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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-05-09 · Heft 19 (9.5.1876) · p. Seite 302

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 19 (9.5.1876)
Date
1876-05-09
Page
Seite 302 (sequence 6)
Language
German
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302 schlag unberücksichtigt geblieben sei. Es sei hierbei bemerkt, daß die auf solche Weise zurückgesetzten jungen Leute sich durchaus tadellos geführt haben. — EineS Commentars bedarf dieser Vorgang nicht." Die Richtigkeit dieser Mittheilungen, welche zu verbürgen wir der „Reform" überlassen müsien, vorausgesetzt, wäre es doch eigen thümlich. den Obristen eines beliebigen Regiments über das Bundesgesetz vom S. Juli 1869 gestellt zu sehen! Aus dem Großherzogthum Oldenburg, Fürsienthum Birkenseld, 23- April. (Privatmitth.j „Bei der am 20. d. M. stattgehabten Landtagswahl ist der jüdische Lehrer von Hoppstädten, Herr Eppstein, welcher seit Jahren den Vorsitz bei dem Birkenfeld'schen Landeslehrerverein führt, zum Abgeordneten gewählt worden." Elbing, im April. (Privatmiltheil.> Vor Kurzem ist die vor einigen Monaten erfolgte Wahl Des Herrn lll. Emanuel Schreiber aus Leißnick in Mähren zum Rabbiner und Prediger unserer Gemeinde seitens der königl. Regierung zu Danzig bestätigt worden. Herr l)r. Schreiber, langjähriger Schüler des sel. vr. Geiger, zugleich Zögling der Hochschule für die Wisienschast des Judenrhums in Berlin, hat es verstanden, durch seine gehaltvollen, den Verstand anregenden, wie das Gemüth befriedigenden Predigten, unterstützt von einem klangvollen Organ, das Interesse für das Jadenthum im Allgemeinen, wie zugleich den Sinn für Religiosität jedes Einzelnen, in unserer ziemlich bedeutenden Gemeinde wieder wach zu rufen. Die Synagoge, welche früher selbst an den Hauptseiertagen nur wenig besucht war, wird jetzt sogar an Sabbathen, an denen je eine Predigt oder Schrifterklärung statlfindet, von einem großen Theil der Mitglieder beiderlei Geschlechts und an den Feiertagen selbst von bisher vollständig indisierenten Mitgliedern besucht. Wir bemerken, raß seit rem Tode des sel. ltr. Sommerfeld (1851) hier kein Prediger angestcllt war und der Vorstand sowohl als die Repräsentanten sich schwer zu einer Wahl entschließen konnten, aus Furcht, einen Mißgriff zu begehen! — So hatte denn der Gottesdienst während dieser Zeit eine fast gehaltlose, der einheitlichen Leitung entbehrende, den intelligenten Theil der Gemeinde unbefriedigende Form, und nur den unermüdlichen, vom Vorstande redlich unterstützten Bemühungen Herrn l»r. Schreibers, haben wir die Reformen res Gottesdienstes, wie deutsches Gebet vor Eingang des Sabbath, Lesen der Haphtora in deutscher Sprache, einmaliger Vortrag der Schemone-Esra u. s. w. zu verdanken. Die vom Vorstande jetzt in's Leben gerufene, von Herrn Di-. Schreiber organisirte Religionsschule wird von circa 60 Mädchen und Knaben besucht und können wir mit den Erfolgen. die der Leiter in der kurzen Zeit erzielt hat, sehr zufrieden sein. Oesterreich - Ungarn. Wien, im April. (Privatmitth.) Sie haben bereits mehrere kleine Artikel über den in den letzten Jahren leider so häufig gewordenen Selbstmord gebracht, und ich glaube, dieses Thema, so ungern das Auge manches Lesers dabei verweilt, ist doch von zu großer Bedeutung, um nicht wiederholt zum Gegenstand der Besprechung gemacht zu werden. Denn abgesehen von dem Unglück, welches dieses Verbrechen, das epidemisch zu werden droht, in vielen Familien verbreitet, entspringt es aus einer Entsittlichung, mindestens aus einer Entmannung des Charakters, welche als ein allgemeiner Schaden der Zeit angesehen werden muß. Meine Ueberzeugung ist, daß auch auf diesem Gebiete die periodische Preffe, besonders die Tagespreffe, einen nicht geringen Theil der Schuld trägt. Ich meine nicht allein dadurch, daß sie Tag für Tag alle Fälle von Selbstmord, die irgend in Stadt und Land verkommen, sammelt und ausführlich mittheilt. Es ist gewiß. daß, je öfter und vollständiger irgend ein Lasier geschildert wird, destomehr sich aus dem Herzen der Maffe, besonders des jüngeren und leichtfertigeren Theiles, der Abscheu vor diesem Laster verliert: die Seele wird vertraut damit und findet den Weg leicht dahin. Ich sehe nicht ab, wozu diese Aufzählungen und Schilderungen der Selbstmorde, während doch die Todesfälle z. B. durch Lungenkrankheiten oder Diphteritis nicht gesammelt und erzählt werden. Biel größer jedoch ist die Schuld der Journale dadurch, daß sie das Verbrecherische im Selbstmorde immer mehr abzuschwächen, den Selbstmörder zu entschuldigen und zu rechtfertigen suchen, ihn unsrem Mitleide ganz besonders empfehlen. Es wird dadurch eine sittliche Atmosphäre um den Selbstmord gebreitet, welche sehr schädlich wirkt, ja gefährlich zu werden droht. Run können wir zwar recht viel Mitleid mit einem Selbstmörder, besonders in Anbetracht deffen, was in seiner Seele vor der That vorgegangen sein müffe, empfinden, ohne daß wir ein Tüttelchen von unsrer Berurtheilung der That aufzugeben brauchen. Der Selbstmord bleibt, mit Ausnahme der Geisteskrankheit, eine Empörung gegen Gott, der uns das Leben verliehen, eine Rebellion gegen die von Gott uns eingesenkte Natur des Selbsterhaltungstriebes, ein Act der Feigheit, um die Folgen eines Mißgeschickes, oft des selbstverschuldeten, nicht ertragen zu müsien, während zahllose Menschen die Kraft besitzen, solches Mißgeschick einen großen Theil ihres Lebens zu erdulden, in den meisten Fällen auch eine Handlung der Treulosigkeit gegen Frau und Kinder, die ihrem Schicksale und een Folgen überlasien werden, welche sich an das Verbrechen des Selbstmordes für sie knüpfen. Von diesem ganzen thatsächlichen Inhalt des Selbstmordes nehmen aber die Herren Publicisten keine Notiz und mit einer merkwürdigen Unkenntniß der Psychologie bauen sie sich Schlüße zu Gunsten des Selbstmordes zusammen, die jeder Stichhaltigkeit entbehren. Die „Statistische Monatsschrift" und nach ihr die „N. fr. Pr." vom 12. April enthält einen Artikel

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