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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-05-16 · Heft 20 (16.5.1876) · p. Seite 319

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 20 (16.5.1876)
Date
1876-05-16
Page
Seite 319 (sequence 7)
Language
German
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319 Saurier, 3. Mal. (Privalmitch.) Es gereicht mir zur besonderen Freude, Ihnen, wie den Lesern dieser geschätzten Zeitung, folgende Nachricht mittheilen zu können: In der letzten Halste des vorigen Monats sind in unserer Provinz zwei Abgeordnetenwahlen für den Verband der Städte zum Provinziallandtag in zwei verschiedenen Bezirken vollzogen worden und beide sielen auf Männer unseres Glaubens. Für den Verband der Städte der Kreise Schneidemühl und Czarnikau wurde Dr. Davirsohn in Schneidemühl und für den Verband der Städte der Kreise Samter, Buck, Obcrnik und des Landkreises Posen der Kaufmann Herrmann Wolfsohn in Neustadt b. P. gewählt. Beide Herren sind Vorsteher des Stadtverordnetencollegiums und zugleich Vorsteher der Synagogengemeinde. Mir diesen beiden Herren sind nunmehr fünf Abgeordnete jüdischen Glaubens im Provinziallandtag. Gewiß ein glänzender Beweis gegen die Schmähungen rer Agrarier, Ultramontanen und der Dunkelmänner aller Art. Kremm. Oesterreich-Ungarn. Wien, *24 April. iPrivatmitth.) Der Lanresschulrath hat jüngst den Lehrplan für den israelitischen Religionsunterricht für die Mittelschulen (Gymnasien, Realgymnasien und Realschulen) genehmigt. Der Unterricht der Bibel in der Ursprache ist nun officiell bestätigt. Wie ich hörte, hat bei der bezüglichen Berathung der Prälat Scöger für denselben das Wort genommen, und bemerkte unter Anderem: er habe Jahre lang, als er sich für den geistlichen Stand bildete, an der Universitär hebräisch getrieben. Als er später als Schuloberaufsichter jüdische Schulen inspicirte, hatte er Gelegenheit gehabt, sich zu überzeugen, daß die Schüler in een Bolksschulclassen mehr Hebräisch wußten als er.]) In Folge der Zeitverhältnisie, ist die benachbarte Gemeinde Fünfhaus in eine arge Calamität gerathen. Kurz vor dem Ausbruche des „Krachs" erbauten sie ein neues Gotteshaus und nun fehlen die Mittel zu zahlen. Es ist die Gefahr vorhanden, da dasselbe unter den Hammer kommen wird. Die Beamten bekommen schon feit einigen Monaten nicht ihren vollen Gehalt. Wien selbst bbr.n bst rrn-ipn -prn ist aber auch nicht auf Rosen gebettet. Die Beiträge stießen spärlicher ein und soll die Gemeinde für die Parcelle am Centralfriedhofe 300,000 fl. erlegen. Wien, im April. (Privatmittheil.) Eine der wichtigsten Wohlthätigkeitsanstalten in der hiesigen israelitischen Gemeinde ist bekanntlich das „allgemeine österreichische israelitische Taubstummeninftitut", und jeder menschenfreundliche Leser wird demselben seine ungetheilte Aufmerksamkeit zuwenden. In diesen 1) Wie verschieden ist dies von der Behandlung des jüdischen Religionsunterrichts in Preußen! Man räumt ihm hier endlich eine Stelle an den höheren Schulen ein — an den Volksschulen noch gar nicht — und verkümmert sie sofort bis zur Wirkungslosigkeit! * Redaetion. Tagen erschien der 22ste Bericht, der sich über den Zeitraum vom 1. October 1874 bis zum 31. December 1875 erstreckt. Das Institut hat gegenwärtig 106 Zöglinge, nämlich 63 Knaben und 43 Mädchen, von welchen 30 von der Anstalt unentgeltlich unterhalten werben. Dennoch bietet uns das „Vorwort" nicht ganz das erfreuliche Bild, das wir wünschten; es heißt in demselben : „In vem Berichte selbst werden Sie kaum den nachtheiligen Einfluß, welchen die allgemeine Geschäftscalamität auf die öccnomische Lage selbst dieses, der wärmsten Sympathien sich erfreuenden Humanitären Institutes zu üben vermochte, verkennen, zumal Sie eine Wenigereinnahme von fl. 4398.20 bemerken werden." „Viele Aufnahmsbewerber mußten zum tiefsten Bedauern des Vorstandes in Ermangelung der materiellen Mittel wieder abschlägig beschieden werben; ungeachtet es kühn behauptet werben darf, daß es nicht blos einen moralischen Verlust zu bedeuten hat, wenn den vom Geschicke hartbedrangten Erziehungsbedürftigen die Hülfe versagt werden muß, sondern mit jeder Abweisung der Aufnahme eines taubstummen Zöglings zugleich die Verwerthung und der in ihm latenten Kraft und die Nutzbarmachung derselben für die bürgerliche Gesellschaft aufgegeben ist." Was im Speciellen aufsällt. ist, daß sich noch immer die Theilnahme in den Kronländern äußerst gering darstellt, während die Zöglinge aus allen Theilen des Kaiserstaates sind. So geben nur 16 Gemeinden und diese zusammen nicht mehr als 531 fl. jährliche Beiträge, während der mährische israelitische Landesmassafond 6 und der ungarische israelitische Schulfonv 20 Zöglinge unterhält. Die Jahresbeiträge beliefen sich auf 5919 fl. und die Zinsen auf 8729 fl. Den bedeutendsten Zuschuß lieferten die 41 zahlenden Zöglinge mit 20,935 st. Die öffentliche Prüfung erwies abermals die ausgezeichneten Resultate, die das Institut erzielt, und so kann dieses mit Recht die thätige Theilnahme der Glaubensgenossen des ganzen Kaiserstaates beanspruchen. Fuufhauö bei Wien, im April. Unter den Mitgliedern der hiesigen jüdischen Gemeinde circulirt ein Aufruf, der ebenso eigenthümlich an Inhalt, wie an Styl ist: „Glaubensgenossen! Wir sehen uns leider veranlaßt, euch eine höchst traurige Mittheilung machen zu müssen. Ueber unsere Gemeinde sind Gefahren heraufbeschworen worden, die jedem Manne, der sich Jude nennt, die Schamröthe in's Gesicht treiben müssen. Unser neues Gotteshaus, unser bisheriger Stolz, wird wegen nicht bezahlter Schulden exequirt. Die Beamten und Diener der Gemeinde haben ihren fälligen Gehalt nicht ausbezahlt erhalten, und weitere Klagen gegen die Gemeinde sind im Zuge. Die Gefertigten, vom Vorstände als Vertrauensmänner eingeladen, haben bis zu dieser Stunde die Gefahr und ihre Bedeutung nicht gekannt, sie war ihnen Geheimniß. Die Misi sion, die uns zu Theil wurde, mit den Gläubigern ein Arran-! gement zu treffen, ist uns nur theilweise gelungen, und zur env-

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