Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1876)
- Date
- 1876-05-16
- Page
- Seite 323 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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323 Ieuil Die Judenverfolgungen in den Städten Speyer, Worms nnd Mainz im Jahre 10%, währendes ersten Kreuzzuges. Aus einem hebräischen Manuscripte übertragen von Moses Mannheimer, emerit. Rabbinatsvcrweser in Darmstadt. (Fortsetzung.) Und es geschah, als in Worms die Nachricht angelangt, daß ein Theil der Speyer'schen Gemeinde getödtel worden war, da schrieen sie zu Gott und weinten bitterlich; denn sie sahen ein, daß vom Himmel ein böses Verhängniß über sie beschloffen, dem sie nicht ausweichen konnten, weder nach vorwärts noch rückwärts. Und die Gemeinde theilte sich in zwei Äbtheilungen: die Einen flohen zum Bischos, in desien Schlösser und Burgen, und die Andern blieben in ihren Häusern, vertrauend aus die Zusicherungen der Städter, die zu ihnen gesagt harren: „Fürchtet euch nicht vor ihnen (den Kreuzfahrern); denn wer Einen von euch tödket, der werde mit dem Leben bestraft." Allein die Versicherungen rer Städter waren Worte rer List und Falschheit, geknicktem Rohre gleich, das die Hand beschädigt, die sich darauf stützt. Sie standen den Herumirrenden bei, um uns Namen und Ueberrest auszutilgen. Auch entfliehen ließen sie sie (die Jehudim) nicht; denn die Mitglieder') der Gemeinde halten ihnen ihr Gold zur Aufbewahrung gegeben, darum haben diese sie überliefert (nämlich den Wallfahrern). — Und es geschah am 10. Isar'-) 5. Mai 1096, an einem Sonntag, da faßten sie listige Anschläge. Sie holten einen schon 30 Tage lang begrabenen Leichnam herbei, trugen ihn in der Stadt umher und riesen aus: .,Sehet, was die Juden in unsrer Nachbarschaft gethan haben! Sie haben einen Christen im Wasser gebrüht und dasielbe Waffen in unsre Brunnen geschüttet, um uns zu tobten." Und als die Umherirrenden und Städter dies hörten, da erhoben sie einen gewaltigen Lärm, versammelten alle Waffentragenden und sprachen: ,,Jetzt ist die Zeit gekommen, den zu rächen, den ihre Väter gekreuzigt haben. Nun soll Keiner von ihnen übrig bleiben, selbst Säuglinge nicht in ihren Betten (Wiegen)." Und sie drangen in die Häuser und erschlugen die, welche sich darin befanden: Greise und Greisinnen, Jünglinge und Jungfrauen, sogar Knechte und Mägde. Alle ließen sich tödten zur Heiligung des göttlichen Namens, des furchtbaren und ewigerhabenen, der da herrscht in der Höhe und in der Tiefe. Er war und ist, ewiger Zebaoth ist sein Name. Er ist gekrönt mit den Regeln (Gesetzen) der 72 Namen. :s) Er schuf die Thora 974 Geschlechter (Zeitalter) vor der Erschaffung der Welt. Und 26 Geschlechter vergingen von der Erschaffung der Welt an bis auf Moses, den Vater der Propheten, durch welchen die heilige Thora uns geworden ist. Und dieser Moses war herbeigekommen und hat in dieselbe hineingeschrieben: „Dem i e t o n. Ewigen hast tu kund gethan, sein Volk bleiben zu wollen." Aus ihn und seine heilige Thora wurden sie wie Ochsen geschlagen und aus öffentlichen Platzen und in Straßen umhergeschleift, wie Schafe zur Schlachtbank geschleift werden. Sie lagen da nackt, denn sie (ihre Mörder» hatten sie entkleidet und nackt liegen laffen. — Als nun die Uebriggebliebenen ihre Brüder nackt und die Töchter Israels, die züchtigen und verschämten, nackt da liegen sahen, da sprachen einige von ihnen, der schrecklichen Noch nachgebend: „Laßt uns momentan ihren Willen thun (nämlich die Taufe annehmen>, damit wir unsre Brüder begraben dürfen und unsre Kinder aus ihrer Hand retten." Denn die Herumirrenden hatten die an geringer Zahl übriggebliebenen Kinder ergriffen, um sie zu nölhigen, ihren Glauben anzunehmen; diese hakten es jedoch verweigert, blieben vielmehr Gott, ihrem Schöpfer, treu. Auch die übrigen in den Gemächern des Bischofs sich besinvenden Gemeindeglieder, darunter Häupter (Vorsteher) und Wehlthäter, sandten den (den Mörderhanven der Kreuzzügler) Entronnenen Kleider, um die Getödteten zu bekleiden, und ließen ihnen den (zur Taufe) Gezwungenen-'), Worte des Trostes sagen: „Fürchtet euch nicht und nehmet euch das, was ihr gethan, nicht zu Herzen; denn wenn uns der Heilige, gelobt sei er, aus der Hand unsrer Feinde rettet, so werden wir mit euch fein im Leben und im Tode, weichet nur nicht vom Ewigen" (nämlich in euerem Innern). — Und es geschah am 25. Jjar — 20. Mai 1096, da sprachen die Herumirrenden und die Städter: „Sehet, da sind noch die, welche in den Gemächern des Bischofs übriggeblieben, laßt uns auch an ihnen Rache nehmen!" Und es sammelten sich (Leute) aus den Dörfern in der Umgegend und die Herumirrenden und die Städter und belagerten sie und kämpften mit ihnen (den Juden), und es entbrannte ein heftiger gegenseitiger Kampf, bis Jene die Gemächer erobert hatten, worin die Kinder des heiligen Bundes sich befanden. Und als diese einsahen, daß aus diesem Kampfe kein Entkommen möglich war, da erkannten sie das über sie vom Könige aller Könige verfügte Urtheil als gerecht an und brachten Opfer der Frömmigkeit, indem sie sogar ihre Kinder ergriffen und schlachteten auf die Einheit des göttlichen Namens, mit ganzem Herzen. — Daselbst wurden die Besten der Gemeinde getödtet. — Und es befand sich daselbst (nämlich in den Räumen des bischöflichen Palastes) ein junger Mann, Rabbi Meschullam den Isaak. Er rief allen Umstehenden, sowie seiner Frau Zipporah '), mit erhobener Stimme zu: „Höret mich an. ihr Großen und Kleinen! Diesen Sohn hat mir Gott gegeben, meine Frau Zipporah gebar ihn mir in ihrem vorgerückten Alter, er heißt Isaak. Jetzt will ich ihn zum Opfer bringen, wie dereinst unser Vater Abraham gethan mit seinem Sohne." Aber Zipporah 2o *