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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-05-09 · Heft 19 (9.5.1876) · p. Seite 304

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 19 (9.5.1876)
Date
1876-05-09
Page
Seite 304 (sequence 8)
Language
German
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304 anrückte und den Platz säuberte. Die Menge zerstreute sich, aber nur um sich auf einem benachbarten Platze, ungefähr 150 Mann stark, wieder zu sammeln. Nur mit Mühe gelang es dem inzwischen hinzugekommenen Gemeinderath, Herrn Ferdinand Rothenhein, die Menge zum Auseinandergehen zu veranlaßen, die wieder in die Judenstadt ziehen wollte, um ihren Genoffen zu rächen. Die Untersuchung ist bereits im Zuge, und fand schon gestern das erste Zeugenverhör statt. Szegedin, 24. April. (Privatmitth.) Herr Or. Wilhelm Bacher, der Sohn des bekannten Hebraisten Hrn. Simon Bacher aus Pest, ist zum Rabbinatsverweser der hiesigen Gemeinde gewählt. Derselbe hat sein Amt bereits angetreten. Frankreich. Paris, 25. April. Camille Söe (Israelit), dem linken Centrum angehörig, ist im 13. Wahlbezirk von Paris (St. Denis » mit ziemlicher Majorität dem radikalen Candidaten gegenüber in die Deputirtenkammer gewählt worden. Belgien. Brüssel, im April. «Privatmitth.» Es ist erfreulich zu beobachten, wie auch hier, obschon langsam, doch stetig die Zahl der Wohlthätigkeitsanstalten in der jüdischen Gemeinde wächst und die beste Organisation zu schaffen sich bemüht. Man muß es anerkennen, daß auf diesem Gebiete der Großrabbiner, Herr Astruc, sich viele Verdienste erwirbt. So wurde durch seinen Impuls und die Anstrengungen edelherziger Männer und Frauen am 2. Februar 1875 ein Alterversorgungshaus eröffnet und eingeweiht und lieg! jetzt der erste Jahresbericht vor. Es wurden 11 Pensionäre ausgenommen, von denen 2 im Laufe des Jahres starben. Das Haus ist für 18 eingerichtet, hat eine gesunde Lage vor, aber nahe bei der Stadt, ist mit allem Comfort nach den vorhandenen Mitteln ausgestattet und schließt auch eine kleine Synagoge ein. Jeder Pensionär muß eine jährliche Rente von 600 Francs haben; was ihm daran fehlt, wird für ihn aus besonderen Mitteln zugeschossen. Zur Aufnahme ist nöthig das Alter von mindestens 65 Jahren, Unbescholtenheit und ein Wohnsitz von mindestens 6 Jahren in Belgien. Gleich zur Gründung der Anstalt wurden über 15,000 Francs gespendet, wovon über 10,000 auf die Einrichtung des Hauses mit allen Bedürfniffen verwendet wurden. Die Unterhaltungskosten beliefen sich für das abgelaufene Jahr auf 9700 Francs. Man sieht also, daß die Wohlthätigkeit zur Deckung der Unkosten dauernd in Anspruch genommen werden muß, und zweifeln wir nicht, daß die blühende Gemeinde Brüffels für diesen edlen Zweck stets die genügenden Mittel spenden werde. — Bon Herzen wünsche ich, daß ich recht bald auch im Stande sein möchte, gleich Lobendes über unsre reorganisirte Elementarschule sagen zu können, die eine Zeit lang im Argen lag. Großbritannien. London, 28. 'April. Bon Sir Moses Montefiore erhält die Times einige Miltheilungen über die Leiden der Juden zu Zerkhan in Persien. Sir Moses glaubt, daß der Schah davon nichts wiffe, und spricht „Lord Derby und Ihrer Majestät Regierung, deren rasches und kraftvolles Einschreiten unter dem Segen des Allmächtigen mit den glücklichsten Resultaten gekrönt worden", seinen Dank aus. Mr. William Taylor Thomson, der britische Gesandte in Persien, schreibt an Lord Derby unter dem Datum Teheran, 5. März 1876: „Mylord! Mit Bezug auf Eurer Lordschaft Telegramm vom-21. Februar habe ich die Ehre, Ihnen anbei die Uebersetzung eines Briefes zu übermitteln, welchen der Minister der auswärtigen Angelegenheiten an seinen Bruder, den General-Gouverneur der Provinz Fars, zu Gunsten der jüdischen Gemeinde von Zerkhan gesendet hat und in welchem er den Wunsch ausspricht, daß sie unter deffen persönlichen Schutz genommen werden und er nicht zugeben solle, daß ihnen von irgend welcher Seite her Ungerechtigkeiten widerfahren." Das Folgende ist eine Uebersetzung des Schreibens des persischen Ministers für auswärtige Angelegenheiten an den General-Gouverneur von Fars: „März 1876. Aus dem, was berichtet worden, würde erhellen, daß die Zudengemeinde in Zerkhan unter gewiffen Ausschreitungen zu leiden gehabt, und daß mehrere ihrer Glaubensgenossen zum Wechsel ihrer Religion gezwungen worden sind. Obgleich ich nimmer glauben kann, daß sie in solcher Weise behandelt worden sein sollten, so schreibe ich Euch doch in der einzigen Absicht, solchen Handlungen der Ungerechtigkeit, falls sie vorgekommen sein sollten, ein Ziel zu setzen, und damit Jene das Gefühl voller Sicherheit wieder erlangen, diesen Empfehlungsbrief, und es ist gewiß, daß Ihr die in dieser Beziehung nvthwendigen Befehle erlheilen werdet." — Bon des persischen Ministers eigener Handschrift. — „Und ich wünsche, daß Ihr besagte Gemeinde unter Euren eigenen besonderen Schutz nehmet und nicht gestattet, daß ihr von irgend welcher Seite her ein Unrecht zugefügt werde." «Wenn man nur erst auf die Schriftstücke der orientalischen, namentlich der persischen Minister Etwas geben und ihnen Vertrauen schenken könnte!» Schweiz. Zürich, im April. «Privatmilth.) sDie bürgerlichen Berhältniffe der aargauischen Israeliten. \ Aus den im Schooße der Bundesversammlung zu Bern im Monat März „über die Einbürgerung der aargauischen Israeliten" gepflogenen Verhandlungen (s. Nr. 13. S. 207 ff.) darf nicht der Schluß gezogen werden, als ob die schweizerische Republik in Bezug auf die Emancipation der Juden hinter den Fortschritten der civilisirten Staaten zurückgeblieben wäre. Es muß anerkannt werden, daß die aargauische Regierung seit dem Bestände des Cantons (1803), sowie die Bundesregierung seit 1848 stets bemüht waren, die

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