht erachtet werden kann. In Berücksichtigung der Thalsache, daß das Schächten immer sehr gut ausgeführt wird und auch leicht auszuführen ist, während bei den übrigen Arten des Schlachtens in Folge ungeschickter Ausführung derselben das Verenden der Thiere häufig verzögert wird, könnte das Schächten sogar als die beste Methode zu schlachten betrachtet werden. Der Umstand, daß bei dem Schächten der Thiere die Centralorgane des Nerven- und Blutgefäßsyfiems nicht virect verletzt und functionsuntüchtig gemacht werden, hat ferner zur Folge, daß an den betr. Thieren vor dem vollständigen Ableben noch länger und stärker als bei den anderen genannten Todesarten krampfhafte Bewegungen stattfinden und daß sie vollständiger ausbluten. In Folge davon wird das Fleisch zwar weniger saftig, aber auch weniger geneigt zur Faulniß und deshalb mehr geeignet für eine längere Aufbewahrung, was ja unter Umständen für die Menschen sehr wünschenswerth und nützlich ist. Aus den angeführten Gründen halte ich das Schächten der Thiere für ein ganz zweckmäßiges und humanes Verfahren, wenn auch die Annahme, daß in dem Blute der Sitz der Seele sei und daß daffelbe deshalb nicht genossen werden dürfe, nicht mehr aufrecht erhalten werden kann. Mit vorzüglicher Hochachtung u. s. w. F. Roloff. Wie mir Herr Oberrabbiner Dr. W. Landau in Dresden jüngst schrieb, hielt dort der Thierarzt Herr Hürich im Verein für Thierschutz vor einigen Wochen einen Borttag, in welchem er wiffenschaftlich und auf Grund der Autopsie nachwies, daß das rituelle Schächten den schnellsten und leichtesten Tod des Thieres herbeiführe und außerdem auch in wirthschaftlicher Hinsicht zu empfehlen sei. Dr. Kayserling. Deutschland. Leipzig, im Mai. (Privatmitth.) sohn-Stiftung", die im Jahre 1861 zur dti/öüC&tlcfabeM/. Jünger der Wissenschaft und Kunst gegründet wurde, hat ihren Bericht über die Jahre 1874 und 1875 veröffentlicht. Dieser Die hiesige „Mendels- Verein zeigt in seinen Mitteln wie in seiner Wirksamkeit ein Unterstützung dürftiger fortschreitendes Wachsthum. Der Fond hat sich in diesen vierzehn

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