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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-05-16 · Heft 20 (16.5.1876) · p. Seite 321

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 20 (16.5.1876)
Date
1876-05-16
Page
Seite 321 (sequence 9)
Language
German
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321 In Carpentras hatte ein Jude eine Christin civiliter geheirathet; diese ist jetzt mit 6 Söhnen zum Judenthume übergetreten. Dasselbe fand mit einem Fräulein Augustine Benedit statt, deren Mutter eine Katholikin gewesen. Schweiz. St. Gallen, Anfangs Mai. (Privatmitth.) Auf meine „Dringende Bitte in der Schächtangelegenheit" gehen die gewünschten Erklärungen über die bezüglich der Bouterole gemachten Erfahrungen nur sehr spärlich und langsam ein und erlaube ich mir daher die Bemerkung hier zu wiederholen, daß der Große Rath schon demnächst — Ende dieses oder Anfangs des nächsten Monats — zufammentreten wird, und somit eine vielseitig rührigere Thäligkeit als wünschenöwerth und erforderlich erscheint. Was die bisher eingelaufenen fachwissenschaftlichen Urtheile betrifft, so lauten dieselben zu unserer größten Genuglhuung recht günstig. Der berümhte John Gamgee, Director der Albert Veterinary College in London, constatirt, daß er bei seiner 1867 abgegebenen Erklärung, daß das Schächten mindestens eben so gut als jede andere übliche Tödtungsart ist, noch heute trotz Bouterole beharrt. Ebenso halt der zu den ersten Veterinär- Autoritäten zahlende Profeffor Gerlach, Director der Thierarzneischule früher in Hannover, jetzt in Berlin, fein damals eingesandtes Urtheil ldaffelbe enthält die schwerwiegenden Worte: das Schächten gehört zur humansten Schlachtmethode und verdient allgemein eingeführt zu werden) im Wesentlichen aufrecht, obgleich er in der Bruneau'schen Methode eine Berbefferung des früheren Kopffchlages sieht. — Der Kreisthierarzt, Herr Adam in Augsburg, weist nach, daß „die Tödtung mittelst der Schlachtmaske keineswegs als eine vollkommene Schlachtmethode anzuerkennen ist, welcher gegenüber die bisher üblichen Tödtungsweisen des Schlachtviehes — somit auch das Schächten — als thierquälerisch verworfen werden müßten." Gewiß, das sind Stimmen, die nicht gezählt, sondern gewogen werden muffen! Indem ich den Herren Oberrabbiner Dr. Adler in London, Landrabbiner Dr. Meyer in Hannover und Districtsrabbiner Dr. Groß in Augsburg für die gütige Vermittelung und Uebersendung obiger überaus werthvollen Documente hiermit auf das Herzlichste danke, gebe ich mich der Hoffnung hin, daß die vom Prediger Herrn Dr. Jellinek in Wien und dem Secretär der Alliance IsraSlite, Herrn Isidor Lob in Paris, mir freundlichst in Aussicht gestellten Gutachten nicht minder günstig ausfallen, und auch die Herren Oberrabbiner in Dresden, Brüssel, Lyon :c. zur Förderung unseres Unternehmens ihr Mögliches thun werden. - Dr. Engelbert. 1) Wir machen auf das Gutachten des Herrn Dr. Hertwig, Professors an der Thierarzneischule in Berlin, iu unsrem Feuilleton Nr. 12 noch einmal aufmerksam. Im Jahre 1867, als in der Schwei; zum ersten Male gegen das Schachten SMrm gelaufen wurde, holte Dr. Spanien. Madrid, 3. Mai. In den Cortes wurde bei der Verhandlung über den Verfassungsentwurf ein von Alvarez zu Gunsten der religiösen Unduldsamkeit eingebrachtes Amendement von dem Ministerpräsidenten Canovas del Castillo bekämpft und sodann mit 226 gegen 39 Stimmen verworfen. Madrid, 4. Mai. Der zu §. 11 des Berfaffungsentwurfs von den Moderados gestellte Gegenantrag auf Einführung der Glaubenseinheil ist, nachdem der Ministerpräsident Canovas del Castillo ihn bekämpft, mit 226 gegen 39 Stimmen verworfen worden. Madrid, 5. Mai. Romero Ortiz, Minister unter Serrano, unterstützte in der gestrigen Sitzung einen Antrag zu §. 11, welcher den entsprechenden Artikel der Verfassung von 1869 betreffs der Religionsfreiheit wieder Herstellen will. Er vertheidigte in ausführlicher Rede diese Forderung, und fragte die klerikale Partei, ob sie denn 39 protestantische Gotteshäuser, die gegenwärtig in Spanien bestehen, schließen und sämmtliche Protestanten aus Spanien vertreiben wollte. Fernando Alvarez antwortet mit ja. Großes Aufsehen. Der Justizminister Martin de Herrera erwidert auf Ortiz' Rede, die nichtkatholischen Secten würden die gleichen bürgerlichen Rechte wie die Katholiken haben. Der Antrag Ortiz wird mir 190 gegen 33 Stimmen verworfen. (Durch diese drei Abstimmungen wurde also sowohl die Glaubenseinheit als die unbedingte Glaubensfreiheit verworfen, und der Artikel 11 in seiner zweideutigen Faffung angenommen. Indessen lehrt der heftige Kampf der päpstlichen Curie und der spanischen Geistlichkeit gegen diesen Artikel 11, daß er immer noch ein Sieg gegen die Ausschließung aller Andersgläubigen und die Glaubensverfolgung ist. Dem Entwickelungsgange wird dieser Art. 11 auch nicht zu widerstehen vermögen.) Rußland. Gumbinnen, 19. April. «Privatmitth.) Gestatten Sie gütigst, da mir sonst jede Gelegenheit hierzu fehlt, an dieser Stelle unsere Glaubensbrüder im nachbarlichen Rußland, in ihrem eigenen Interesse darauf aufmerksam zu machen, daß sie ihrer jüdischen Brief-Correspondenz mit dem Aus lande eine correctere Ausstattung der Ortsangabe nnd Namensunterschrift verleihen möchten, als wie solches bis jetzt der Fall gewesen ist. M. Kayserling, damals Rabbiner in Endingen, Gutachten von den Herren Adam, Dagge, Bouley, Chauveau, Ercolani, Fick, Fuchs, Fürstenbera, Gamgee, Gerlach, Gurlt, Hannover, Haubner, Linbcrg, Leisering, Lundberg, Paume, Probstmayr, Roll, Stennstrup. Thiernessc, Birchow, Zangger u. A. ein, welche sämmtlich für das Schächten ihr Urtheil abgaben. Es wäre wohl angemessen, jetzt von denselben Herren, soweit sie noch am Leben sind, eine Bestätigung ihres Gutachtens, der I Schlachtmaske gegenüber, einzuholen. Redaerion. . ■ 20

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